Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Schnurbein

Patrizierfamilie

Von: Dr. Michaela Schmölz-Häberlein (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Balthasar (I, * 1578 Brixen, † 5.11.1635 Augsburg) kam zwischen 1593 und 1605 von Südtirol nach Augsburg. Lehrzeit bei Nikolaus und Ludwig Stierlin. Erwarb das Bürgerrecht durch Heirat mit Felicitas Bühler. 1606-1635 Mitglied der Kaufleutestube. Um 1610 Geschäftsführer der Handelsfirma Stierlin, 1625 deren Alleininhaber. Seine Steuerleistung wuchs mit den Jahren kontinuierlich an. 1635 zahlte seine Witwe Katharina Beurlin 148 fl Steuer. Balthasar (II, * 1609 Augsburg, † 1661 Augsburg) heiratete 1636 Katharina Ledergerber und übernahm die Firma seines Vaters, die er unter dem Firmennamen ’Balthasar Schnurbein und Mitverwandte’ zum Höhepunkt führte. Seine Geschäfte, vor allem Seiden- und Silberhandel, tätigte er mit Bozen, Leipzig, Naumburg und Lucca. Seine Witwe heiratete den Schnurbein'schen Handlungsdiener Christoph Henschel und zahlte 1674 als eine von zwei Augsburgern die ’reiche Steuer’ von 750 fl, was einem Vermögen von über 150.000 fl entsprach. Balthasar (III, * 1645 Augsburg, † 1711 Augsburg) war nach dem Tod seines Stiefvaters Christoph Henschel Alleininhaber der Firma, deren Handelsgeschäfte mit Gold und Silber über Bozen, Frankfurt/Main und Leipzig liefen. Er heiratete eine Tochter Andreas Huebers, der im Wechsel- und Lyon-Handel reich geworden war (1674: 112.500 fl Vermögen). Legte sein Kapital in Immobilien an (Güter Deuringen und Untermeitingen). Der Inhaber verschiedener Ratsämter wurde 1697 von Kaiser Leopold I. geadelt (’Schnurbein von und zu Meitingen’). Seine Söhne Markus (II, * 1671, † 1746) und Balthasar (IV, * 1673, † 1729) heirateten mit den Töchtern der Stadtpfleger Gottfried Ammann und Paul von Stetten Angehörige der Oberschicht und wurden 1706 ins Patriziat aufgenommen. Beide zahlten 1717 die ’reiche Steuer’ und errichteten spätestens 1717 eine Niederlassung in Leipzig. Markus (II) war ab 1718 Finanzier der Hofkammer in Innsbruck und ab 1724 des Bischofs von Augsburg. Außerdem betrieb er seit 1724 eine Gold- und Silbermanufaktur in Köthen und investierte ab 1728 in die Schwarzkupfer- und Silberausbeute des Mansfeld-Eisleben-Hettstedter Bergbaus. Sein Handels- und Bankhaus war eines der größten in Augsburg. Sein Sohn Gottfried von Schnurbein (* 1700, † 1749) schlug eine politische Laufbahn ein. Er stand im Dienst der Dresdener Hofkanzlei und war mehrfach Gesandter. Seit 1728 Legationssekretär in Wien, 1731 Geheimagent Prinz Eugens und des sächsischen Hofs in München, 1736 Titular-Reichshofrat, 1733-1747 kursächsischer Vertreter in Aungsburg und 1744/45 Vertreter Bayerns. Seit 1741 Reichsfreiherr. 1744 kurze Zeit inoffizieller Gesandter Sachsens. Versah seine verschiedenen Dienste ohne feste Bestallung und verschuldete sich. 1746 erbte er die Familienherrschaft Untermeitingen, die er fast zugrunde richtete. Seinem Bruder Markus (III) gelang es als Vormund für Gottfrieds Sohn Markus (IV), den Besitz zu sanieren und bis 1775 mit Ettelried und Wollmetshofen weitere Güter zu erwerben. Markus’ (IV) Sohn Markus Jakob heiratete 1792 die Augsburger Bankierstochter Jakobina Magdalena von Schwarz und 1816 Elisa von Schaezler. 1845 wurden die Schnurbein Aktionäre der Augsburger Kammgarn-Spinnerei. Mit anderen evangelischen Augsburger Familien gründeten die Schnurbein 1751 die ’Patriziatsstiftung zur Unterstützung hilfsbedürftiger Witwen und Nachkommen’ (ab 1806: ’Stiftung einiger augsburgischen prot. adelichen Familien zur Unterstützung ihrer notleidenden Mitglieder’).

Paul von Stetten, Geschichte der adelichen Geschlechter in der freyen Reichsstadt Augsburg, 1762, 333 f.; Wolfgang Zorn, Handels- und Industriegeschichte Bayerisch-Schwabens 1648-1870, 1961; Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben 10, 1973, 177-190; Bruno Bushart, Kunst und Stadtbild, in: Geschichte der Stadt Augsburg von der Römerzeit bis zur Gegenwart, 21985, 491; Bernd Roeck, Eine Stadt in Krieg und Frieden 2, 1989, 1068.



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