Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Mozart

Von: Dr. Josef Mančal / Günther Grünsteudel (Stand: 14.10.2009)

  • Seit Mitte des 15. Jahrhunderts sind im sog. Schwäbischen Mozartwinkel mehr als 600 Namensträger in über 30 Dörfern nachweisbar, u. a. Schönebach (1440) und Aretsried (1441). Erster Beleg in Augsburg 1480; 1597 bereits 19 Namensträger, zumeist Handwerker, am bekanntesten der Maler Anton Mozart, den Philipp Hainhofer schätzte. Urkundlich ist 1486 in Heimberg bei Aretsried ein Ändris Mozart nachweisbar, der möglicherweise am Anfang der berühmtesten Namensträger steht, die ab dem Beginn des 16. Jahrhunderts fassbar sind. Als erster erwarb der Maurergeselle David Mozart d. J. (* um 1620/22 Pfersee, † 28.1.1685 Augsburg) 1643 Augsburger Bürgerrecht. Von seinen neun Kindern sind zu nennen: Hans Georg (* 20.4.1647 Augsburg, † 19.11.1719 ebenda), Werk- und Maurermeister des Domkapitels, der u. a. 1702/05 das Propsteigebäude von St. Georg erbaute; Johann Michael (* 26.9.1655 Augsburg, † 28.9.1712 Wien), seit 1686 als Bildhauer in Wien tätig; Franz (* 3.10.1649 Augsburg, † 29.4.1694 ebenda), Maurermeister, ab 1681 wohnhaft in der Fuggerei (Mittelgasse 14). Sein jüngster Sohn war Johann Georg (* 4.5.1679 Augsburg, † 19.2.1736 ebenda), der 1709-1712 und 1716-1721 das erlernte Buchbinderhandwerk im Haus Lit. E 15 (Frauentorstraße 30; Mozarthaus) ausübte, wo auch sein ältester Sohn, Johann Georg Leopold (* 14.11.1719 Augsburg, † 28.5.1787 Salzburg), zur Welt kam. Ende 1721 Umzug in die Jesuitengasse. Als Schüler des Jesuitenkollegs St. Salvator erfuhr Leopold auch eine gediegene musikalische Ausbildung. 1724-1735 Mitwirkung bei Aufführungen des dortigen Schultheaters. Chorschüler von St. Ulrich und Afra und Heilig Kreuz. Nach dem Tod des Vaters verließ Leopold die Schule und schrieb sich Ende 1737 an der Universität Salzburg ein; 1738 dort Baccalaureus der Philosophie; 1739 Relegation. 1740-1744 Kammerdiener und Musiker bei einem Domherrn. 1743 unbezahlter Violinist in der fürstbischöflichen Hofkapelle, Festanstellung 1747. Am 21.11.1747 Heirat mit Anna Maria Pertl (* 25.12.1720 St. Gilgen, † 3.7.1778 Paris). 1748 und 1751 Bestätigung des lebenslangen Augsburger Bürgerrechts; weiterhin Kontakte zu Augsburg vor allem über seinen Bruder, den Buchbinder Franz Aloys (* 19.7. 1727 Augsburg, † 14.6.1791 Augsburg), zum Kloster Heilig Kreuz, zum Collegium musicum, das zahlreiche seiner Werke aufführte (u. a. 1756 Uraufführung zweier Sinfonien im Gasthaus ’Zu den Drei Königen’), und zu dem Musikverleger Johann Jakob (II) Lotter, der 1756 seinen ’Versuch einer gründlichen Violinschule’ druckte (1766 holländische, 1770 französische, 1804 russische Übersetzung). Nach Ernennung zum Salzburger Vizekapellmeister ab 1763 ausgedehnte Auslandsreisen, z. T. mit den beiden überlebenden Kindern (von sieben), Maria Anna Walburga Ignatia (’Nannerl’, * 30.7.1751 Salzburg, † 29.10.1829 ebenda) und Johannes Chrysostomus Wolfgang Gottlieb (ab 1770 ’Wolfgango Amadeo’, ab etwa 1777 Wolfgang Amadé, * 27.1.1756 Salzburg, † 5.12.1791 Wien). Derartige Reisen führten Leopold und später Wolfgang des öfteren über Augsburg: z. B. 22.6.-6.7.1763 mit drei öffentlichen Konzerten der Kinder. Als Wolfgang mit seiner Mutter vom 11. bis 26.10.1777 in Augsburg Station machte und mit Johann Michael Demmler und Johann Andreas Stein konzertierte, lernte er auch sein ’Bäsle’ (Maria Anna Thekla Mozart) näher kennen und war Gast im Kloster Heilig Kreuz, dem er Kopien kirchenmusikalischer Werke zur Abschrift überließ. Nach Leopolds Tod kam ein Teil des Nachlasses ebenfalls dorthin (weitgehend erhalten); 1954/56 Ankauf von Beständen des Klosters Lambach und des Mozart-Ikonographen Maximilian Zenger durch die Stadt Augsburg; 1980 Erwerb der Bibliothek der Fürsten von Oettingen-Wallerstein durch den Freistaat Bayern (Universitätsbibliothek Augsburg) mit zahlreichen zeitgenössischen Abschriften von Werken Leopold Mozarts. Mit Caroline Jakobine Mozart (* 25.9.1884, † 27.4.1965 Augsburg), verheiratete Grau, starb die letzte Nachfahrin der Augsburger Verwandtschaft von Leopolds Bruder Josef Ignaz (* 7.8.1725 Augsburg, † 11.1.1796 Augsburg).
  • Mozartstraße (um 1900, Bahnhofs- und Bismarckviertel, Amtlicher Stadtplan I 9), benannt nach Leopold und Wolfgang Amadé Mozart; in Bergheim und Haunstetten gelegene Straßen gleichen Namens wurden 1973 (Eingemeindungen) nach Giuseppe Verdi und Franz Lehar umbenannt.

Ernst Fritz Schmid, Ein schwäbisches Mozart-Buch, 1948; Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben 3, 1954, 346-368; Leopold Mozart, 1969; Erich Valentin, Leopold Mozart, 1987; Franz Krautwurst / Wolfgang Zorn, Bibliographie des Schrifttums zur Musikgeschichte der Stadt Augsburg, 1989; Josef Mančal, Die Mozarts in Augsburg und Schwaben, 1991; Leopold Mozart, 1994; Josef Mančal, Mozart-Schätze in Augsburg, 1995; ders., Augsburg als Herstellungs- und Handelszentrum für Druckmedien im 18. Jahrhundert: Das Beispiel Leopold Mozart, in: Augsburger Buchdruck und Verlagswesen, 1997, 909-945; The New Grove Dictionary of Music and Musicians 17, 22001, 270-349; Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Personenteil 12, 22004, 579-760; Ulrich Konrad, Wolfgang Amadé Mozart, 2005; Maynard Solomon, Mozart, 2005; Mozart-Handbuch, 6 Bde., 2006.

Leopold Mozart



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