Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Schmezer

Georg (Schmetzer), * 21.3.1642 Augsburg, † Juli 1697 Augsburg, Kantor, Komponist

Von: Günther Grünsteudel (Stand: 15.03.2011)

  • Der Sohn eines Strumpfwirkers gehörte der Kantorei bei St. Anna seit seinem 14. Lebensjahr an. Seine musikalische Ausbildung erhielt er bei Tobias Kriegsdorfer. 1663 ermöglichten ihm die Scholarchen eine Studienreise, die ihn bis nach Stockholm führte. 1664–1666 war er Kapellmeister und Organist der Kapelle des schwedischen Kanzlers Magnus Gabriel de la Gardie. Wohl 1667 kehrte er nach Augsburg zurück. Gleich nach seinem Amtsantritt als Kantor bei St. Anna im Januar 1677 in Nachfolge seines Lehrers Kriegsdorfer wurde eine unter seinem Einfluss neugefasste Kantoreiordnung erlassen. Das ‚Augspurgische Gesang-Buch‘ (1680), dessen Vorgänger im Kern aus der Mitte des 16. Jahrhunderts stammte, dürfte ebenfalls unter seiner Mitwirkung entstanden sein.
    Schmezers Amtsführung scheint, ähnlich derjenigen Kriegsdorfers, von einer gemäßigten Fortschrittlichkeit geprägt gewesen zu sein, was sich nicht nur in der bevorzugten Aufführung zeitgenössischer Kirchenmusik, sondern auch in pädagogischen Fragen manifestierte: Er schaffte die überkommene Praxis der Solmisation ab und gab schon 1678 seinen ‚Methodus musicalis, oder Musikalisch A. B. C. Täfelein für die Jugend‘ heraus, dem er 1688 auch ein neues ‚Compendium musicae‘ folgen ließ, das Gumpelzhaimers Lehrwerk ersetzen sollte. Das erhaltene kompositorische Œuvre Schmezers ist relativ schmal. Es besteht ausschließlich aus Vokalmusik und ist bislang völlig unerforscht. 1690 dedizierte er dem anlässlich der Krönung seines Sohnes Joseph I. zum römisch-deutschen König in Augsburg weilenden Kaiser Leopold I. eine – leider nicht erhaltene – Komposition.

     


Paul von Stetten, Kunst-, Gewerb- und Handwerksgeschichte der Reichs-Stadt Augsburg, 1779, 541; Ludwig Gerheuser: Jacob Scheiffelhut und seine Instrumentalmusik, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben 49 (1933), 16-20; Franz Krautwurst / Wolfgang Zorn, Bibliographie des Schrifttums zur Musikgeschichte der Stadt Augsburg, 1989; Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Personenteil 14, 22005, 1426 f.; Günther Grünsteudel, „Cantate Domino canticum novum“. Zur Geschichte der Musikpflege bei St. Anna, in: St. Anna – eine Kirche und ihre Gemeinde, 2011 [in Vorbereitung].



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