Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Wolf

Hieronymus, * 13.8.1516 Oettingen, † 8.10.1580 Augsburg, Gräzist, Rektor des Gymnasiums bei St. Anna, Stadtbibliothekar

Von: Günther Grünsteudel / Dr. Paul Berthold Rupp (Stand: 3.1.2012)

  • Nach erster Unterweisung bei dem Reformator Nördlingens, Theobald Gerlach (Billicanus), Besuch des Egidiengymnasiums in Nürnberg, dort Unterricht bei den Humanisten Joachim Camerarius, Eobanus Hessus und Michael Roting. 1530-1535 Verwaltungslehre in der Oettingischen Kanzlei auf Schloss Harburg. 1535/36 Studium der Philologie in Tübingen, u. a. bei Camerarius und 1537-1539 in Wittenberg bei Martin Luther, Bonifatius Amerbach und Philipp Melanchthon. Nach Lehrerstellen in Nürnberg, Oettingen (missglückter Versuch, ein Gymnasium zu gründen) und Mühlhausen/Thüringen 1547-1550 Aufenthalte in Straßburg und Basel. In Basel Korrektor bei dem Drucker Johannes Oporin, für den er erste Übersetzungen aus dem Griechischen anfertigte. 1551-1557 Privatsekretär und Bibliothekar Johann Jakob Fuggers; in dieser Zeit Ausgaben und Übersetzungen griechischer Klassiker. 1557-1580 Rektor des Gymnasiums bei St. Anna, Stadtbibliothekar (1575 Katalog der griechischen Handschriften, Staats- und Stadtbibiliothek Augsburg) und Superintendent des lateinisch-protestantischen Schulwesens. Beisetzung im Kreuzgang von St. Anna. Sein Nachruhm (’Schwäbischer Sokrates’) gründet sich auf seine Ausgaben der griechischen Redner Demosthenes und Isokrates. Durch Herausgabe eines byzantinischen Geschichtskorpus Begründer der Byzantinistik. Mit seinen Schulordnungen von 1557 und 1576 zählt er zu den großen protestantischen Pädagogen des 16. Jahrhunderts. 1578 aus finanziellen Gründen Verkauf seiner Privatbibliothek an das Lauinger ’Gymnasium Illustre’ (heute: Staatsbibliothek Neuburg/Donau, 650 Bde. mit 1200 Drucken).

Karl Köberlin, Geschichte des humanistischen Gymnasiums bei St. Anna in Augsburg 1531-1931, 1931, 51-105; Richard Schmidbauer, Die Augsburger Stadtbibliothekare durch vier Jahrhunderte, 1963, 55-75; Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben 9, 1966, 169-193; S. Spring, Hieronymus Wolf, in: Nachrichtenblatt der Societas Annensis 1982-1985; Der Vater der deutschen Byzantinistik, 1984; J. M. M. Hermans, Byzantinische Handschriften im 16. Jahrhundert, in: Polyphonia Byzantina, 1993, 189-220; Diether Reinsch, Edition und Rezeption byzantinischer Historiker durch deutsche Humanisten, in: Graeca recentiora in Germania, 1994, 47-64; Hans Rudolf Velten, Das selbst geschriebene Leben, 1995, 94-102; Helmut Zäh, Hieronymus Wolf: Commentariolus de vita sua, 1998; Ders., Ein Gelehrter und Pädagoge von europäischem Format: Hieronymus Wolf, in: Eine Augsburger Schule im Wandel der Zeit, 2000, 30-41; Kerstin Hajdú, Griechische Autographe des Hieronymus Wolf in der Bayerischen Staatsbibliothek, in: Codices manuscripti 44/45 (2003), 41-66; Helmut Zäh, Die 'Bibliotheca Wolfiana' in Neuburg, in: Bibliotheken in Neuburg an der Donau, 2005, 105-135; Ders., Vom Augsburger Religionsfrieden bis zur Gründung des Annakollegs : das Rektorat des Hieronymus Wolf im Spiegel seines Briefwechsels, in: Das Gymnasium bei St. Anna in Augsburg, 2006, 30-52.

Hieronymus Wolf



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