Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Pfister

Kaufmanns- und Patrizierfamilie

Von: Dr. Peter Geffcken / Dr. Katharina Sieh-Burens (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • 1346 (1323?) bis Anfang des 17. Jahrhunderts in Augsburg nachweisbar; wohl um 1340/45 Aufstieg ins Patriziat, 1368 Übertritt zu den Zünften; Herrenstube (Stubenzettel 1416); 1538 Wiederaufnahme ins Patriziat. Die Pfister sind neben den Breyschuh (II) das zweite Beispiel für (wohl über Konnubium) aus Handwerkerkreisen aufgestiegene Patrizier. Ab 1346 erscheint Ulrich Pfister († 1373/76) als Bewohner eines Hauses in bester Lage. 1346, 1351 und 1356 amtierte er als Steuermeister aus dem Kleinen Rat, 1364-1373 ist er als ’gwantschnider’ belegt, 1370 als Zunftmeister, wohl der Kaufleute, nachweisbar. Indizien zufolge verwandt mit einer Weberfamilie, die schon 1323 mit ’dicto phister textore’ einen Steuermeister aus dem Großen Rat stellte. Als Söhne sind Claus, Konrad und Oswald belegt. Georg († 1474/75), ein Sohn des Claus, amtierte als Burggraf. Wirtschaftlich spielten nur die Nachkommen Konrads († 1392?) eine Rolle, der vor 1384 eine Egen geheiratet hatte. Sein Sohn Leonhard (I, † 1434/35) erbte nur ein bescheidenes Anschlagvermögen (1401: 270 Gulden) und verschwindet 1402 vorübergehend aus den Quellen. Bei seiner Rückkehr 1411 versteuerte er ein Anschlagvermögen von 2640 Gulden und 1434 von 10.800 Gulden (3. Stelle). Wohl mit Förderung seines Verwandten Lorenz Egen war es ihm gelungen, sich unter den führenden Venedighändlern (belegt 1413, 1419, 1428) zu etablieren. Daneben ist der Besuch der Frankfurter und Nördlinger Messen (1427, 1428) belegt. Von den Söhnen trat nur Leonhard (II, † 1471/72) als Kaufmann hervor. Sein Anschlagvermögen stieg von 2400 Gulden im Jahr 1442 auf 9000 Gulden 1472 (5. Stelle) und unter seiner Witwe Anna Lauginger noch weiter auf 19.200 Gulden (1492; 6. Stelle). Wahrscheinlich war sie schon an der Vöhlin-Gesellschaft beteiligt, da ihr Sohn Hans (I, † 1523) 1489 als Handelsdiener der Vöhlin aufscheint und 1508, nach dem Tod der Mutter, er und seine Brüder Wolfgang († 1524) und Markus (I, † 1530) als Welser-Vöhlin-Teilhaber genannt werden. Gesellschafter war aber sicher auch der mit einer Welser verheiratete frühverstorbene Bruder Lukas (I, † 1500/01). Aus der Reihe fällt nur Matthäus († 1526), der vielleicht mit seinem Schwager Christoph Herwart zusammenarbeitete. Der Sohn von Markus (I), Markus (II, * 1495, † 1561), war nach Kaufmannsausbildung in Venedig, Lyon und Saragossa 1514-1541 für die Herwart-Gesellschaft in England, Frankreich und Antwerpen tätig. 1538 Aufnahme ins Patriziat, 1544-1548 im Rat, städtischer Gesandter. Nach dem Ende des Schmalkaldischen Krieges am 29.1.1547 zusammen mit Anton Fugger und Claudius Pius Peutinger Fußfall vor Kaiser Karl V. in Ulm. 1548 im neuen patrizischen Rat, 1553/54 Bürgermeister, 1555-1560 Geheimer Rat. Veranlasste Clemens Jäger zur Niederschrift der ’Genealogia Pistoriana’.

Henry Simonsfeld, Der Fondaco dei Tedeschi in Venedig und die deutsch-venetianischen Handelsbeziehungen 2, 1887, 159, 162; Heinrich Sieveking, Aus venezianischen Handlungsbüchern, in: Schmollers Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft 26 (1902), 223; Josef Hagl, Entwicklung des Augsburger Großkapitals […] 1540-1618, München Diss. 1924, 68-71; Jakob Strieder, Zur Genesis des modernen Kapitalismus. Forschungen zur Entstehung der großen bürgerlichen Kapitalvermögen am Ausgange des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit, zunächst in Augsburg, 21935, 106-108; Eduard Zimmermann, Augsburger Zeichen und Wappen, 1970, 1927; Claus-Peter Clasen, Arm und Reich in Augsburg vor dem Dreißigjährigen Krieg, in: Geschichte der Stadt Augsburg von der Römerzeit bis zur Gegenwart, 21985, 319; Fritz Peter Geffcken, Soziale Schichtung in Augsburg 1396-1521, 1995, München Diss. 1983, 141, 196, Anh. 12-217; Augsburger Eliten des 16. Jahrhunderts, 1996, 625-629.



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