Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Kreiskontingent

Von: Dr. Jürgen Kraus (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Die Wormser Matrikel von 1521 legte Augsburgs militärischen Beitrag zum Schwäbischen Reichskreis auf 900 Gulden bzw. 25 Reiter und 150 Fußsoldaten fest, der 1679 auf 400 Gulden ermäßigt wurde. Da der Schwäbische Kreis seit 1669 die Verteilung der Lasten selbst regelte, wich das geforderte Kreiskontingent in der Praxis stets vom Matrikelanschlag ab. So stellte Augsburg 1596/97 für den Türkenkrieg 400 Fußknechte bereit; das 1664 und 1673/77 aufgestellte Kreiskontingent schwankte zwischen 140 und 280 Fußsoldaten und 28 bzw. 72 Reitern. Anstelle vorübergehender Aufgebote bestand ab 1681 ein ständiges Kreiskontingent mit 200 Fußknechten und 50 Reitern, das 1691 auf 250 Fußsoldaten und 75 Reiter erhöht wurde. Die zu verschiedenen Einheiten gehörenden Soldaten wurden erst 1701 im Regiment Baden-Baden und in einem Dragonerregiment zusammengefasst. Gleichzeitig erreichte das Kreiskontingent mit 438 Fußsoldaten und 70 Reitern seine größte Truppenzahl. Während des Spanischen Erbfolgekriegs konnte Augsburg diese nicht mehr aufbringen und blieb ständig hinter den Forderungen des Schwäbischen Kreises zurück. Nach der Reorganisation von 1732 umfasste das Kreiskontingent in Friedenszeiten 82 zum ’Regiment Fürstenberg’ gehörige Fußsoldaten und 15 Reiter im ’Dragonerregiment Württemberg’. Die im Kriegsfall verdoppelte Anzahl brachte Augsburg 1733/36, 1741/48 und 1756/63 auf. In den Französischen Revolutionskriegen erreichte das Kreiskontingent nicht mehr die geforderte Kriegsstärke. Nach dem unglücklich verlaufenen Feldzug am Rhein 1792/96 kehrte es entwaffnet zurück, im Feldzug 1799/1801 büßte es rund die Hälfte der 244 Fußsoldaten und 45 Reiter ein. Nach dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wurde das Kreiskontingent aufgelöst. Die entlassenen Soldaten, die überwiegend aus Augsburg und Umgebung stammten, ließen sich größtenteils von fremden Truppen anwerben. Im Gegensatz zur Stadtgarde bildete das Kreiskontingent eine kriegsbrauchbare Feldtruppe mit relativ niedrigem Durchschnittsalter. Die Besoldung der Soldaten bestimmte der Schwä­bische Kreis; ihre Unterbringung erfolgte in Privatquartieren. Die Offiziersstellen wurden zunehmend vom Augsburger Patriziat besetzt.

Jürgen Kraus, Das Militärwesen der Reichsstadt Augsburg, 1980.



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