Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Wiesel

Johann (Wisel, Wiselius) * 1583 Burrweiler/Pfalz, † 27.3.1662 Augsburg, Optiker

Von: Inge Keil (Stand: 21.8.2009)

  • Über seine Jugend ist nichts bekannt. Ausbildung zum Schreiber. Kam um 1620 nach Augsburg, im Januar 1621 durch Heirat Schwiegersohn von Weigand Arnold und Bürger von Augsburg. Eröffnung seiner optischen Werkstatt als ‚Perspektivmacher’. Durch seine zweite Ehe mit Anna Maria Ulstett wurde er 1645 Mitglied der Kaufleutestube; 1649 Mitglied im Großen Rat. 1653 Zechpfleger von evangelisch Heilig Kreuz. Einer der ersten gewerblichen Fernrohrbauer in Europa nach Erfindung des Fernrohrs 1608, fertigte auch Brillen, Mikroskope und andere optische Geräte. Arbeitete um 1630 u. a. für den Kaiser, den bayerischen Kurfürsten, für Gustav II. Adolf von Schweden (1632) sowie verschiedene deutsche Fürsten. Wiesel entwickelte um 1643 zusammen mit dem Kapuzinerpater Rheita das terrestrische Fernrohr (Erdfernrohr) mit vier konvexen Linsen und setzte um 1650 als erster Optiker die Feldlinse ins Mikroskop ein. Als ‚Augustanus Opticus’ war er nach 1644 weithin bekannt, Verkäufe in ganz Europa. Nachbau seiner Instrumente in England. Handschriftliche Preislisten von 1625, 1630, 1647 und eine englische um 1650 sind erhalten (Widemann). Wohnung und Werkstatt zuerst ‚Bei der Sackpfeife’, dann im Äußeren Pfaffengässchen 23 (Wiesel-Haus), ab 1642 in der Heilig-Kreuz-Straße 22 (1944 zerstört). Seine Nachfolger waren sein Schwiegersohn Daniel Depiere und später Cosmus Conrad Cuno. Nur zwei signierte Fernrohre aus dem Besitz des Generals Karl Gustav Wrangel (Schloss Skokloster, Schweden), eine Schiffslaterne, die Wiesel 1640 für Christian IV. nach Dänemark lieferte (Schloss Rosenborg Kopenhagen) sowie ein signiertes Relikt (Germanisches Nationalmuseum Nürnberg) sind erhalten. Das Porträt von 1660 widmete ihm der Ulmer Ratsherr Theodorus Schad. Die goldene Ehrenkette hatte er von Kurfürst Maximilian I. von Bayern erhalten.

Paul von Stetten, Kunst-, Gewerb- und Handwerksgeschichte der Reichs-Stadt Augsburg 1, 1779, 169 f.; Albert Van Helden, The development of compound eyepieces 1640-1670, in: Journal for the history of astronomy 8 (1977), 26-37; Inge Keil, Johann Wiesel, optician of Augsburg and the Hartlib circle, in: Samuel Hartlib and universal reformation, 1994, 268-278; Dies., Der Augsburger Optiker Johann Wiesel und seine Beziehungen zu Herzog August d. J. von Braunschweig-Lüneburg, in: Augsburg in der Frühen Neuzeit, 1995, 158-169; Dies., Augustanus Opticus. Johann Wiesel (1583-1662) und 200 Jahre optisches Handwerk in Augsburg, 2000; Dies., Von Ocularien, Perspicillen und Mikroskopen, 2003; Rolf Willach, The Wiesel-telescopes in Skokloster castle and their historical background, in: Scientific Instrument Society: Bulletin 73 (2002), 17-22; Inge Keil, Microscopes made in Augsburg, in: From makers to users, 2007, 43-71.

Johann Wiesel



Wir freuen uns über Ihre Anmerkungen, Verbesserungsvorschläge und Ergänzungen zu den einzelnen Artikeln. Allerdings behalten wir uns das Recht vor, ungemessene Kommentare zu ignorieren. Gerne können Sie auch direkt per eMail Kontakt mit uns aufnehmen.

Kommentar zu diesem Artikel verfassen

Name:
Email:

Kommentar:
Bitte abgebildeten Sicherheitscode eingeben:


 



Wißner-Verlag Tel. 0821/25989-0