Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Plattner

Von: Dr. Rolf Biedermann (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Zwischen Spätgotik und Frühbarock war Augsburg eines der europä­ischen Zentren der Plattnerkunst. Dabei war es nicht wie Nürnberg auf Massenware ausgerichtet, sondern auf erlesene Einzelstücke für Kaiserhaus und Adel. Viele dieser Harnische und Waffen wurden von sogenannten Ätzmalern mit Ornamenten und figürlichem Schmuck verziert, andere von Goldschmieden ziseliert. Der Einfluss der Augsburger Plattnerkunst erstreckte sich bis Oberitalien und England. Augsburger Plattner belieferten die Höfe in Preußen, Sachsen, Böhmen, Österreich, Italien, Spanien und Schweden. Der bedeutendste Meister der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts war Kolman Helmschmied. Von ihm haben sich u. a. eine Sturmhaube und ein Feldküriss für Kaiser Karl V. erhalten. Sein Sohn Desiderius Kolman Helmschmied war um die Jahrhundertmitte der führende Plattner der Stadt und ebenfalls für das Kaiserhaus tätig. Daneben war mit Matthäus Frauenpreis (um 1505-1549) ein weiterer bedeutender Plattner für europäische Höfe tätig. Nach dessen Tod übernahm sein gleichnamiger Sohn (1530-1604) Werkstatt und Kundschaft und arbeitete ebenso erfolgreich. Ihm, wie bereits dem Vater, stand häufig Jörg Sorg (um 1481-1565) als Ätzmaler zur Seite, der aber auch für Wolf Neumair (1547 erstmals erwähnt, † 1563 Augsburg) und Conrad Richter (1548 erstmals erwähnt, † 1570 Augsburg) Harnische ätzte, wovon allerdings kaum etwas erhalten blieb. Anton Peffenhauser gilt als der bedeutendste Plattner der zweiten Jahrhunderthälfte. Er schuf Prunkharnische für Kaiser Karl V. und Rudolf II., für die Könige von Spanien und Portugal, für Erzherzog Ferdinand II. von Tirol sowie für die Höfe Italiens, Österreichs, Bayerns und Sachsens, durchweg Arbeiten von höchster Qualität. Neben Sorg müssen als bedeutende Waffenätzer noch Daniel Hopfer, Ulrich (in Augsburg erwähnt 1534-1562) und Hans Holzmann (in Augsburg erwähnt 1562-1568) sowie Jörg Sorg d. J. (um 1525-1603) genannt werden.

Paul von Stetten, Kunst-, Gewerb- und Handwerksgeschichte der Reichs-Stadt Augsburg, 1779, 490 ff.; W. Boeheim, Augsburger Waffenschmiede, ihre Werke und ihre Beziehungen zum kaiserlichen und anderen Höfen, in: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des allerhöchsten Kaiserhauses 12 (1891), 165 ff.; Adolf Buff, Die Augsburger Plattner der Renaissancezeit, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben 19 (1892), 149 ff.; B. Thomas, Die Harnische Maximilians II. von 1550, in: Zeitschrift des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft 9 (1942), 91 ff.; A. von Reitzenstein, Die Augsburger Sippe der Helmschmied, in: Münchner Jahrbuch der Bildenden Kunst 3. Folge 6 (1955), 265 ff.; Ders., Die Plattner von Augsburg, in: Augusta 955-1955, 1955, 265 ff.; B. Thomas, Die Augsburger Funeralwaffen Kaiser Karls V., in: Waffen- und Kostümkunde 1 (1959), 28 ff.; A. von Reitzenstein, Die Ordnung der Augsburger Plattner, in: Waffen- und Kostümkunde 2 (1960), 96 ff.; Ders., Augsburger Plattner um die Mitte des 16. Jahrhunderts, in: Münchner Jahrbuch der Bildenden Kunst 3. Folge 13 (1962), 163 ff.; Welt im Umbruch 2, 1981, 79 ff., 487 ff.

Anton Pfeffenhauser: Funeralhelm für Kaiser Karl V.



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