Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Hoser

Kaufmanns- und Patrizierfamilie

Von: Dr. Peter Geffcken / Prof. Dr. Mark Häberlein (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • 1432 bis ins 17. Jahrhundert in Augsburg nachweisbar; 1471 kaiserlicher Wappenbrief; 1479 wohl an der Gründung der Kaufleutestubengesellschaft beteiligt; 1526 Herrenstube; 1632-1635 Patriziat. 1432 nennen die Steuerbücher einen vermögenslosen Hucker Konrad Hoser († 1463), der der Tradition zufolge aus der Haiternau zugewandert war. Schon er vertrat seine Zunft im Großen Rat und hinterließ den Erben ein mittleres Vermögen. Der ältere Sohn Stephan († 1472/73) erscheint nach Studium in Heidelberg (Baccalaureus 1454) als Chorherr in Illmünster. Der jüngere, Ludwig (um 1440-1525), knüpfte durch Heirat (1464) mit Elisabeth Renhard wichtige verwandtschaftliche Kontakte (Valentin Eber, Leonhard Gessel). Wohl aus politischen Motiven erfolgte der Übertritt in die Salzfertigerzunft, die ihn 1480, in Nachfolge des Schwiegervaters Hans Renhard (†?1479), zum Zunftmeister wählte. Das Fehlen einer Führungspersönlichkeit der ’zünftischen Partei’ nach dem Sturz des Ulrich Schwarz – Claus Schaller blieb eine Übergangslösung – bot die Voraussetzung für eine große politische Karriere. Über 40 Jahre (1482-1522) gehörte er, als Dreizehner und Inhaber zentraler Ratsämter, ohne Unterbrechung dem engsten Führungszirkel an und amtierte ab 1487 alle zwei Jahre als Bürgermeister (Stadtpfleger). Ein Schlaglicht auf seine Machtstellung wirft die 1514 von ihm initiierte Blockade der Wiederwahl Ulrich Arzts zum Bürgermeister. Verschiedene Indizien, darunter die Erwähnung des ’burgermaisters disch’ im Rechnungsbuch des Stubenwirts, deuten an, dass schon Hoser die Kaufleutestube als informelles Zentrum nutzte, um seine Politik zu koordinieren. Erst in der entscheidenden Phase der Reformation in Augsburg wurde auch sein Sohn Simprecht (1468-1559), ein entschiedener Zwinglianer, politisch aktiv. Bis zum Ende der zünftischen Ära zählte er als Dreizehner und Inhaber zentraler Ratsämter (1530-1548, 1551) zum engsten Führungszirkel und wurde 1538-1546 fünfmal zum Stadtpfleger gewählt. Erst Simprecht erlangte größere wirtschaftliche Bedeutung, obwohl schon sein Vater ein beachtliches Vermögen erworben hatte. Indizien sprechen nach 1502 für eine geschäftliche Zusammenarbeit mit seinem Schwiegervater, dem aus Augsburg stammenden Nürnberger Großkaufmann Bernhard Straub. Durch das Erbe des Vaters und besonders des Schwiegervater erhöhte sich sein Anschlagvermögen 1525 um mehr als 20.000 fl. Als Großkaufmann hatte er Beziehungen nach Tirol und stand in den 1530er Jahren wiederholt mit Anton Fuggers Unternehmen in Verbindung. Nach der Aufhebung der Zunftverfassung 1548 waren die Hoser von politischen Führungsämtern ausgeschlossen, doch spielten sie weiterhin im Fernhandel eine Rolle. So hatte Ludwig d. J. 1579 geschäftliche Kontakte zu Sebald Lins in Brasilien. Simprechts Urenkel Hans Jakob und Samuel waren 1611 die bedeutendsten Augsburger Leinenexporteure nach Genua. Ihre Firma, an der sich später auch ihre Brüder Jeremias und Daniel beteiligten, bestand noch mindestens bis 1630.

Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert 25, 21 f.; Friedrich Roth, Augsburgs Reformationsgeschichte 2, 1904, 8, 24; Jakob Strieder, Zur Genesis des modernen Kapitalismus. Forschungen zur Entstehung der großen bürgerlichen Kapitalvermögen am Ausgange des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit, zunächst in Augsburg, 21935, 207 f.; Götz von Pölnitz, Anton Fugger 1, 1958, 621, 624, 683; 2/1, 1963, 295, 298; Christel Warnemünde, Augsburger Handel in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts und dem beginnenden 17. Jahrhundert, 1956, 105 f.; Eduard Zimmermann, Augsburger Zeichen und Wappen, 1970, 1465; Friedrich Blendinger, Augsburger Handel im 30jährigen Krieg, in: Wirtschaftskräfte und Wirtschaftswege 2, 1978, 325-345, 294 f.; Hermann Kellenbenz, Wirtschaftsleben der Blütezeit, in: Geschichte der Stadt Augsburg von der Römerzeit bis zur Gegenwart, 21985, 258-301; Katharina Sieh-Burens, Oligarchie, Konfession und Politik im 16. Jahrhundert, 1986; Fritz Peter Geffcken, Soziale Schichtung in Augsburg 1396-1521, 1995, München Diss. 1983, 148, 197, Anh. 126-215; Augsburger Eliten des 16. Jahrhunderts, 1996, 342-350.



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