Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Synagogen

Von: Hans Hirsch / Redaktion (Stand: 25.8.2009)

  • Eine Synagoge (mittelhochdeutsch ’schuol’, ’judenschuol’) ist erstmals im Stadtrecht von 1276 erwähnt. Spekulativ bleiben der Bezug zum 1259 erwähnten ’domus Judeorum’ und die Lokalisierung als Vorgängerbau der Kapelle St. Leonhard (Karlstraße 21). Sicherlich lag die Synagoge mit Vorhof (Gerichts- und Versammlungsort) im Gebiet der späteren Judengasse. Nach Vertreibung der Juden Mitte des 15. Jahrhunderts wurde deren Gemeindebesitz eingezogen und die Synagoge in ein Wohnhaus umgewandelt. Anfang des 19. Jahrhunderts richtete der jüdische Bankier Jakob Obermayer in seinem Haus (Lit. D 100a, Obstmarkt 12) eine Betstube ein, um den Angehörigen der in Augsburg immatrikulierten Familien den Weg nach Kriegshaber oder Pfersee zu ersparen. 1858 kaufte sein Sohn Isidor im Auftrag der sich konstituierenden Augsburger Gemeinde das Wohnhaus Lit. A 13b (Wintergasse 11), das in eine Synagoge mit anliegenden Wohnungen für Rabbiner, Kantor und Religionslehrer umgebaut und mehrfach erweitert wurde (1944 zerstört). Die bis zur Jahrhundertwende stark angewachsene Gemeinde erforderte einen Neubau. 1903 wurde das Degmairsche Gartengut erworben, 1913 die Architekten Heinrich Lömpel und Fritz Landauer beauftragt, den Bau auszuführen (Grundsteinlegung 1914). Am 4.4.1917 wurde die vielleicht bedeutendste Jugenstil-Synagoge Europas eingeweiht (Halderstraße 6/8): Überkuppelter Zentralbau mit Vorhof zwischen zwei flankierenden Gemeindebauten. Der Einbau einer Orgel war Ausdruck der liberalen Gesinnung der Augsburger Gemeinde. In der Reichspogromnacht zerstörten gegen drei Uhr nachts Nationalsozialisten die Inneneinrichtung und legten Feuer. Eine völlige Zerstörung unterblieb wohl aus Rücksicht auf anliegende Großbauten und eine gegenüberliegende Tankstelle. Während des Krieges diente die Synagoge den Städtischen Bühnen als Kulissenlager, die Verwaltungsgebäude nutzten verschiedene NS-Organisationen. Die Orgel wurde in die Pfarrkirche von Weßling verbracht, wo sie sich bis heute befindet. Bis zum Beginn der Deportationen diente die um 1850 erbaute Synagoge in Kriegshaber (Ulmer Straße 228, Vorgängerbau um 1750 bezeugt), die nicht geschändet worden war, als Gebetsstätte. Einweihung der sog. Kleinen Synagoge am 15.12.1963; am 1.9.1985 wurde nach langjährigen Restaurierungsarbeiten die große Synagoge an der Halderstraße eingeweiht und das Jüdische Kulturmuseum eröffnet.

Richard Grünfeld, Ein Gang durch die Geschichte der Juden in Augsburg, 1917; ’Gebt Ehre der Lehre’. Einweihung der kleinen Synagoge, 1964; H. Künzl, Die Synagoge in Augsburg, in: Juden im deutschen Sprachraum, 1991, 382-405; Auf den Spuren jüdischen Lebens in Augsburg, 1992; Peter Böttger, Die Augsburger Synagoge in der Halderstraße, in: Denkmäler jüdischer Kultur in Bayern, 1994, 75-85; Bernt von Hagen / Angelika Wegener-Hüssen, Stadt Augsburg, 1994, 204-207, 442 f.; Bernd Vollmar, Die baugeschichtliche Bedeutung der Synagoge in Schwaben, in: Geschichte und Kultur der Juden in Schwaben, 1994, 63-72; Bernhard Schimmelpfennig, Christen und Juden im Augsburg des Mittelalters, in: Judengemeinden in Schwaben im Kontext des Alten Reiches, 1995, 23-38; 10 Jahre Wiedererrichtung der Synagoge Augsburg, 10 Jahre Gründung des Jüdischen Kulturmuseums Augsburg-Schwaben 1985-1995, 2001; Benigna Schönhagen, Augsburg – die Synagoge, 2006.

Synagoge

Innenansicht



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