Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Linck

(Glingg, Lingg), Kaufmannsfamilie

Von: Prof. Dr. Mark Häberlein / Dr. Peter Geffcken (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • 1389 bis ins 17. Jahrhundert in Augsburg nachweisbar; 1502 kaiserlicher Wappenbrief; 1527 Herrenstube; 1539 Reichsadel. Ab 1389 ist in den Steuerbüchern ein in bescheidenen Verhältnissen lebender Weber ’Lingg’ († 1418/21) fassbar. Sein älterer Sohn, der Maurer Ulrich Linck († 1458), ist in den 1450er Jahren als Richter und Ratsherr der Zimmerleutezunft belegt. Der jüngere, Johann (I, † 1462/63), erscheint 1434 als Mitbewohner im Haus seines Schwiegervaters, des weberzünftigen Kaufmanns Konrad Erlinger, an dessen Handelsgesellschaft er offenbar beteiligt war. Seinen wirtschaftlichen Erfolg belegt der rasche Anstieg des Anschlagvermögens (1434: 390 fl; 1448: 4440 fl; 34. Stelle); nach einer Aufstellung des Erbes war er vor allrm im Barchenthandel aktiv. Wohl durch seine zweite Ehe wechselte er in die Kramerzunft, die er auch im Großen Rat vertrat. Er hinterließ außer Johann (II, † 1478/79), einem Sohn erster Ehe, drei minderjährige Kinder: Anton, Heinrich und Magdalena. Letztere heiratete 1476 den Großkaufmann Melchior Stuntz, in dessen Handelsgesellschaft auch ihr Bruder Heinrich († 1497) tätig war. Nach seinem frühen Tod hatte die Witwe Magdalena Haug das Erbe offenbar in der Firma ihres Vaters Gastel Haug angelegt. Dem Sohn Ulrich Linck (* 1495, † 30.10.1560) gelang der Aufstieg in die Spitzengruppe der Augsburger Kaufleute. Nach Ausbildung in Italien arbeitete er zuerst im Handel des Großvaters Gastel Haug und später für die Gebrüder Bimmel in Nürnberg, Würzburg, Frankfurt und Antwerpen. Durch Heirat mit Magdalena Herwart kam er 1527 auf die Herrenstube. Als sein Onkel Anton Haug 1531 die Bimmel-Gesellschaft übernahm, wurde er Teilhaber (Haug-Langnauer-Linck). 1531 bis 1549 erhöhte sich seine Kapitaleinlage von 15.000 auf 120.000 fl. 1539 wurde er, damals einer der reichsten Augsburger Bürger, von König Ferdinand geadelt. Vermutlich aus diesem Anlass ließ er wohl durch Clemens Jäger ein Familienstammbuch anlegen, das bis 1388 zurückreicht (Staats- und Stadtbibliothek Augsburg 2° Cod. Aug. 489). Nach dem Tod seiner Teilhaber Anton Haug und Hans Langnauer d. Ä. wurde Linck Seniorpartner der Firma, aus der er aber 1553 ausschied. 1550 steuerte er die ’Reiche Steuer’. In seinem Testament errichtete er eine wohltätige Stiftung über 3000 fl. Heiratete 1543 in zweiter Ehe Magdalena Hofmaier. Seine Kinder heirateten in Augsburger Patrizier- und Kaufmannsfamilien ein (Jenisch, Langnauer, Manlich, Pfister, Vöhlin, Welser). Sein ältester Sohn Melchior (* 1529, † 25.7.1587) war 1551-1573 Teilhaber der Haug-Langnauer-Linck-Gesellschaft und ab 1559 von ’Matthäus Manlich seel. Erben’; er führte das vom Vater begonnene Stammbuch fort, das mit über 230 Wappen ausgeschmückt ist und das Selbstbewusstsein der Familie widerspiegelt. Der jüngere Sohn Heinrich († 1623) erscheint 1574 als bedeutender Konkursgläubiger von Haug-Langnauer, dürfte also an der Gesellschaft mit Depositen beteiligt gewesen sein. Um 1594 ging auch er in Konkurs.

Paul von Stetten, Geschichte der adelichen Geschlechter in der freyen Reichsstadt Augsburg, 1762, 252; Richard Ehrenberg, Das Zeitalter der Fugger 1, 1896 (ND 1963), 227-232; Jakob Strieder, Zur Genesis des modernen Kapitalismus. Forschungen zur Entstehung der großen bürgerlichen Kapitalvermögen am Ausgange des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit, zunächst in Augsburg, 21935, 201-204; Fritz Peter Geffcken, Soziale Schichtung in Augsburg 1396-1521, 1995, München Diss. 1983, 148, Anh. 88-215; Kurzweil viel ohn‘ Maß und Ziel, 1994, 34 f.; Augsburger Eliten des 16. Jahrhunderts, 1996, 471-475.



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