Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Wernher

12. Jahrhundert, Priester (?)

Von: Dr. Elisabeth Wunderle (Stand: 9.2.2011)

  • Vollendete 1172 ein dreiteiliges, ca. 5900 Verse umfassendes mittelhochdeutsches Marienleben ('Driu liet von der maget'). Teil 1 berichtet von den Eltern, der Geburt und der Kindheit Marias; im Mittelpunkt von Teil 2 steht die Verlobung Marias mit Joseph und die Verkündigung; Teil 3 schildert v. a. Geburt und Kindheit Jesu. Die einzelnen Teile können somit drei kirchlichen Festen zugeordnet werden: Teil 1 Mariä Geburt, Teil 2 Mariä Verkündigung und Teil 3 Weihnachten. Der Name Wernhers ist uns nur aus der Nennung im Werk selbst ('Priester Wernher') bekannt; er wird mit einem 'Wernherus presbyter' gleichgesetzt, der 1180 im Augsburger Domkapitel nachgewiesen ist. Der im Epilog genannte Auftraggeber wird mit Manegold, 1182-1184 Abt von St. Ulrich und Afra, in Zusammenhang gebracht. Quelle für diese Mariendichtung war eine nicht näher bestimmbare Version des apokryphen Ps. Matthäus-Evangeliums 'Liber de ortu beatae Mariae et infantia salvatoris nostri'. Das Werk stellt die erste umfangreichere dichterische Gestaltung eines Marienlebens in deutscher Sprache dar und nimmt wegen seiner stilistischen Meisterschaft und Darstellungskunst als literarisches Zeugnis am Übergang von der frühen zur klassischen Phase der mittelhochdeutschen Literatur einen hohen Rang ein.

Priester Wernher, Maria, 21969; Achim Masser, Bibel- und Legendenepik des deutschen Mittelalters, 1976, 91-95; Von der Augsburger Bibelhandschrift zu Bertolt Brecht, 1991; Literaturlexikon 12, 1992, 263 f.; Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon 10, 21999, 903-915; Michael Curschmann, Das Buch am Anfang und am Ende des Lebens, 2008.



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