Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Müller I

(Miller, ’mit dem Mühlstein’), Kaufmannsfamilie

Von: Dr. Hans-Jörg Künast / Dr. Peter Geffcken (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • 1447 bis ins 18. Jahrhundert in Augsburg nachweisbar; 1501 Herrenstube. Erst mit dem Bäcker Paul (I, † 1487/88), der den sozialen Aufstieg einleitete, ist die Familie in Augsburg sicher fassbar. Nach Einheirat in eine kaufmännisch aktive Weberfamilie beteiligte er sich erfolgreich am Baumwoll- und Barchenthandel, wobei er wohl mit dem in Venedig lebenden Augsburger Georg Erb († nach 1475) zusammenarbeitete. Mit 1752 Barchenttüchern lag er 1475 an der Spitze der Augsburger Bleichspekulanten. Sein Anschlagvermögen stieg von 30 fl im Jahr 1447 auf 6000 fl 1486 (38. Stelle). Unter den Söhnen Johann (I), Georg (I), Markus (I) und Hieronymus († nach 1524), der 1494-1512 als Münzmeister amtierte, verzweigte sich die Familie. Johann (I, † 1503/04) trat wohl durch Heirat in die Brauerzunft über. Sein älterer Sohn Johann (II) wirkte als Buchdrucker, der jüngere Ambrosius (I, † nach 1548) war Mitglied der Kaufleutestube und ist 1540-1548 als Richter und Ratsherr der Brauerzunft bezeugt.

  • Johann (II, * um 1475/80, † nach 1524) studierte 1496 in Ingolstadt. Durch Heirat mit Margaretha Lauginger (Schwägerin Ulrich Fuggers) gelangte er 1501 auf die Herrenstube und wechselte in die Salzfertigerzunft. 1504 versteuerte er ein Anschlagvermögen von mehr als 6400 fl. Stand Konrad Peutingers Sodalitas Litteraria Augustana nahe. In seiner ab 1514 fassbaren Offizin druckte er u. a. die von Johann Mader hrsg. Ursberger Chronik und brachte 1519 als erster in Augsburg einen griechischen Text heraus. 60 nachgewiesene Drucke. Als Illustratoren waren Daniel Hopfer und Hans Burgkmair für ihn tätig. Die Steuerdaten lassen 1521 starke Kapitalverluste erkennen, die wohl aus dem Zusammenbruch der Druckerei resultierten. Um das mütterliche Erbe seiner Kinder sicherzustellen, musste er 1523 die verbliebenen Vermögenswerte an deren Pfleger abtreten.

  • Größeres wirtschaftliches Gewicht besaßen die Nachkommen des zur Salzfertigerzunft übergetretenen Markus (I, † 1512/13). Der Sohn Markus (II, † 1548), Mitglied der Kaufleutestube, amtierte 1531-1547 als Ratsherr der Salzfertigerzunft. Dessen Söhne Markus (III, † 1556) und Hans Baptist († 1556) kamen durch Heirat auf die Herrenstube. Letzterer leitete 1552 ein eigenes Handelshaus. Nachhaltige Bedeutung erlangte vor allem die Linie des Georg (I, † nach 1529), der durch Heirat in die Kramerzunft gewechselt war. Eine Tochter heiratete den Großkaufmann Markus (I) Ulstett. Der Sohn Lukas (I, † 1560) erscheint vor 1549 als Bergwerksbesitzer in den Radstädter Tauern und ist 1552-1555 in Wechselgeschäften mit Venedig, Antwerpen und Nürnberg nachweisbar. Sein Sohn Gabriel (I, † 1604) und dessen Neffe Michael (II, † 1629) leiteten Ende des 16. Jahrhunderts eine Gesellschaft, die im Handel mit Oberitalien fassbar ist. Sie wurde wohl seit 1604 mit Beteiligung von Gabriel (II, † 1648) bis mindestens 1628 weitergeführt. 1614 zählte die Firma zu den Konkursgläubigern der Welser. Den 30jährigen Krieg überstanden die Müller besser als andere Augsburger Kaufmannsfamilien. Gabriel (II) und sein Großneffe Hans Jakob (II, † 1658) zählten 1646 zu den sechs reichsten Augsburger Bürgern; die Witwe des Letzteren versteuerte 1660 sogar das größte Augsburger Vermögen.

Anton Mayr, Die großen Augsburger Vermögen 1618 bis 1717, 1931, 120; Eduard Zimmermann, Augsburger Zeichen und Wappen, 1970, 6885; Fritz Peter Geffcken, Soziale Schichtung in Augsburg 1396-1521, 1995, München Diss. 1983, 144, Anh. 124-220; Augsburger Eliten des 16. Jahrhunderts, 1996, 556 ff.; Hans-Jörg Künast, „Getruckt zu Augspurg“. Buchdruck und Buchhandel in Augsburg zwischen 1468 und 1555, 1997; Augsburger Buchdruck und Verlagswesen, 1997.



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