Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Wolff

Kaufmannsfamilie

Von: Dr. Peter Geffcken (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • 1478-1489 in Augsburg nachweisbar; 1478 Herrenstube. Ein Beschluss des venezianischen Senats erwähnt 1488 die Kaufleute 'Henricus et Baldasar Bulf de Auspurch', in einer Mailänder Quelle von 1490 wird 'Enrico Volff' als Augsburger angesprochen. Verwirrend ist, dass Heinrich Wolff († 6.1.1505), Haupt einer der bedeutendsten oberdeutschen Handelsgesellschaften des ausgehenden 15. Jahrhunderts, nie in Augsburg lebte. Der Sohn des Nördlinger Venedigfahrers Claus Wolff († 1459/71) hatte 1469 Nürnberger Bürgerrecht erworben. Um 1500 zählte er mit einem Vermögen von rund 100.000 fl zu den reichsten Kaufleuten Nürnbergs. Trotzdem kannte man in Italien das Handelshaus als Augsburger Firma. Die Ungereimtheiten klären sich, wenn man den Blick auf den 1488 als Teilhaber genannten Balthasar Wolff († 10.4.1489) lenkt, Heinrichs Bruder. Er ist als Nördlinger Kaufmann in Köln fassbar, wo er 1460-1469 zu den führenden Pfeffer- und Safranimporteuren zählte. Wohl nach Heirat mit der Patrizierin Sabina Rehlinger († 1503/04), einer Schwägerin Sigmund (III) Gossembrots, übersiedelte er 1478 nach Augsburg. 1482 wurde er Mitglied der Kaufleutezunft und erscheint als deren Vertreter ab 1485 im Großen und 1489 im Alten Rat. Seine Stellung im Kölner Gewürzhandel lässt vermuten, dass Balthasar schon in den 1460er Jahren als Kaufmann in Italien aktiv war, für seine Augsburger Zeit ist dort eine führende Position belegbar. 1485 sicherte ihm ein Schreiben des Herzogs von Mailand Unterstützung gegen säumige Schuldner zu. Daneben wurden auch Verbindungen nach Frankfurt gepflegt: 1480 erscheint er dort als Käufer von Blei. Schon bei seinem Zuzug nach Augsburg war er ein reicher Mann, sein Anschlagvermögen (1478: 6700 fl) steigerte sich weiter bis auf zuletzt 19.200 fl (1486; 5. Stelle) und 26.400 fl (1492; 4. Stelle) und lag damit fast auf dem Niveau Lukas Welsers d. Ä. Schon aufgrund seines Eigenkapitals war Balthasar in der Firma also ein gleichberechtigter Partner, und man versteht, warum Wolff in Italien als Augsburger Haus gelten konnte. Der Standort Augsburg war aber auch deshalb bedeutsam, weil bei den Wolff in erheblichem Umfang Augsburger Kapital arbeitete. Um 1484 betrugen Balthasars Verbindlichkeiten gegenüber Wilhelm Gossembrots Witwe 1600 Dukaten und gegenüber der Tochter 4000 fl. Noch höher waren 1488 die Einlagen der Kinder Bernhard (I) Rehlingers, die etwa zwei Drittel ihres Vermö­gens ausmachten. Heinrich und Balthasar Wolff hatten ihnen kurzfristig 8300 Dukaten und in Raten über fünf Jahre weitere 10.000 fl zurückzuzahlen. Teile der Forderungen könnten sogar noch auf Anlagen H. Müllers, des Großvaters der Gossembrot- und Rehlingerkinder, zurückgehen. Auch Balthasars Witwe war noch geschäftlich aktiv, zumindest ist Sabina mit Wechselgeschäften in den Büchern der Frankfurter Blum-Gesellschaft nachweisbar. Von seinen zwei Töchtern starb Anna jung. Nach dem Tod der Witwe fiel 1504 das gesamte Vermögen an den Schwiegersohn Sebald Baumgartner.

Henry Simonsfeld, Der Fondaco dei Tedeschi in Venedig und die deutsch-venetianischen Handelsbeziehungen 1, 1887; Aloys Schulte, Geschichte des mittelalterlichen Handels und Verkehrs zwischen Westdeutschland und Italien [...] 2, 1900 (ND 1966), 56; Helmut Haller von Hallerstein, Größe und Quelle des Vermögens von 100 Nürnberger Bürgern um 1500, in: Beiträge zur Wirtschaftsgeschichte Nürnbergs 1 (1967), 122 f.; Franz Irsigler, Köln, die Frankfurter Messen und die Handelsbeziehungen mit Oberdeutschland im 15. Jahrhundert, in: Köln, das Reich und Europa, 1971, 424 ff.; Werner Schnyder, Handel und Verkehr über die Bündner Pässe im Mittelalter 2, 1975, 406, 437; Hermann Kellenbenz, Kleine Schriften 2, 1991, 624 ff.; Fritz Peter Geffcken, Soziale Schichtung in Augsburg 1396-1521, 1995, München Diss. 1983, Anh. 147-176.



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