Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Mechanische Spinnerei am Senkelbach

Von: Prof. Dr. Mark Häberlein / Dr. Michaela Schmölz-Häberlein (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Die von Friedrich Chur (* 5.4.1808 Schwäbisch Hall, † unbekannt) geleitete Spinnerei und Weberei J. F. Chur und Söhne in Schwäbisch Hall belieferte die Mechanische Baumwoll-Spinnerei und Weberei Augsburg (SWA), die ihren rapide steigenden Materialbedarf nicht mehr selbst decken konnte, seit 1842 mit Garn. 1846 bewarb sich Chur um die Konzession für eine mechanische Spinnerei am Senkelbach. 1848 nahm die Fabrik mit Turbinen aus der Reichenbachschen Maschinenfabrik (MAN) und ca. 200 Arbeitern die Garnproduktion auf. Eine betriebliche Krankenkasse existierte schon 1849; andererseits setzte Chur seine Arbeiter in zwei zwölfstündigen, wöchentlich wechselnden Schichten ein, genehmigte keine Mittagspause und zog Kinder und Jugendliche zur Nachtarbeit heran. Die SWA blieb auch in den 1850er Jahren der Hauptabnehmer der Spinnerei: Innerhalb von fünf Jahren kaufte sie von Chur Garn für knapp 276.000 Gulden. 1863 wurde das Kapital der Firma auf rund 800.000 Gulden geschätzt. Zu dieser Zeit machte sich allerdings auch in der Augsburger Textilindustrie die durch die Verteuerung der Baumwollimporte infolge des amerikanischen Bürgerkriegs (1861/65) hervorgerufene Krise bemerkbar. 1869 wurde die Spinnerei für knapp 197.000 Gulden von Ludwig August Riedinger aufgekauft, der hier von nun an für seine Augsburger Buntweberei produzieren ließ, die Fabrik aber 1877 mit Konkurs aufgab. 1887 ging der Betrieb in die Wertach-Spinnerei über (Dierig).
  • Als 1861 die Kunstmühle Augsburg abbrannte, beschlossen deren Aktionäre, an ihrer Stelle eine weitere mechanische Baumwollspinnerei am Senkelbach zu errichten. Anfangs hatte sie 280 Arbeiter. Typisch für eine Gründung dieser Zeit war die hohe finanzielle Beteiligung der Augbsurger Oberschicht. Das Aktienkapital etwa der Fugger-Glött belief sich auf 125.000 Gulden, das der Fugger-Babenhausen auf 45.000 Gulden. Der Betrieb wurde im 20. Jahrhundert der Baumwollspinnerei am Stadtbach als Werk III angegliedert.

J. Grassmann, Die Entwicklung der Augsburger Industrie im 19. Jahrhundert, 1894; F. Haßler, Die Augsburger Textil-, Metall- und Papierindustrie, in: Augusta 955-1955, 1955, 403-426; Wolfgang Zorn, Handels- und Industriegeschichte Bayerisch-Schwabens 1648-1870, 1961, 154-159, 170-172, 266; S. Fees, Die frühen Spinnereien und Webereien in Augsburg, in: Aufbruch ins Industriezeitalter 2, 1985, 261; Peter Fassl, Konfession, Wirtschaft und Politik. Augsburg 1750-1850, 1988, 231, 255 f., 286-293.



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