Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Küsel

(Küsell), Kupferstecherfamilie

Von: Dr. Rolf Biedermann (1) / Günther Grünsteudel (2) / Anne Schmucker (3-6) (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • 1) Melchior, * 17.8.1626 Augsburg, † 1683 Augsburg, Kupferstecher, Kunstverleger. Schüler von Matthä­us Merian in Frankfurt/Main, dessen Tochter Maria Magdalena er 1649 heiratete. Nach Merians Tod 1650 Rückkehr nach Augsburg. Seit 1655 für den Münchener Hof tätig. Aufenthalte in München und Wien. Heiratete nach dem Tod seiner ersten Frau noch zweimal (1667, 1673). Küsels Anteil an den Stichen Merians ist noch ungeklärt. Hauptwerk ist die 146 Radierungen umfassende ’Iconographia’ nach Entwürfen des Straßburger Zeichners und Miniaturisten Johann Wilhelm Baur; außerdem Radierungen und Stiche nach Jacques Callot, Simon Vouet und Karel Skréta. Eine Zeichnung in den Kunstsammlungen Augsburg.
  • 2) Matthäus, * 12.2.1629 Augsburg, † wohl 1681 Augsburg, Kupferstecher, Maler. Arbeitete ab 1654 vielleicht in der Werkstatt seines Bruders 1) für den Münchener Hof. Anschließend Italienreise, 1656 Aufenthalt in Venedig. 1658 Rückkehr nach Augsburg und Heirat mit Magdalena, der Tochter des Malers Bernhard Zech. Dürfte vom Kaiser zum Hofkupferstecher ernannt worden sein, da er gelegentlich die Signatur ’S.C.M. sculptor’ benutzte. Neben Porträtstichen, Thesen- und Flugblättern erzielte er seine hervorstechendsten Leistungen in den 42 Theaterprospekten nach Barbaccinis Oper ’Il pomo d’oro’ (1667).
  • 3) Johanna Sibylla, * um 1650, † 15.1.1717 Augsburg, Malerin, Kupferstecherin. Älteste Tochter von 1). Zeichner- und Kupferstecherausbildung beim Vater, begabteste und produktivste seiner vier Töchter. Führte nach dessen Tod zwei Jahre den Verlag weiter und heiratete 1685 Johann Ulrich Kraus. Zahlreiche hervorragende Kupferstiche: u. a. 18 Blätter Landschaften mit Ovids Metamorphosen, 11 Blätter zum Neuen Testament nach Callot, 38 Kupferstiche nach Fr. Verdier. 1702 erschien im eigenen Verlag eine historische Bilderbibel, die sie mit ihrer jüngsten Schwester 6) stach. Nur wenige Zeichnungen sind erhalten (Kunstsammlungen Augsburg, Kunstsammlung Veste Coburg, Kupferstichkabinett Berlin).
  • 4) Maria Magdalena, * 30.5.1664 Augsburg, † 30.4.1704 Augsburg, Kupferstecherin. Tochter von 1). Lehre beim Vater, in dessen Werkstatt sie arbeitete. Stach ein Blumenbüchlein mit sechs Blättern Zierblumen in Körben und Vasen. Eine ähnliche Folge mit zwölf Blättern stach sie zusammen mit ihrer Cousine 5). Mit dieser und ihrer jüngsten Schwester 6) illustrierte sie das kleinformatige Buch ’Des alten Testaments Mittler’ mit 131 Kopien nach Kupferstichen ihres Großvaters Merian.
  • 5) Johanna Christina, * 21.5.1665 Augsburg, † Nürnberg, Kupferstecherin. Tochter von 2). Lehre beim Vater. Arbeitete eng mit ihren Cousinen 3), 4) und 6) zusammen. Mit letzterer gab sie eine Serie von 12 Blumenbildern heraus. Beteiligt an den Illustrationen zu ’Des Alten Testaments Mittler’, ’Des Neuen Testaments Mittler’ sowie an den Kupferstichen zu einer Folge von Gerard de Lairesses ’Auserlesenem Werk’. Ein Kupferstich mit 62 Emblemen in Form eines Herzens (’Schauplatz Menschlicher Herzen [...] Tugenden und Laster’) befindet sich in London. Heiratete den Nürnberger Stadtsyndikus Andreas Schmidt und zog 1687 nach Nürnberg.
  • 6) Maria Philippina, * 5.2.1676 Augsburg, † Wien, Kupferstecherin. Jüngste Tochter von 1) aus dritter Ehe. Beim Tod des Vaters erst sieben Jahre alt, wurde sie wohl von ihrer Schwester 3) und deren Ehemann Johann Ulrich Kraus im Zeichnen und im Kupferstich unterwiesen. Stach Goldschmiedeornamente mit Arabesken und Figuren, Musterblätter für Dosenschmuck sowie eine Folge nach LeClerc, ’Plafond de la Chambre [...]’ (Titel und 9 Blätter mit mythologischen Szenen und Bandelwerk). Heiratete 1705 Johann Baptist Renz, Pfarrer bei St. Anna; lebte nach dessen Tod 1722 in Wien.

Joachim von Sandrart, Teutsche Academie, 1675, 365; Paul von Stetten, Kunst-, Gewerb- und Handwerksgeschichte der Reichs-Stadt Augsburg 1, 1779, 386 f., 2, 1788, 31; Georg K. Nagler, Neues allgemeines Künstlerlexikon 8, 21906, 108 ff.; Charkes LeBlanc, Manuel de l'amateur d'estampes 2, 1856; E. Tietze-Conrad, Melchior Küsels Bilderbibel, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst, 1908, 41 ff.; Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler 22, 1928, 73 f.; Augsburger Barock, 1968, 219 ff.; Meisterzeichnungen des deutschen Barock, 1987, 86 f.; S. Rott, Zur Ikonographie und Ikonologie barocker Thesenblätter des Augsburger Kupferstechers Melchior Küsel, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben 83 (1990), 43-112; Andreas Tacke, Die Gemälde des 17. Jahrhunderts im Germanischen Nationalmuseum, 1995, 153 f.; Augsburger Buchdruck und Verlagswesen, 1997; Hollstein‘s German engravings, etchings and woodcuts ca. 1400-1700 19, 1977, 199-201, 203-223; 20, 1977, 5-14.



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