Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Meistersinger

Von: Dr. Elisabeth Wunderle (Stand: 9.2.2011)

  • Die Augsburger Meistersinger-Gesellschaft entstand sehr wahrscheinlich um 1500 und war nach der Nürnberger die bedeutendste. Ein schon um 1450 institutionalisierter Meistersang, wie häufig aus einem Lied im Liederbuch der Clara Hätzler geschlossen, lässt sich nicht sicher nachweisen. Zwei in Augsburg entstandene Meisterliederhandschriften mit vorreformatorischem Liedgut (Heidelberg, UB, cpg 392, cpg 680) geben Einblick in die Eigenheiten des Augsburger Meistersangs um 1500. Kennzeichnend ist die im Gegensatz zu Nürnberg stärker weltliche Orientierung bei den Themen und das Festhalten an überlieferten Tönen (Melodien). Erstes urkundlich gesichertes Datum für den Augsburger Meistersang ist die Supplikation der Meistersinger an den Bürgermeister und den Rat der Stadt von 1534, in der sie um Erlaubnis für die Wiederaufnahme ihrer Kunstausübung, allerdings unter veränderten Vorzeichen, bitten: Die Lieder sollen sich, ganz im Sinne der Reformation, streng an den Wortlaut der Bibel halten. Damit beginnt der Aufschwung der Augsburger Meistersinger-Gesellschaft. Aus den Jahren 1535 bis 1614 sind 262 Meistersinger namentlich bekannt. Die wichtigsten sind Sebastian Wild, Onoferus Schwartzenbach, Johann Daniel Holzmann und v. a. Johannes Spreng. Erhalten ist die Schulordnung (Bestimmungen über das Abhalten von Singschulen, d. h. Konzerten, unterschiedlicher Art) samt Tabulatur (Bestimmungen über Aufbau und Vortrag eines Meisterliedes) von 1611 (Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, 4° Cod. Aug. 216), die auf die alte Schulordnung von 1561 zurückgeht, und das Gemerkbuch (4° Cod. Aug. 217), in dem alle Singschulen ab 1610 verzeichnet sind. Hierbei sind, eine Eigenart des Augsburger Gemerkbuchs, auch die beim Liedvortrag gegen die Tabulatur begangenen Verstöße angegeben. Insbesondere durch den Dreißigjährigen Krieg wurde der Niedergang des Meistersangs in Augsburg beschleunigt. Nach 1648 fanden nur noch vereinzelt Singschulen statt, die letzte 1701. Von da ab beschränkten sich die Meistersinger auf das Theaterspielen, dem sie sich in Augsburg schon seit 1550 intensiv gewidmet hatten, bis das Aufführungsverbot von 1772 der Augsburger Meistersinger-Gesellschaft ein Ende setzte.

Fritz Schnell, Zur Geschichte der Augsburger Meistersingerschule, 1958; Frieder Schanze, Meisterliche Liedkunst zwischen Heinrich von Mügeln und Hans Sachs 1, 1983, 383-392; Die Schulordnung und das Gemerkbuch der Augsburger Meistersinger, 1991; Horst Brunner, Der Augsburger Meistergesang, in: Von der Augsburger Bibelhandschrift zu Bertolt Brecht, 1991, 203-208; Johannes Rettelbach, Lied und Liederbuch im spätmittelalterlichen Augsburg, in: Literarisches Leben in Augsburg während des 15. Jahrhunderts, 1995, 298-300; Hans Pörnbacher, Schwäbische Literaturgeschichte, 2002, 104-110; Michael Baldzuhn, The companies of Meistergesang in Germany, in: The reach of the republic of letters 1, 2008, 219-255, bes. 241.



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