Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Schraubtaler, Schraubmedaille

Von: Ernst Pressler (Stand: 25.8.2009)

  • Von Augsburger Silberdrehern (Drechsler) hergestellte Besonderheit, die in der Regel aus zwei Talern besteht, die auf einer Seite abgeschliffen, innen ausgefräst und mit Gewinde bzw. Gegengewinde versehen wurden. Zusammengeschraubt ergaben sie eine Dose (Schraubtaler). Erste bekannte Stücke aus der zweiten Hälfte des 16. Jarhunderts, die meisten wurden im 17. Jahrhundert hergestellt. Im Inneren enthielten sie zunächst in das Silber in Punktiermanier gravierte oder in Öl gemalte Porträts von Herrschern oder wohlhabenden Persönlichkeiten. Bei Ölminiaturen findet man oft Porträts von Ehepaaren oder eines Mannes bzw. einer Frau und ein Wappen. Die Stücke sind meist unsigniert. Es handelte sich wohl um Geschenke an verdiente Personen oder Freunde. Von etwa der Mitte des 17. bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden als Einlagen zwei auf Pergament gemalte Aquarelle eingeklebt, dazu kamen meist noch zehn und mehr bemalte Glimmerblättchen, die so bemalt waren, dass ein Teil der Szene ausgespart blieb. Legte man sie auf das Aquarell, so entstand ein neues Bild. Die bekanntesten Stücke haben u. a. Mode sowie Leben und Leiden Christi und verschiedener Heiliger zum Thema. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts kamen gegossene oder geprägte Schraubmedaillen mit größerem Innenvolumen hinzu, in die auch größere Serien von Bildern eingelegt werden konnten. Die Außenseiten nahmen nun auch Bezug auf den Inhalt. Bei den Bildern lösten Kupferstich bzw. Radierung (teilweise auch signiert) das Aquarell ab. Als Verleger trat vor allem der Augsburger Silberdreher Abraham Remshard hervor, der seine Kupferstiche vielfach von Gottfried Rogg fertigen ließ. Man findet auch Signaturen von Caspar und Jakob Langenbucher, Daniel Höckinger, Gottlieb Deinhard und Johann Valentin Weyd. Ende des 18. Jahrhunderts endet die Ära der Augsburger Schraubtaler und -medaillen. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden in Nürnberg nach Augsburger Vorbild Steckmedaillen (ohne Gewinde) hergestellt.

L. Clauss, Der Schraubtaler und seine Geschichte, in: Mitteilungen der Bayerischen Numismatischen Gesellschaft 31 (1913); Gisela Förschner, Kleinkunst in Silber, 1978; Ernst Preßler, Schraubtaler, Schraub- und Steckmedaillen, 2000.



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