Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Privatbibliotheken

Von: Dr. Bellot Josef (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Privatbibliotheken, die in Augsburg mehr aus wissenschaftlichen als aus ästhetischen Motiven zusammengetragen wurden, sind für das Mittelalter weder dem Umfang noch dem Inhalt nach genau zu erfassen. Überliefert sind nur die Namen von hochgestellten Klerikern, die Bücher besaßen. Genauere Angaben liegen über die Sammlung Bischof Peters von Schaumberg vor. Er besaß eine ansehnliche Bibliothek und schenkte auch mehrfach Bücher an Klöster seines Bistums. Mit großer Wahrscheinlichkeit war er auch an der Einführung des Buchdrucks in Augsburg beteiligt. Mehrfach begegnet man Bücherbesitz im 15. Jahrhundert auch bei Kanonikern des Stiftes St. Moritz. Die Nachrichten darüber stammen meist aus Legaten oder Testamenten. Als Büchersammler sind im 15. Jahrhundert bekannt die Domherren Bernhard Adelmann von Adelmannsfelden, Matthäus Marschalk von Pappenheim und Johannes Gossold. Umfangreicher Buchbesitz in Laienhand ist belegt für den Kaufmann Sigmund Gossembrot und den Arzt Hermann Schedel. Aber erst Konrad Peutinger kann als Besitzer einer wirklich großen Bibliothek (rund 2150 Bde.) bezeichnet werden, die 1718 in die Bibliothek des Jesuitenkollegs St. Salvator einging und mit dieser 1810 großenteils der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg einverleibt wurde. Die bedeutendsten Sammlungen besaßen im 16. Jahrhundert Mitglieder der Familie Fugger. Jakob (’der Reiche’) legte den Grundstock, auf dem seine Nachkommen aufbauten. Die Sammlung des Raymund Fugger führte sein Sohn Johann Jakob in großem Stil weiter. Markus Fugger vermehrte die Sammlung seines Vaters Anton; sie befindet sich heute in der Oettingen-Wallersteinschen Bibliothek der Universitätsbibliothek Augsburg. Ungewöhnlich reichhaltig war auch die Bibliothek des Ulrich Fugger. Die Fugger sammelten nicht nur aktuelles Schrifttum, sie legten auch Wert auf den Erwerb spätantiker und mittelalterlicher Handschriften und ließen ihre Bücher mit kostbaren Einbänden versehen (Jakob Krause, Marx-Fugger-Meister, L. Antoni). Bei den Welsern sind vor allem Markus und Paul als Sammler humanistischer Literatur bekannt. Andere Patrizier, wie Andreas Mertz, die Brüder Johann Baptist und Paulus Hainzel oder Hans Paul Herwart bemühten sich nach Kräften, ihre Bibliotheken zu vermehren. Aus dem Klerus sind die Sammlungen von Bischof Johann Eglof von Knöringen und des Domkanonikers Johann Georg von Werdenstein erwähnenswert. Auch die Ärzte Adolph (I) und Adolph (III) Occo sowie Achilles Pirmin Gasser besassen beachtliche Sammlungen. Dies trifft auch für einige Philologen zu. Im 17. und 18. Jahrhundert mehrten sich die Privatbibliotheken, waren aber hinsichtlich Umfang und Inhalt bescheidener. Auf einige Bischöfe und Domherren, ferner wieder Kanoniker bei St. Moritz, sei pauschal hingewiesen. Beachtliche Sammlungen besaßen die evangelischen Geistlichen Theophil Gottlieb Spitzel, Johann Baptist Renz, Gottfried Lomer, Georg Michael Preu, Johann Jakob Brucker und Johann August Urlsperger. Medizin und Naturwissenschaft wurden vor allem von Vater und Sohn Schröck und später von Andreas Adam Essisch gesammelt. Die meisten dieser Bibliotheken wurden verkauft oder versteigert, so dass sie, wie die Wolfgang Jakob Sulzers und Markus Christoph Kochs von Gailenbach, nur durch die Literatur bekannt sind. Erhalten ist hingegen die Bibliothek der Familie von Stetten, die über mehrere Generationen hinweg gepflegt wurde. Die wertvollsten Stücke einzelner Sammlungen erwarben bei ihrer Auflösung der Ratskonsulent Johann Heinrich von Prieser und der Bankier Friedrich von Halder, dessen Sammlung, wie auch die Stettensche, in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg vollständig erhalten ist. Zu erwähnen sind schließlich auch die Bibliotheken des Bibliophilen Georg Wilhelm Zapf und des Buchhändlers und Verlegers Franz Anton Veith, die nach dem Tod der Sammler ebenfalls wieder veräußert wurden.

Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz 3/1, 1932; Eduard Gebele, Augsburger Bibiliophilen, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben 52 (1936), 9-59; Paul Lehmann, Eine Geschichte der alten Fuggerbibliotheken, 2 Bde., 1956/60; Lexikon des gesamten Buchwesens 1, 21987, 170-175; Bernd Roeck, Geschichte, Finsternis und Unkultur, in: Archiv für Kulturgeschichte 72 (1990), 115-141; Von der Augsburger Bibelhandschrift zu Bertolt Brecht, 1991; Norbert Hörberg, Die Bücherschenkung des Augsburger Kardinals Peter von Schaumberg an das Kloster St. Mang zu Füssen, in: Aus Archiven und Bibliotheken. Festschrift für Raymund Kottje, 1992, 497-522; Helmut Gier, Kirchliche und private Bibliotheken in Augsburg während des 15. Jahrhunderts, in: Literarisches Leben in Augsburg während des 15. Jahrhunderts, 1995, 82-99.



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