Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Wiest

Ulrich, 15. Jahrhundert, Dichter

Von: Dr. Elisabeth Wunderle (Stand: 9.2.2011)

  • Dichtete vor dem Hintergrund des Städtekrieges 1449/50 (Markgrafenkrieges) ein neunstrophiges Lied, in dem er deutlich Stellung für die Seite der Städte bezieht und namentlich die Bischöfe von Mainz, Bamberg und Eichstätt wegen ihrer Teilnahme am Krieg und der Zweckentfremdung von Almosen tadelt. Das Lied endet mit einer Bitte an Gott, die Fürsten wieder auf den rechten Weg zu bringen und den Städten zu helfen. In der Schlussstrophe nennt Wiest seinen Namen und gibt das Jahr 1449 als Entstehungszeit des Liedes an. Zudem wird in den letzten Versen, die vielleicht als späterer Zusatz zu deuten sind, auf Ort und Datum der Aufführung des Liedes in Augsburg am 2.11.1449 verwiesen. Der dabei verwendete Ausdruck ’zu Augspurg auff der singschull hatt er es gewert’ wurde früher oft als Hinweis darauf gedeutet, dass zu dieser Zeit in Augsburg bereits eine organisierte Meistersinger-Gesellschaft bestanden habe und Wiest Meistersinger gewesen sei. Die neuere Forschung sieht hierin keine speziell meistersingerliche Terminologie, die solche Schlüsse erlauben würde. In diese Diskussion wird auch ein Lied von 1450 im Liederbuch der Clara Hätzler einbezogen, das sich im Kampf zwischen Fürsten und Städten auf die Seite der Fürsten stellt und damit vielleicht auf Wiests Lied Bezug nimmt.

Christoph Petzsch, Singschule, in: Zeitschrift für deutsche Philologie 90 (1971), Sonderheft, 1-17; Ulrich Müller, Untersuchungen zur politischen Lyrik des deutschen Mittelalters, 1974, 236; Hellmut Rosenfeld, Vorreformatorischer und nachreformatorischer Meistersang, in: Studien zur deutschen Literatur und Sprache des Mittelalters, 1974, 253-271; Gedichte 1300-1500, 21982, 242-246; Frieder Schanze, Meisterliche Liedkunst zwischen Heinrich von Mügeln und Hans Sachs 1, 1983, 383 f.; Ders., Überlieferungsformen politischer Dichtungen im 15. und 16. Jahrhundert, in: Schriftlichkeit und Lebenspraxis im Mittelalter, 1999, 299-331, bes. 305-307, 310; Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon 10, 21999, 1058-1060.



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