Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Reißner

Adam (Reisner, Reusner, Oryzius), * 1496 ? Mindelheim, † 1582 ? ebenda, Geschichtsschreiber, Hymnendichter, Reformator

Von: Petra Ludwig / Redaktion (Stand: 19.5.2014)

  • Studierte an der Universität Ingolstadt (Immatrikulation 16.7.1518) bei Johann Reuchlin Griechisch und Latein. Rückkehr nach Mindelheim im Frühjahr 1521. Lernte in Wittenberg Luther und Melanchthon kennen und wandte sich der Reformation zu. 1526/28 mit Georg von Frundsberg, dem Stadtherrn von Mindelheim und Landsknechtsführer im Dienst Karls V., als Geheimschreiber auf Feldzügen in Italien. Nicht vor November 1531 Reise nach Straßburg, wo er den Humanisten und Theologen Jakob Ziegler besuchte; dort Bekanntschaft mit Caspar Schwenckfeld, dessen Anhänger und Helfer (Schreiber, Übersetzer) er wurde; avancierte im Lauf der Jahre zum ’bedeutendsten Kopf’ (Bucher) der Schwenckfelder. Seit 1532 Stadtschreiber in Mindelheim. Stand in engem Kontakt mit der Augsburger Schwenckfeldgemeinde, hielt sich mehrfach in der Stadt auf. Aufgrund seines Engagements im Schmalkaldischen Krieg 1548 als Stadtschreiber entlassen und einige Wochen inhaftiert; Haftentlassung vor allem nach Intervention Johann Jakob Fuggers. Bestritt seinen Lebensunterhalt fortan als Privatlehrer, Schriftsteller und Übersetzer. Hielt sich noch zweimal in Augsburg auf: besuchte 1549 trotz Verbots die Schwenckfelderführer Bernhart Unsinn und Leonhard Hieber; durfte auf dem Reichstag 1559 Kaiser Ferdinand ein Geschenk überreichen. Gab nach Schwenckfelds Tod 1564/70 dessen Schriften heraus. Hinterließ historische und theologische Werke sowie geistliche Dichtungen (Kirchenlieder, Psalmübertragungen); seine Frundsberg-Biographie (’Historia und warhaftige Beschreibung von Herrn Georgen von Frundsberg’, 1568, <sup>4</sup>1620) besitzt noch heute Quellenwert. 1965 wurde in der Oettingen-Wallersteinschen Bibliothek auf Schloss Harburg ein autographes Gesangbuch mit Melodien (1554) entdeckt (heute Universitätsbibliothek Augsburg, Cod. I.3.4.10).

Otto Bucher, Adam Reissner, 1957; Karin Schneider, Deutsche mittelalterliche Handschriften der Universitätsbibliothek Augsburg, 1988, 95-100; Franz Krautwurst / Wolfgang Zorn, Bibliographie des Schrifttums zur Musikgeschichte der Stadt Augsburg, 1989; Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon 7, 1994, 1581-1584; Adam Reißner, Gesangbuch, 2004; Johannes Janota, Die Augsburger Handschrift des Gesangbuches von Adam Reißner, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben 97 (2004), 195-206; Ute Evers, darzu hat weiland Sixtus Dieterich der beruembte Componist vier stimmen componiert, in: Musik in Bayern 69 (2005), 29-51; Dies., Das geistliche Lied der Schwenckfelder, 2007, 104-112; Siegfried Risse, Das Psalmbuch von Adam Reißner (1568), in: Zeitschrift für bayerische Kirchengeschichte 77 (2008), 97-122.



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