Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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List

Friedrich, * 6.8.1789 Reutlingen, † 30.11.1846 Kufstein (Tirol), Nationalökonom, Publizist

Von: Günther Grünsteudel (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Lateinschule in Reutlingen, Gerberlehre beim Vater, Ausbildung für den mittleren Verwaltungsdienst; nach Studien (1813/14) Steuerkommissar in Sulz/Neckar, 1816 beamteter Rechnungsrat. 1817-1819 Professor der Verwaltungspraxis an der neu gegründeten Staatswirtschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen. 1818 Heirat mit Karoline Neidhart (vier Kinder). Die Gründung des ’Deutschen Handels- und Gewerbevereins’ 1819 in Frankfurt bedeutete einen wichtigen Markstein auf dem Weg zum Deutschen Zollverein (1834). 1820/21 kurzzeitig Abgeordneter im württembergischen Landtag, geriet in Gegensatz zur Regierung; Ende Februar 1821 Ausschluss aus der Kammer und Verurteilung (1822) zu 10 Monaten Festungshaft, der er sich durch Flucht entzog. 1824 Rückkehr nach Württemberg und Verhaftung. 1825 Emigration in die USA, wo er u. a. als Journalist und Unternehmer zu Wohlstand und Ansehen kam. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1832 initiierte er die Herausgabe des ’Staats-Lexikons’ von Rotteck/Welcker (15 Bde., 1834-1843) und setzte sich (u. a. in Sachsen) für den Aufbau des deutschen Eisenbahnnetzes ein, blieb aber ohne feste Anstellung. Als die erhoffte politische Rehabilitation in Württemberg ausblieb, zog er 1837 nach Paris. 1840 Rückkehr nach Deutschland, wo sich seine Hoffnungen auf eine leitende Stellung im thüringischen Eisenbahnwesen zerschlugen. 1840 Ehrendoktor (Dr. iur. h. c.) der Universität Jena. Anfang 1841 Übersiedlung nach Augsburg, wohin er über eine langjährige journalistische Tätigkeit für die Allgemeine Zeitung (seit 1817) schon vorher Verbindung hatte. Im Anwesen Vorderer Lech 15 (Gedenktafel) nahm List seinen letzten Wohnsitz und vollendete hier sein Hauptwerk ’Das nationale System der politischen Ökonomie’, den ersten deutschsprachigen Beitrag in der Geschichte der Politischen Ökonomie. Das allein 1841-1844 dreimal aufgelegte und in zahlreiche Sprachen übersetzte Buch machte ihn nicht nur in Deutschland berühmt. König Ludwig I. von Bayern verlieh ihm den St.-Michaels-Orden, König Wilhelm I. von Württemberg stellte im Oktober 1841 die bürgerliche Ehre des politisch Verfolgten wieder her. Ab August 1843 gab List in Augsburg das ’Zollvereinsblatt’ heraus. Letzte Reisen 1844/45 nach Österreich und Ungarn und 1846 nach England, mit dem Ziel, außerhalb Deutschlands einen Wirkungskreis zu finden. Brach im Herbst 1846 von Augsburg aus zu einer Erholungsreise nach Südtirol auf; beging in Kufstein Selbstmord. Einer der einflussreichsten Nationalökonomen des 19. Jahrhunderts, große Verdienste um den Eisenbahnbau und die deutsche Zolleinigung.
  • Friedrich-List-Straße (Wolfram- und Herrenbachviertel, Amtlicher Stadtplan K 9).

Friedrich List, Schriften, Reden, Briefe, 10 Bde., 1927-1935; William O. Henderson, Friedrich List, 1983 (deutsch 1984); Neue deutsche Biographie 14, 1985, 694-697; Eugen Wendler, Friedrich List, 1976; Ders., Friedrich List, 1989; Friedrich List und seine Zeit, 1989; Die Bedeutung Friedrich Lists in Vergangenheit und Gegenwart, 1990; Die Vereinigung des europäischen Kontinents, 1996.

Friedrich List



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