Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Pinicianus

Johannes (eig. Kening), * 1477/78 vermutlich Augsburg, † 5.8.1542 Augsburg, Dichter, Lehrer

Von: Dr. Rolf Schmidt (Stand: 3.1.2012)

  • Ob der latinisierte Name auf Thannhausen, Thannheim o. ä. anspielt, ist unklar. Der Bruder seines Vaters ist 1485 als Pfarrer von Unterdiessen (Landkreis Landsberg/Lech; vgl. Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, 2° Ink. 405) bezeugt. Sehr wahrscheinlich ist er mit jenem ’Johannes Kunig de Augusta’ identisch, der sich im Sommersemester 1493 an der Universität Wien einschrieb. Ließ sich 1510/11, wohl nach seiner Priesterweihe, in Augsburg nieder, wo er Privatlehrer der Kinder Konrad Peutingers war, dessen Freundschaft er bis 1529 genoss, als es wegen seiner Zuneigung zu den Lehren Luthers zum Bruch kam. Zuvor stand er im Dienst Kaiser Maximilians I. in Innsbruck, von dem er (wohl dort) zum ’Poeta laureatus’ gekrönt wurde. Übersetzte Werke aus dem Lateinischen (J. Chrysostomos, De reparatione lapsi, Cgm 1146, 1520 bei Grimm-Wirsung gedruckt; Leben des Skanderbeg, 1533 bei Steiner), verfasste Lehr- und Lernbücher sowie Gedichte. Erhalten sind Briefe an Andreas Althammer (1520-1534) und Veit Bild (1514-1522). Ob Pinicianus, dessen Leben und Werke bisher kaum erforscht sind, auch an Augsburger Schulen unterrichtete, insbesondere am Gymnasium bei St. Anna, dessen Gründungsrektor (1531) Gerhard Geldenhauer er 1536 ein Schulbuch widmete, ist ungeklärt, jedoch sehr wahrscheinlich. Bestattet auf dem Friedhof bei St. Stephan. Bücher aus Pinicianus’ Privatbibliothek verwahren die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg (2° 75, 270, 405; 2° Pal. 24a; 2° Th.Ex. 380; 2° Th.Pr. 108; 2° Gs 915), die Studienbibliothek Dillingen (Cod. VI 436) und die Bayerische Staatsbibliothek München (s.o.)

Bibliotheca Augustana 1, 1785, 139-148; Friedrich Roth, Augsburgs Reformationsgeschichte, 1881-1911; Alfred Schröder, Der Humanist Veit Bild, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben 20 (1893), 198 f., 211; Paul Joachimsohn, Augsburger Schulmeister und Augsburger Schulwesen in vier Jahrhunderten, in: ebenda 23 (1896), 181-184; F. Lohrs, Die evangelischen Katechismusversuche vor Luthers Endurition 3, 1901, 414 f., 442 f.; Gustav Bauch, Die Reception des Humanismus in Wien, 1903, 72 f.; Erich König, Konrad Peutingers Briefwechsel, 1923, Nr. 85, 163, 210; Neue deutsche Biographie 1, 219; Gilbert A. R. De Smet, Der 'Kleine Pinicianus', in: Beiträge zur Schriftlinguistik, 1995, 311-323; Ders., Das 'Promptuarium vocabulorum' des Johannes Pinicianus, in: Chronologische, areale und situative Varietäten des Deutschen in der Sprachhistoriographie, 1995, 185-200; Deutscher Humanismus 1480-1520. Verfasserlexikon 2, 2009 ff., 445-465.



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