Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Rugendas

Künstlerfamilie

Von: Dr. Gode Krämer (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Seit dem 17. Jahrhundert aktive Uhrmacher-, Maler-, Zeichner- und Stecherfamilie. Der Uhrmacher Nikolaus (I, * 1582 Melsungen, † 20.8.1652 Augsburg) wanderte 1608 nach Augsburg zu, wo er 1616 die Meistergerechtigkeit erhielt. Sein Sohn Nikolaus (II, * 15.6.1619 Augsburg, † 1694/95 Augsburg), Vater von 1), wurde ebenfalls Uhrmacher (Meisterrecht 1662); 1693/94 war er verordneter Meister der Kleinuhrmacher. Sein Sohn Nikolaus (III, * 31.7.1665 Augsburg, † 7.6.1745 Augsburg), Bruder von 1), betätigte sich als Uhrmacher von Sonnenuhren und als Instrumentenmacher (Meisterrecht 1699).
  • 1) Georg Philipp (I), * 27.11.1666 Augsburg, † 9./10.5.1742 Augsburg, Maler, Zeichner für Kupferstecher, Radierer. Erlernte die Kupferstichtechnik bei seinem Vater, Nikolaus (II). 1683-1687 Lehre bei Ignaz Fisches d. Ä., 1690-1692 in Wien, danach in Venedig und Rom, wo er Werke Cerquozzis und Tempestas kennenlernte. Mitglied der nordischen Schilderbent unter dem Namen ’Schild’. Im Oktober 1695 in Augsburg, 1697 Meisterrecht und Heirat mit A. B. Haid. 1710 erster evangelischer Direktor der Reichsstädtischen Kunstakademie. Als Kupferstecher und Schabkünstler zunächst für Jeremias Wolff tätig, später für den eigenen, mit seinen drei Söhnen betriebenen Verlag. Seine Schlachtengemälde waren gesuchte Raumausstattungen in Schlössern. Nach Füssli und Held gab er 1715 die Malerei für 20 Jahre auf. Erarbeitete sich die lebensechte Wiedergabe seiner Schlachten-, Soldaten- und Lagerszenen durch unzählige Zeichnungen und Detailstudien, die in großer Zahl in der Graphischen Sammlung der Kunstsammlungen und Museen Augsburg aufbewahrt werden. Durch seinen Verlag, dem er offenbar das Ausschlachten seiner Erfindungen an Bildern und Zeichnungen überließ, und durch zahllose Nachahmer, Kopisten, Kompilatoren und Fälscher wurde die Eigenhändigkeit seines Werkes unübersichtlich.
  • 2) Anna Katharina, * 30.12.1699 Augsburg, † 9.3.1747 Augsburg, Zeichnerin. Offenbar von ihrem Vater 1) ebenso sorgfältig ausgebildet wie ihre Brüder. Wie signierte Zeichnungen beweisen, arbeitete sie in der Werkstatt mit.
  • 3) Georg Philipp (II), * 7.9.1701 Augsburg, † 25.7.1774 Augsburg, Maler, Zeichner, Stecher, Kunstverleger. Sohn von 1). 1722 in Wien, 1723 in Venedig nachweisbar. Hat anfangs Tier- und Soldatenbilder gemalt, wie das Bild der Kunstsammlungen Augsburg von 1740 und frühere bei Held aufgeführte Bilder beweisen. Später nur noch Stecher, wobei er meist die Vorlagen seines Vaters benutzte und später mit seinem Sohn 5) zusammenarbeitete. Außer dem Bild zahlreiche Zeichnungen in den Kunstsammlungen.
  • 4) Christian, * 20.1.1708 Augsburg, † 10.7.1781 Augsburg, Stecher. Sohn von 1), Schüler von Johann Balthasar Probst. Zunächst Mitarbeiter des Vaters, dessen Gemälde er nach Zeichnungen in Schabkunstserien veröffentlichte, später arbeitete er mit seinem Sohn Philipp Sebastian (1736-1807).
