Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Holl

Valentin, 1. Hälfte 16. Jahrhundert, Augsburg, Lohnschreiber, Literatursammler

Von: Dr. Christoph Roth (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • 1516-1540 in den Augsburger Steuerbüchern, die belegen, dass er nicht wohlhabend war und seinen Wohnsitz häufig wechselte, mehrmals als Schreiber erwähnt. Zeugnisse seiner beruflichen Tätigkeit haben sich nicht erhalten; er wird demnach nicht im Auftrag von Behörden oder namhafter Persönlichkeiten tätig gewesen sein. Eine 1524-1526 zum eigenen Gebrauch zusammengestellte Handschrift (Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Sammlung Merkel 2° 966) zeugt von einem breitgefächerten Interesse für literarische und pragmatische Texte. Vorherrschende Themengruppen sind 1. Abschriften aus kurz zuvor gedruckten, katechetischen deutschen Prosatexten und Traktaten sowie Predigten, vor allem Martin Luthers (Bl. 1-67); 2. erotische, didaktische und historische, weltliche und geistliche Mären, Sprüche, Berichte (u. a. über den Sturz des Bürgermeisters Ulrich Schwarz 1478) und Lieder. An Autoren werden u. a. genannt Hans Folz, Heinrich der Teichner, Hans Rosenplüt, Hans Schneider, Claus Spaun, Kunz Has, Heinrich Laufenberg und Jörg Preining (Bl. 69-133, 153-173); 3. Gebete, teils katechetische, teils die Sakramente, die Tagzeiten, das Passionsgeschehen oder verschiedene Heilige betreffend (Bl. 133-152); 4. größere Reimpaarerzählungen und -didaxen wie Strickers ’Pfaffe Amis’, Philipp Frankfurters ’Der Pfaffe vom Kalenberg’ und Sebastian Brants ’Narrenschiff’ (Bl. 173-231). 5. Ein Faszikel, der aus eingeklebten Frühdruckblättern bestanden haben muss, ist nur noch in Resten erhalten. Außerdem in den Themenblöcken unsystematisch eingestreute Notizen (z. B. ein Tintenrezept). Die Sammlung unterscheidet sich signifikant von den Hausbüchern seiner Zeitgenossen Claus Spaun und Simprecht Kröll und lässt die persönlichen Vorlieben des Schreibers erkennen. Die besondere Bedeutung der Handschrift liegt darin, dass sie eine Reihe von Dichtungen vor allem Augsburger Autoren unikal überliefert.

Dieter H. Meyer, Literarische Hausbücher des 16. Jahrhunderts, 1989, 134-270, 495-545.



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