Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Riehl

Wilhelm Heinrich, * 6.5.1823 Biebrich/Rhein, † 16.11.1897 München, Journalist, Kulturhistoriker, Schriftsteller

Von: Günther Grünsteudel / Prof. Dr. Günther Kapfhammer (Stand: 2.9.2009)

  • Ab 1841 Studium der evangelischen Theologie in Marburg, Tübingen und Gießen; 1843 theoretische Staatsprü­fung in Herborn. Anschließend Studium der Philosophie, Geschichte und Kunstgeschichte in Bonn und Gießen. 1845-1953 als Journalist tätig (rund 750 Zeitungsbeiträge); 1851-1853 Redakteur der Allgemeinen Zeitung in Augsburg. 1854 holte ihn König Maximilian II. an den Münchener Hof, wo er 'Oberredakteur für Preßangelegenheiten des kgl. Hauses und des Äußeren' wurde und eine Honorarprofessur an der staatswirtschaftlichen Fakultät der Universität erhielt, die 1859 in eine ordentliche Professur für Kulturgeschichte und Statistik umgewandelt wurde. Hielt 1858 in München den programmatischen Vortrag 'Die Volkskunde als Wissenschaft'. 1861 Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. 1876/77 auch Dozent für Musikgeschichte an der königlichen Musikschule. 1885-1897 Direktor des Bayerischen Nationalmuseums und Generalkonservator der Kunstdenkmäler und Altertümer Bayerns. 1883 bayerischer Personaladel. 'Vater der deutschen Volkskunde', Begründer der kulturgeschichtlichen Feldforschung. Seine spätromantisch geprägten Ideen dienten einer national orientierten Soziologie und Volkskunde als Leitfaden und Legitimation ideologischer Konzepte, um Land und Leute, Bauerntum, Familie und bürgerliche Gesellschaft nostalgisch zu verklären. Verfasste in seiner Augsburger Zeit mit den Schriften 'Die bürgerliche Gesellschaft' (1851) und 'Land und Leute' (1853) die Bände 1 und 2 seines Hauptwerks 'Naturgeschichte des Volkes als Grundlage einer deutschen Socialpolitik' (4 Bde., 1854-1869). In seinen 'Culturstudien aus drei Jahrhunderten' (1859) geht er ausführlich auf Fragen der Volkskunde und Kulturgeschichte Augsburgs ein ('Augsburger Studien'). Schrieb auch rund 50 kulturgeschichtliche Novellen.

Viktor von Geramb, Wilhelm Heinrich Riehl, 1954; Hans Moser, Wilhelm Heinrich Riehl und die Volkskunde, in: Jahrbuch für Volkskunde NF 1 (1978) 9-66; Heidrun Alzheimer-Haller, Volkskunde in Bayern, 1991, 216-221; Jasper von Altenbockum, Wilhelm Heinrich Riehl, 1994; Walter Killy (Hrsg.), Literaturlexikon 9, 1991, 451-453; Andrea Zinnecker, Romantik, Rock und Kamisol. Volkskunde auf dem Weg ins Dritte Reich, die Riehl-Rezeption, 1996; Maud Jahn, Wilhelm Heinrich Riehl als Universitätslehrer, in: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde 1997, 1-11; Ingolf Bauer, Wilhelm Heinrich Riehl und das Bayerische Nationalmuseum, in: ebd., 13-27; Neue deutsche Biographie 21, 588-590.



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