Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Ridler

(Riedler, Rigler) Kaufmannsfamilie

Von: Dr. Peter Geffcken (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • 1383 bis um 1530 in Augsburg nachweisbar; Herrenstube (Stubenzettel 1416). Angehörige der Münchner Patrizierfamilie Ridler ließen sich im Spätmittelalter in mehreren oberdeutschen Reichsstädten (Augsburg, Lauingen, Memmingen, Nürnberg, Ulm) nieder. Durch Konnubium in Augsburg von Anfang an stubenfähig, zählten die Ridler im 15. Jahrhundert zu den zahlenstärksten Familien der Herrenstube. Jakob (I, † 13.10.1397) erwarb 1383 nach Heirat mit einer Tochter des Johann (II) Langenmantel (II) Bürgerrecht. Ihm folgten um 1386 und 1400 zwei Söhne seines Bruders Gabriel: Franz (I, † 1397), der eine Tochter Marquard Langenmantels (II), und Johann (I, † 1450), der Barbara Portner, die Witwe Jos Langenmantels (II) geheiratet hatte. Vielleicht wegen Beteiligung am Ochsenhandel waren die Ridler in Augsburg zunächst der Metzgerzunft beigetreten, nur der zuletzt zugewanderte Johann (I) wurde Mitglied der Kaufleutezunft. Jakobs Söhne Johann (II, † nach 1458), Heinrich (I, † 1445/46) und Raphael († 1463), 1412-1422 noch als Zunftzwölfer der Metzger fassbar, wechselten vor den 1440er Jahren ebenfalls in die Kaufleutezunft. Der Großteil ihrer zahlreichen männlichen Nachkommen verschwindet bis Ende der 1460er Jahre aus Augsburg. Letzter Augsburger Vertreter der Jakob-Linie war Raphaels Sohn Hieronymus († 1504/ 05), der als Stifter hervortrat. Johann (I) ’bei der Schrann’ ist als bedeutender Kaufmann nachweisbar. 1428 versteuerte er ein Anschlagvermögen von 8400 fl (7. Stelle). Obwohl er aus zweiter und dritter Ehe sechs Söhne hatte, waren auch hier die meisten Enkel im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts abgewandert (Ulm, Memmingen, Rattenberg). Letzter Vertreter der Johann-Linie in Augsburg war der Enkel Bernhard († 1527/28). Die größte Bedeutung erlangte die Linie des Franz (I). Sein ältester Sohn Gabriel Ridler († 1470) blieb wohl aus politischen Gründen in der angestammten Metzgerzunft. Obwohl zeitlebens nur Mitglied des Alten Rats (1416-1469), zählte er zu den führenden Augsburger Zunftpolitikern. 33mal wurde er in zentrale Ratsämter gewählt, davon elfmal in das des Stadtpflegers. Seine jüngeren Brüder Bartholomäus († 1475/76) und Markus († 1464/65) wechselten durch Heirat in die Kaufleutezunft. Sie engagierten sich erfolgreich im Barchenthandel und versteuerten 1448 ein Anschlagvermögen von 7200 fl (13. Stelle) bzw. 7680 fl (12. Stelle). Da Stephan (I, † 1481/82), der ältere Sohn des Stadtpflegers, sich durch Eintritt in bayerische Dienste (um 1470) politisch disqualifizierte und der jüngere, Dr. Peter Ridler, als Domherr in Freising wirkte, trat Bartholomäus’ ältester Sohn Hilpolt († 1507/08) in den Vordergrund. Schon 1462 als Richter fassbar, begann seine politische Karriere erst nach dem Sturz von Ulrich Schwarz mit der Wahl in den Alten Rat. 1482 verdrängte er Ulrich Walther aus dem Kleinen Rat und gelangte als Siegler in den engeren Führungszirkel. 1486-1502 wurde er alle zwei Jahre zum Bürgermeister (Stadtpfleger) gewählt. Hilpolt blockierte auch politische Karrieren seiner Brüder Leonhard († 1473/74), Franz (III, † nach 1492) und Georg (III, ’bei St. Johann’, † 1508/09). Ein Stubenzettel der Herrenstube von 1522 nennt noch vier verheiratete Ridler der Franz-Linie, 1538 waren sie alle aus dem Kreis der Stubenfamilien ausgeschieden. Vermögend war 1522 nur noch Stephans (I) Sohn Stephan (II, † nach 1528) mit einem Anschlagvermögen von 11.000 fl; Marquard († nach 1524), ein Sohn des Hilpolt, kann mit 1350 fl noch als wohlhabend bezeichnet werden; Bernhard († 1527/28) und Bartholomäus († nach 1524) hatten ihre Steuer ausgesetzt, sie waren zuletzt mit 2200 fl (1520) und 200 fl (1515) veranlagt worden. Die recht große Zahl von Geistlichen in dieser Generation ist vielleicht Indiz, dass auch religiöse Gründe bei der Abwanderung eine Rolle spielten: Dr. Bartholomäus Ridler (* 1455, † 1516/17?), Sohn des Hilpolt, studierte in Ingolstadt (1472) und wurde 1497 Dekan von St. Moritz und Propst des Stifts Isen (1504). Sein Vetter Gabriel (III, * 1475/80, † 1524), Sohn des Stephan (I), studierte in Ingolstadt (1496), Freiburg/Br. (1499) und Bologna (1503; dort wohl Promotion zum Dr. decr.) und wurde um 1516/17 Propst des Stifts Isen und Dekan von St. Moritz in Augsburg als Nachfolger des Bartholomäus. Seit 1513 war er Rat Herzog Wilhelms IV. von Bayern.
  • Riedlerstraße (Jakobervorstadt-Nord, Amtlicher Stadtplan K 8), benannt nach dem Stifter Hieronymus Ridler.

Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert 25, 237; Gustav C. Knod, Deutsche Studenten in Bologna, 1899, 3049; Albert Haemmerle, Die Canoniker der Chorherrenstifte St. Moritz, St. Peter und St. Gertrud in Augsburg, 1938, 102 f.; Heinz Lieberich, Die gelehrten Räte, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 27 (1964), 191; Bosls bayerische Biographie, 1983, 633; Fritz Peter Geffcken, Soziale Schichtung in Augsburg 1396-1521, 1995, München Diss. 1983, 145, 198, Anh. 6-216.



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