Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Schmucker

(Smuker), Kaufmanns- und Patrizierfamilie

Von: Dr. Peter Geffcken (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • 1351 bis ins 16. Jahrhundert in Augsburg nachweisbar; Herrenstube (Stubenzettel 1416); 1538 Aufnahme ins Patriziat. Die Familie wanderte aus Haselbach zu. 1351 erwarben Konrad (I, † 1378/80) und der verwandte Ulrich Schmucker († 1380/84), 1367 dann der Erbe (Sohn?) Konrads, Heinrich (I, ’der junge’, † 1393/94), Bürgerrecht. Alle drei steuerten anfangs im Bereich Heilig-Kreuzer-Tor, einem Handwerkerviertel mit hohem Weberanteil. Der Aufstieg der Schmucker vollzog sich schon im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts Während Konrad (I) noch kein eigenes Siegel besaß (1378) und als Schwiegervater eines Handwerkers aufscheint, wird bei seinem mutmaßlichen Sohn ein gehobener bürgerlicher Lebensstil erkennbar. Seit den 1380er Jahren sind bei Heinrich, der damals schon ein Siegel mit heraldischem Wappen führte (1383), systematische Aufkäufe von Liegenschaften im Umland fassbar, an denen z. T. der weberzünftige Kaufmann Jos (I) Arzt beteiligt war. Im Steuerbuch von 1396 erscheinen die Witwen Schmucker und Arzt unter den 20 reichsten Augsburger Bürgern. Auch Beziehungen zu den Meuting sind erkennbar. Direkte Belege für die Quellen des Reichtums fehlen, Indizien sprechen für eine Beteiligung am Barchent- oder Tuchhandel. Die in den 1380er Jahren eingeleitete Umschichtung von Geldvermögen in Grundbesitz wurde vom Sohn Heinrich (II, † 1424) weitergeführt und war nach den Steuerdaten kurz nach 1410 abgeschlossen. Um 1415 besaß er neben bedeutendem Streubesitz weitgehend arrondierte Grundherrschaften in Anried, Ettelried und Willmatshofen. Etwa gleichzeitig begann seine politische Karriere. Seit 1403 als Zwölfer der Kaufleutezunft belegt, gelangte er 1406 als Zunftmeister in den Rat und wurde 1416 erstmals zum Stadtpfleger gewählt. Sein Sohn Konrad (II, † 1477/78) spielte politisch kaum noch eine Rolle. Er vertrat die Kaufleutezunft im Großen Rat, zweimal amtierte er als Richter. Für dessen Sohn Ulrich (II, † 1494/95) lassen sich keine politischen Ämter nachweisen, ebensowenig in der nächsten Generation für Konrad (III, † 1529/38). Obwohl weiterhin Mitglieder der Kaufleutezunft, fehlen Belege für eine aktive Beteiligung am Fernhandel. Die Familie lebte über mehrere Generationen wohl vor allem von ihrem Grundbesitz, den sie dank geringer Nachkommenschaft fast eineinhalb Jahrhunderte zusammenhalten konnte. Wohl die Erbteilung unter Konrads Söhnen Johann († 1564), Ulrich (III), Konrad (IV) und Christoph, die 1538 ins Patriziat aufgenommen wurden, führte zum Verkauf. Nachdem schon früher Teile von Ettelried und Engertshofen an die Vetter gekommen waren, veräußerten sie 1544 den dortigen Restbesitz und auch Anried um 13.700 fl an die Fugger. Johann Schmucker wurde 1549 von Karl V. zum Mitglied des Großen Rats ernannt. Mit ihm scheint die Familie wieder aus dem Patriziat ausgeschieden zu sein.

Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert 32, 442; Eduard Zimmermann, Augsburger Zeichen und Wappen, 1970, 1892, 1919; Joachim Jahn, Augsburg Land, 1984, 492 f.; Fritz Peter Geffcken, Soziale Schichtung in Augsburg 1396-1521, 1995, München Diss. 1983, 145, 198, Anh. 6-218.



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