Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Römische Pfeilergrabmäler

Von: Dr. Lothar Bakker (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Inmitten des Römischen Museums steht der 1709 an der Zollernstraße (Oberhausen) geborgene Grabpfeiler des T. Flavius Clemens, 24-jährig verstorbener Soldat der 3. Italischen Legion und Schreiber des Provinzstatthalters, errichtet für ihn sowie für die Eltern Primanus und Clementina und seinen Bruder Martialis zu deren Lebzeiten. Das um 200 n. Chr. errichtete Grabmal aus Jura-Kalkstein (erhaltene Höhe ca. 4,5 m) besteht in zwei ’Etagen’ aus Unterbau, Sockel, Inschriftenblock, Zwischengesims, Figurenblock mit Darstellung der Familie, Gesims mit Giebeln und Schuppendach sowie einer verschollenen Bekrönung (wahrscheinlich Pinienzapfen; Pyr). Ähnlich moselländischen Vorbildern (u. a. 23 m hohe ’Igeler Säule’ eines Trierer Textilhändlers), gilt es als das am besten erhaltene Grabmal römischer Zeit aus Süddeutschland (1838 durch königlichen Erlass offizielles Wappen und Siegel von Oberhausen). Ursprünglicher Standort sicher nahe der zur Donau führenden Fernstraße Via Claudia Augusta; weitere Einzelstücke von pfeilerartigen Grabmälern liegen aus Oberhausen, aber auch aus anderen Stadtbereichen Augsburgs vor (Figurenblöcke, Inschriften, Schuppendä­cher). Ein Neufund (August 1998) erbrachte an der Hofer Straße (Oberhausen) ein bis auf die Bekrönung vollständiges zweites Pfeilergrabmal (Höhe über 6 m), zu Lebzeiten um 180/200 n. Chr. errichtet von dem ’pragmaticus’ (Rechtsgelehrter) M. Aurelius Carus und seiner Familie. Carus gehörte als ’sevir Augustalis’ (für den Kaiserkult zuständig) dem zweiten Stand der rätischen Provinzhauptstadt an.

Inscriptiones Baivariae Romanae, 1915, Nr. 123 Taf. 17; Corpus signorum Imperii Romani. Deutschland 1/1, 1973, 26 f. Nr. 29 Taf. 13-15; Werner Gauer, Die rätischen Pfeilergrabmäler und ihre moselländischen Vorbilder, in: Bayerische Vorgeschichtsblätter 43 (1978), 57-100; Lothar Bakker, in: Die Römer in Schwaben, 1985, 203 ff.; Peter Fasold, Römischer Grabbrauch in Süddeutschland, 1992.

Pfeilergrabmal, um 200 n. Chr. (gefunden 1709 in Oberhausen)



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