Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Spitzel

Von: Dr. Horst Jesse (1) / Ulrich Kirstein (2) / Anne Schmucker (3) (Stand: 26.8.2009)

  • 1) Theophil Gottlieb (Spizel, Spitzelius, Spizelius), * 11.9.1639 Augsburg, † 17.1.1691 Augsburg, evangelischer Pfarrer, Polyhistor. Ab 1653 Studium in Tübingen und Leipzig (Magister 1658). Bildungsreise durch Deutschland und Holland; Bekanntschaft u. a. mit Gottfried Wilhelm Leibniz, Friedrich Breckling, Philipp Jakob Spener und Valentin Alberti. 1662 Diakon, 1682 Pfarrer von St. Jakob, 1690 Senior des Evangelischen Ministeriums. In seiner Person vereinigen sich natürliche Religiosität mit strengem Luthertum und pietistischem Streben (Pietismus). Wichtige Werke: 'De re litteraria sinensium commentarius' (1660), 'Vetus Academia Jesu Christi' (1671), 'Templum honoris reseratum' (1673), 'Augspurgischer Seelen-Garten' (1678), 'Pietas ad omnia utilis'. Mit umfassenden Kenntnissen ausgestattet, widmete er sich mehr biographischen, literarkritischen und kulturgeschichtlichen als theologischen Themen. Mit seinem 'Augsburgichen Seelengarten' versuchte er, Anweisungen zu einem christlichen Leben zu geben. Es war ein Kampf gegen die aufklärerische atheistische Zeitströmung. Spitzel verband Offenbarung und Vernunft und bemühte sich 'den Weg zum Tor der wahren Glückseligkeit' aus dem christlichen Glauben darzustellen. Leider gelang es ihm nicht, Speners und Franckes pietistischen Ideen in Augsburg durchzusetzen.  Spitzel war auch in die konfessionellen Streitigkeiten mit den Jesuiten involviert. Der Rat der Stadt verbot ihm, seine antikatholische Augsburger Reformationsgeschichte zu veröffentlichen. Wirkte durch seine seelsorgerischen Schriften positiv auf die Entwicklung der protestantischen Frömmigkeit.
  • 2) Gabriel, * 11.10.1697 Augsburg, † 21.1.1760 Augsburg, Maler, Verleger. Enkel von 1), Sohn des Pfarrers Tobias Spitzel. Nach anfangs angestrebter akademischer Laufbahn Schüler von Tobias Laub in Augsburg, danach in München bei Jacopo Amigoni. 1725 Heirat und Meisterrecht. In zweiter Ehe seit 1729 verheiratet mit 3). Verkaufte 1739 seinen Kunstverlag und lebte überwiegend in Sachsen und Berlin, ehe er 1756 nach Augsburg zurückkehrte. Vor allem als Porträtmaler tätig, schuf auch Schabkunstblätter mit Bildnissen und Allegorien.
  • 3) Christina Rosina, * 23.3.1710 Augsburg, † 16.8.1740 Köthen, Kupferstecherin, Schriftstellerin. Ehefrau von 2). Tochter des aus Leipzig stammenden Kupferstechers Johann August Corvinus, der sie in der Malerei und im Kupferstich unterwies. Später wandte sie sich der Dichtkunst zu (u. a. Kantatentexte, Gedichte, 'Poetische Ergötzungsstunden, 2 Bände, 1731, 1738). Vor ihrer Heirat 1729 war sie mit dem Kupferstecher Georg Christoph Kilian verlobt.

1) Joseph Friedrich Rein, Das gesamte Augspurgische Evangelische Ministerium in Bildern und Schrifften, 1749, 146; Allgemeine deutsche Biographie 35, 1893, 221; Hans Wiedemann, Augsburger Pfarrerbuch, 1962, 39; Dietrich Blaufuß, Reichsstadt und Pietismus, 1977; Horst Jesse, Die Geschichte der Evangelischen Kirche in Augsburg, 1983, 263-266; Lebensbilder aus dem bayerischen Schwaben 13, 1986, 144-173; Dietrich Blaufuß, Commercium epistolicum in der Reichsstadt. Gottlieb Spizel/Augsburg (1639-1691) und seine Briefwechselsammlung im Umkreis von Orthodoxie und Pietismus, in: Stadt und Literatur im deutschen Sprachraum der frühen Neuzeit 1, 1998, 411-424; Ders., Gottlieb Spizel (1639-1691) – dreißig Jahre Pfarrer an St. Jakob, in: St. Jakob – 650 Jahre, 2005, 36-39.
2) Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler 31, 1937, 391 f.
3) Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler 7, 1912, 500; Franz Schmidt, Christiana Rosina Spitzel, eine vergessene Augsburger Dichterin, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben 50 (1932/33), 127-140; Augsburger Frauenlexikon, 2006, 148.

Theophil Gottlieb Spitzel

Christina Rosina Spitzel



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