Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Römische Inschriften

Von: Prof. Dr. Wolfgang Kuhoff (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Im Stadtgebiet sind bis heute rund 130 Steininschriften gefunden worden; dazu kommen zahlreiche, insgesamt aber weniger aussagekräftige Inschriften auf verschiedensten Gebrauchsgegenständen. Sie geben Hinweise auf das öffentliche und private Leben in Augusta Vindelic(or)um. Ihrem Inhalt nach lassen sie sich sechs Gruppen zuordnen: a) Weiheinschriften zu Ehren der Götter; b) Bauinschriften, die über die Errichtung von Gebäuden Auskunft geben; c) Ehreninschriften zum Ruhm von Kaisern, Senatoren, Rittern und Mitgliedern der lokalen Oberschicht; d) Grabinschriften, die Namen Verstorbener und ihrer Familienangehörigen nennen; e) Meilensteine an Straßen; f) Inschriften auf Gegenständen des täglichen Lebens, die Hersteller oder Besitzer nennen. Die Augsburger Inschriften überliefern etwa Inhalt und Umfang des öffentlichen Götterkultus und des an ihm beteiligten Personenkreises; Lage, Art, Aussehen, Größe, Kosten und Stifter privater wie öffentlicher Gebäude; Gestaltung und Intensität des Kaiserkults; Amt, Name und Laufbahn der in Augsburg tätigen Beamten, besonders der Statthalter, sowie der hier beschäftigten oder außerhalb dienenden, aber von hier stammenden Armeeangehörigen; Name, Rang und Tätigkeit verdienter Bürger und städtischer Beamter; endlich Name, Herkunft, Lebensalter, Beruf und Todesumstände Verstorbener (römische Bürger oder Einheimische). Auch wenn die Interpretation aller inschriftlichen Zeugnisse keine lückenlose Geschichte des römischen Augsburg ergeben kann, weil die wenigen Stücke auf eine mehrhundertjährige Zeitspanne verteilt sind, so stellen sie doch die inhaltsreichste Gruppe der antiken Überlieferung dar. Besonders hervorzuheben als Einzeldokument ist der im August 1992 in der Jakobervorstadt gefundene Weihealtar aus dem Jahr 260 mit seinen vielfältigen politischen Implikationen im Inschrifttext, welche auf die Geschichte dieser Zeit ein neues Licht werfen; dieser Stein ist zweifellos eines der wichtigsten epigraphischen Zeugnisse, das in jüngerer Zeit auf dem gesamten Boden des Imperium Romanun gefunden wurde (Augsburger Siegesaltar). Als erster publizierte Konrad Peutinger in seiner Sammlung ’Romanae vetustatis fragmenta in Augusta Vindelicorum’ Augsburger Inschriften.

CIL III 5787-5859; 11889-11891; 14370; Inscriptiones Baivariae Romanae, 1915; Friedrich Wagner, Neue Inschriften aus Rätien, in: Bericht der Römisch-Germanischen Kommission 37/38 (1956/57), 222-229; Aladar Radnóti, C. Iulius Avitus Alexianus, in: Germania 39 (1961), 383-412; Ders., Römische Inschriften in Augsburg als Dokumente der Siedlungsgeschichte, in: Jahresberichte der bayerischen Bodendenkmalpflege 1961, 16-33; Corpus Signorum Imperii Romani. Deutschland 1,1, 1973, 14 f., 19-51; Ute Schillinger-Häfele, 4. Nachtrag zu CIL XIII und 2. Nachtrag zu Inscriptiones Baivariae Romanae, in: ebenda 58 (1977), 566-568; Werner Gauer, Die rätischen Pfeilergrabmäler und ihre moselländischen Vorbilder, in: Bayerische Vorgeschichtsblätter 43 (1978), 57-100; Wolfgang Kuhoff, Der Handel im römischen Süddeutschland, in: Münstersche Beiträge zur antiken Handelsgeschichte 3 (1984) 1, 89-99; Gunther Gottlieb, Das römische Augsburg, 21985; Geschichte der Stadt Augsburg von der Römerzeit bis zur Gegenwart, 21985, 11-17, 50-87; Lothar Bakker, Rätien unter Postumus, in: Germania 71 (1993), 369-386; Johann Ramminger, The roman inscriptions of Augsburg published by Conrad Peutinger, in: Studi umanistici piceni 12 (1992), 197-210; Wolfgang Kuhoff, Augsburger Handelshäuser und die Antike, in: Augsburger Handelshäuser im Wandel des historischen Urteils, 1996, 258-276.



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