Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Schwarz

Familie

Von: Dr. Peter Geffcken (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • 1) Ulrich, * 1422 Augsburg, † 14.4.1478 Augsburg, Ratsherr, Stadtpfleger. Entstammte einer um 1400 aus Rettenbergen zugewanderten Zimmermannsfamilie. Ab 1459 Ratsherr der Zimmerleutezunft, gelangte er 1467 in den Führungszirkel der Dreizehner und wurde ab 1469 siebenmal in das Amt des Stadtpflegers gewählt. Sein Aufstieg zu einer zentralen Figur der Augsburger Politik wurde durch eine tiefgreifende soziale Krise ermöglicht. Die wirtschaftlichen Probleme der 1450/60er Jahre hatten nicht nur breite Schichten verarmen lassen, sondern allgemein das Vertrauen in die Politik der herrschenden Kaufmannsoligarchie erschüttert. Wohl gelenkt von Schwarz, setzten die Handwerkszünfte ab 1462 politische Reformen durch, die anfänglich nur auf eine Wiederherstellung der Verfassungsverhältnisse von 1368 mit ihrer stärkeren Gleichstellung der Zünfte im Rat abzielten. 1476 erreichten die innenpolitischen Konflikte einen Höhepunkt, als Schwarz nicht turnusgemäß aus dem Amt des Stadtpflegers ausschied und der Ratsausschuss der Dreizehner durch einen Zunftmeisterausschuss (Achtzehner) ersetzt wurde. Die 1477 trotz Intervention des Kaisers vollzogene Hinrichtung des ehemaligen Bürgermeisters Johann (III) Vittel wurde zum Auslöser für den Sturz von Schwarz und seinen Tod am Galgen.
  • Ulrich-Schwarz-Straße (1973, Pfersee-Nord; Amtlicher Stadtplan H 8/9; zuvor: Unterer Feldweg).
  • 2) Matthäus, * 1497 Augsburg, † um 1574 Augsburg, Kaufmann, Kunstliebhaber. Enkel von 1). Kaufmannslehre in Mailand und Venedig, wo er Kenntnisse in Buchhaltung erwarb. 1516 Anstellung bei Jakob Fugger. Erlangte eine Vertrauensstellung und wurde Hauptbuchhalter der Fugger-Gesellschaft. 1518 Abfassung der ’Musterbuchhaltung’, eines kaufmännischen Lehrbuchs. Auch künstlerisch sehr interessiert, wobei seine besondere Liebe Kostümen galt (’Kleidernarr’). Seine Trachtenbücher wurden u. a. von Narziß Renner illustriert.

Elias Caspar Reichard, Matthäus und Veit Konrad Schwarz, 1786; Georg Habich, Das Gebetbuch des Matthäus Schwarz, 1910; Georg Panzer, Ulrich Schwarz, der Zunftbürgermeister von Augsburg, 1912; Götz von Pölnitz, Jakob Fugger, 1949/51; Götz von Pölnitz, Anton Fugger 1, 1958; Welt im Umbruch 1, 1980, 229 f.; C. von Heusinger, A unique fashionbook of the 16th century, in: Journal of the arts 123 (1986), 164 f.; Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon 8, 21992, 917-919; Kurzweil viel ohn‘ Maß und Ziel, 1994 (Katalog), 104-144; Wolfgang Zorn, Augsburg. Geschichte einer deutschen Stadt, 21994, 170 f.; Jörg Rogge, Für den gemeinen Nutzen. Politisches Handeln und Politikverständnis von Rat und Bürgerschaft in Augsburg im Spätmittelalter, 1996, 48-98.

Ulrich Schwarz



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