  • 5) Jeremias Gottlob, * 2.12.1712 Augsburg, † 21.4.1772 Augsburg, Stecher. Sohn von 1). 1743 in Preßburg. 1753 beteiligt an der ’Societas artium liberalium’, die 1755 zur Gründung der Franciscischen Akademie führte. Unter seinen Brü­dern der Eigenständigste, am wenigsten dem Vater Verpflichtete, stach er 1756-1771 Gedächtnisblätter zum Augsburger Friedensfest, religiöse Darstellungen und Bildnisse nach verschiedenen Vorlagen.
  • 6) Johann Lorenz (I), * um 1730 Augsburg, † 1799 Augsburg, Maler, Stecher, Kunstverleger. Sohn von 3), mit dem er zunächst zusammenarbeitete, später mit seinem Sohn 7). Stach nach verschiedenen Vorbildern, u. a. Szenen aus dem Siebenjährigen Krieg und Gegenwartsereignisse. Änderte damit die Schlachtenbild-Tradition der Familie Rugendas von der anonymen, heroischen Schlachtendarstellung in eine zeitgenössisch-historische ab.
  • 7) Johann Lorenz (II), * 1775 Augsburg, † 19.12.1826 Augsburg, Stecher, Kunstverleger. Sohn von 6), folgte der Darstellungslinie seines Vaters, mit dem er zunächst zusammenarbeitete; später für einen eigenen Verlag tätig. Stach meist in Aquatintatechnik, häufig mit Kolorierung nach eigenen Vorlagen. 1796-1815 entstanden in mehreren Serien fast 100 Darstellungen aus den napoleonischen Kriegen (Kunstsammlungen Augsburg, Graphische Sammlung). Ab 1804 Direktor der Augsburger Kunst- und Zeichenschule.
  • 8) Johann Moritz, * 29.3.1802 Augsburg, † 29.5. 1858 Weilheim/Teck, Maler, Lithograph, Zeichner. Sohn von 7). Erste Ausbildung beim Vater, ab 1817 an der Münchner Akademie unter A. Adam und Lorenz Quaglio d. J. 1821/25 in Brasilien, danach vielfältige Reisen durch Europa. 1831/47 wieder in Südamerika. Seine besondere Bedeutung liegt in der Darstellung von Landschaft und Volksleben südamerikanischer Länder, die von Alexander von Humboldt sehr gelobt wurde. 1827-1835 ’Malerische Reise in Brasilien’ (4 Bände) mit Lithographien nach seinen Vorlagen in französischer und 1836 in deutscher Ausgabe, 1855 ’Landschaftsbilder und Skizzen aus dem Volksleben von Mexico’. Eine große Anzahl Bilder, Ölskizzen und Zeichnungen kam aus dem Nachlass in die Kunstsammlungen Augsburg und in die Graphische Sammlung München.
  • Rugendasstraße (Rechts der Wertach, Amtlicher Stadtplan I 7/8).

Johann Caspar Füssli, Leben Georg Philipp Rugendas und Johannes Kupezki, 1758; Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler 29, 1935, 178 f.; Gertrud Richert, Johann Moritz Rugendas, 1959; Maximilian Bobinger, Alt-Augsburger Kompaßmacher, 1966, 291-299; Deutsche Barockgalerie. Katalog der Gemälde, 21984, 207 f.; Johann Moritz Rugendas, imágenes de México, 21994; Anke Charlotte Held, Georg Philipp Rugendas, 1996; Andrea Teuscher, Die Rugendas, in: Weltkunst 66 (1996), 1498-1501; Pablo Diener-Ojeda, Rugendas 1802-1858, 21998; Rugendas - Eine Künstlerfamilie in Wandel und Tradition, 1998; Andrea Teuscher, Die Künstlerfamilie Rugendas, 1998.

Johann Lorenz (I) Rugendas: Obere Blieche mit Färberturm, 1771

Johann Moritz Rugendas



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