Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Schuster

(Schuhmacher)

Von: Dr. Peter Geffcken / Prof. Dr. Reinhold Reith (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Als gewerbliche Korporation schon im Stadtrecht von 1276 genannt (Abgrenzung der Rechte gegenüber Weißmalern und Lederern; Gerber). Die Schuster produzierten Schuhe aus Rindsleder, die sie entweder in ihren Läden oder im gemeinschaftlichen Kaufhaus (domus sutorum) verkaufen konnten. Zu ihren Rechten gehörte auch der Verkauf von geschnittenem Leder. Seit wann in größerem Umfang für den Export produziert wurde, ist nicht mehr erkennbar. Anfang des 15. Jahrhunderts erscheinen Schuster als Lederhändler auf der Nördlinger Messe. Mitte des Jahrhunderts erlangte die Ausfuhr von Schuhen in das ’gepirg’ nach Tirol zunehmend an Bedeutung. Produktionsausweitungen der ’bürgschuster’ unter Umgehung der Satzungen führten zu internen Spannungen. Als Kompromiss wurde den für den Export produzierenden Schustern zwar erlaubt, mit vier Gesellen zu arbeiten, jedoch durften sie ihre Schuhe nicht mehr auf dem lokalen Markt absetzen. 1368 bildeten die Schuster eine Einzelzunft, die 1475 117 Mitglieder hatte. Mit zwei Vertretern im Kleinen und einem im Alten Rat zählte sie zu den ’mittleren’ Zünften. Im 15. Jahrhundert erscheinen die Schuster als nicht sehr wohlhabende Berufsgruppe. Erst 1449 erwarben sie ein eigenes Zunfthaus beim Schuhgässchen (Kanzleigässchen), das 1548 aufgehoben wurde. Bereits 1475 arbeiteten ca. 100 Meister in Augsburg, deren Zahl bis 1755 auf 193 anstieg. Bis zum Ende der reichsstädtischen Zeit produzierten die Schuster nur auf Bestellung und durften außerhalb der Markt- und Kirchweihzeit höchstens 16 Paar Schuhe vor ihren Werkstätten aushängen. Erst im 19. Jahrhundert kamen Ladengeschäfte auf; in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der Schuster aufgrund großbetrieblicher Schuhproduktion zurück; die Schuster verlegten sich auf Reparaturarbeiten. Als der Rat das Korrespondenzrecht der Gesellen einschränkte, legten 1726 nahezu 150 Gesellen für drei Monate die Arbeit nieder und zogen nach Friedberg. Dieser ’Aufstand der Augsburger Schuhknechte’ löste einen reichsweiten Boykott aus und gab den Anstoß zum ’Reichsabschied gegen die Handwerksmissbräuche’ (Reichshandwerksordnung von 1731).

Gründliche Facti Species von der Schuh-Knechten in Augsburg höchst-sträflich unternommenen Aufstand, 1726; Das Stadtbuch von Augsburg insbesondere das Stadtrecht vom Jahre 1276, 1872; Rolf Kießling, Augsburgs Wirtschaft im 14. und 15. Jahrhundert, in: Geschichte der Stadt Augsburg von der Römerzeit bis zur Gegenwart, 21985, 171-181; Reinhold Reith, Arbeits- und Lebensweise im städtischen Handwerk. Zur Sozialgeschichte der Augsburger Handwerksgesellen im 18. Jahrhundert, 1988.



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