Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Stadtrechnungen

Von: Dr. Peter Geffcken (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Aufzeichnungen der Finanzverwaltung haben sich in Augsburg ab dem 14. Jahrhundert erhalten. Bis ins 15. Jahrhundert wurden die Stadtrechungen von den Stadtschreibern geführt, später von besonderen Amtsschreibern. Die um 1320 noch recht primitive Buchungstechnik zeigt schon um 1400 deutliche Fortschritte (Sachkonten, Saldierung, Bilanz) und wurde danach im Detail weiter verbessert. Arabische Zahlen, obwohl vereinzelt schon im 14. Jahrhundert verwendet, setzten sich erst im 15. Jahrhundert durch. Die wichtigsten Stadtrechungen sind die Amtsrechnungen von Steuermeister, Baumeister und Einnehmer. Die Bestände sind im 14. Jahrhundert sehr lückenhaft, verdichten sich aber im 15. Jahrhundert. Ausgaberechnungen der Steuermeister (erhalten 1321-1430; sie tragen z. T. die missverständliche Bezeichnung ’Leibgedingbücher’) wurden wohl nur bis kurz nach 1450 geführt. Ihre Einnahmerechnungen waren die Steuerbücher (erhalten ab 1346). In den Rechnungen der Baumeister (erhalten ab 1320) wurden anfänglich Einnahmen und Ausgaben vermischt, seit 1368 aber getrennt verbucht (’liber receptorum’, ’liber distributorum’). Seit 1467 wurden nur noch Ausgaben verzeichnet. Neben den eigentlichen Amtsrechnungen wurden z. T. Unterrechnungen wie Söldner-, Boten- oder Denkbücher geführt. Die Rechnungen der Einnehmer (erhalten ab 1474) verzeichneten anfänglich nur Einnahmen, im 18. Jahrhundert aber auch wichtige Ausgabetitel wie Gehälter. Die städtischen Hauptrechnungen waren bis 1466 die Baumeisterrechnungen, ab 1467 die Einnehmerrechnungen, da diese nicht nur die direkten Amtseinnahmen, sondern auch die Ablieferungen der nachgeordneten Inkassostellen und die Überschüsse der Verwaltungsämter (z. B. der alten Baumeister und Einnehmer) verbuchten. Bedingt durch das Kassensystem und den Vorabzug von Gehältern und Verwaltungskosten ist der städtische Haushalt in Volumen und Struktur über die Stadtrechungen nie ganz exakt fassbar.

Fritz Peter Geffcken, Soziale Schichtung in Augsburg 1396-1521, 1995, München Diss. 1983.



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