Venantius Fortunatus bezeugt ihre Verehrung in A. zwischen 565 und 600. Eintragung in das Martyrologium Hieronymianum wohl um 600. Die Gedenktage schwanken zwischen 6./7. Aug. bzw. 8./9. Okt. (offiziell: 7. Aug.). Wohl Mitte des 7. Jh.s entstand ihre Leidensgeschichte (Passio), die sich formal an römische Märtyrerakten anlehnt und vermutlich aus den Mönchsvätererzählungen (Vitae patrum) das Dirnenmotiv übernimmt.
Afra sei während einer Christenverfolgung als öffentliche Dirne ergriffen worden und habe durch den Feuertod auf einer Lechinsel den Glauben an Christus bezeugt und für ihr sündiges Leben gebüßt. Spätestens um 800 wurde die Passio durch eine Bekehrungsgeschichte (Conversio) ergänzt. Bf. Narcissus von Gerona und sein Diakon Felix hätten eines Abends gegen 304 bei Afra Quartier erbeten und sie, ihre Mutter und Gefährtinnen bekehrt.
Eine dritte Fassung der Legende mit Erweiterungen erstellte um 1200 der Prior von St. Ulrich und Afra , Albert. Das Dirnenmotiv, das analog zu Maria Magdalena die Gnade Gottes gerade am Niedrigen wirksam zeigt, wurde in der Verehrungsgeschichte bald verdrängt. In alten A.er Kalendern des 11. Jh.s wird Afra als ’virgo’ bezeichnet, was lediglich ’junge Frau’ bedeutet, den Dirnenberuf aber nicht ausschließt. ’Bereinigt’ erscheint die Legende in der Liturgie des Afrafestes seit 1977, wo Afra als ’unbekannte römische Jungfrau und Märtyrerin’ verehrt wird. Der Ort ihrer ersten Beisetzung ist nicht bekannt. Bf. Adalbero gab noch 897 Afrareliquien nach Lorsch. Nach den Ungarneinfällen des 10. Jh.s scheint das Afragrab nicht mehr bekannt gewesen zu sein. Bf. Ulrich (I.) ließ danach suchen. Erst Bf. Embrico konnte 1064 Gebeine erheben, die man für diejenigen Afras hielt, und sie in einem römischen Sarkophag in den Afraaltar in St. Ulrich und Afra einmauern lassen. Dieser wurde 1804 geöffnet. Der gläserne Schrein, in dem Afra seither ruht, fand in verkleinerter Form in dem urspr. römischen Sarkophag Platz, der in der 1962/63 neugeschaffenen Krypta von St. Ulrich und Afra aufgestellt wurde. Während der Afraoktav (7.-15. Aug.) wird der Schrein gezeigt.
Neuerdings wird bezweifelt, daß in A. eine hl. Afra gelebt und hier das Martyrium erlitten habe. Möglicherweise habe es sich bei ihr vielmehr um eine Römerin gehandelt. Die angeführten Argumente reichen indessen bisher nicht aus, um die Tradition zu widerlegen.
Afrastraße (Haunstetten-West, Stpl. K 14).
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