Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Holl

Elias, * 28.2.1573 Augsburg, † 6.1.1646 Augsburg, Baumeister

Von: Prof. Dr. Bernd Roeck / Redaktion (Stand: 18.3.2011)

  • Schon sein Urgroßvater Jacob Holl (* 1413, † 1487) war als Maurer tätig. Sein Großvater Sebastian Holl (um * 1482 Augsburg, † um 1545 Augsburg) errichtete u. a. das Pfarrhaus von St. Ulrich und Afra . Dessen erster Sohn Johannes (* um 1512 Augsburg , † 1.1.1594 Augsburg), Holls Vater, war ein gefragter Baumeister der Augsburger Oberschicht. Er arbeitete als Werkmeister der Fugger und zuletzt als Stadtwerkmeister. Von seinen zahlreichen Bauten sind nur wenige erhalten (z. B. St. Markus in der Fuggerei, Turm der Kirche von Maria Stern). Elias Holl entstammte der zweiten Ehe des Hans Holl mit Barbara Hohenauer. Die Lehrjahre verbrachte er beim Vater. Nach der Meisterprüfung 1596 arbeitete er zunächst für private Auftraggeber (Torbau des Wellenburger Fuggerschlosses, Wohnhäuser für Harter, Cron und Garb). Um die Jahreswende 1600/1601 Reise nach Venedig mit Anton Garb. Danach erste öffentliche Aufträge: 1601 Geschützgießhaus, 1602 Bäckerhaus. 1602 löste er Jakob Eschey als Stadtwerkmeister ab, ein Amt, das er mit Unterbrechung 1631/32 (Restitutionsedikt) bis 1635 innehatte. Seine Bauten bestimmten und bestimmen das Augsburger Stadtbild maßgeblich: Stadtmetzg, Kaufhaus, Gymnasium bei St. Anna, Neuer Bau, Umbau des Perlachturms, Rathaus, Heilig-Geist-Spital und das 1809 abgebrochene Siegelhaus. In seinen Aufgabenbereich fielen auch technische Bauten (z. B. Wasserturm am Gänsbühl, Barfüßerbrücke) und der Ausbau der Stadtbefestigung (Um- bzw. Neubau von Gögginger-, Klinker-, Wertachbrucker- und Rotem Tor) – insgesamt weit über 100 Einzelmaßnahmen. Außerhalb Augsburgs war er als Gutachter tätig (Neuburg) und lieferte Entwürfe für die Wallfahrtskirche Maria Hilf auf dem Lechfeld, Schloss Schwarzenberg bei Scheinfeld und die Willibaldsburg bei Eichstätt. Holl wurde in eine ’Baukonjunktur’ hineingeboren: Seit 1592 (Bau des Augustusbrunnens) setzte der Augsburger Rat ein urbanistisches Programm ins Werk, das nicht zuletzt dem unterbeschäftigten Augsburger Bauhandwerk Arbeit verschaffen sollte. Maßgeblichen Einfluss auf dieses Programm dürfte der Humanist Markus Welser genommen haben. Bei der Konzeption von Fassaden und architektonischen Details arbeitete Holl mit anderen Künstlern, v. a. mit den Malern Johann Matthias Kager und Joseph Heintz, zusammen. Durch seine berufliche Karriere wurde Holl vermögend. Der Umzug von der Bäckergasse im Handwerkerviertel in die heutige Kapuzinergasse 16 (Lit. B 146) in der vornehmen Oberstadt (1618) dokumentiert sozialen Aufstieg. Holl war zweimal verheiratet. Von den acht Kindern aus erster Ehe mit der Kuttelwäschertochter Maria Burkart überlebten nur zwei den frühen Tod der Mutter († 30.1.1608). Mit seiner zweiten Frau, der Gürtlertochter Rosina Reischler († 21.11.1635), hatte er 13 Kinder. Seine Töchter heirateten innerhalb des Handwerkerstandes, von seinen Söhnen lernten vier das Goldschmiedehandwerk, einer wurde Maler. Nur Matthias Holl wurde Maurer und arbeitete gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges als Architekt des schwedischen Adels. Im April 1635 verließen drei seiner Söhne (Elias, Hieronymus und Hans) mit der schwedischen Garnison Augsburg. Ihre Spuren verlieren sich in Erfurt und Leipzig. Über Holls letzte Lebensjahre ist nichts bekannt. Er wurde auf dem protestantischen Friedhof vor dem Roten Tor (Friedhöfe) begraben. Sein Grabstein wurde später an der Treppe des Rathauses angebracht. Holl war, wie sein Bücherbesitz zeigt, ein belesener Mann; er hinterließ einen (bis heute unpublizierten) Traktat, der sich mit praktischen Fragen des Bauens befasst, und eine Chronik, die familiäre Ereignisse und seine wichtigsten Bauunternehmungen dokumentiert. Holl ist Vertreter eines eigenständigen Architekturstils der mitteleuropäischen Renaissance, der in sein Werk lokale Traditionen und italienische Einflüsse integrierte.
  • 1882 wurde der Platz hinter dem Rathaus für den Neubau eines Verwaltungsgebäudes freigelegt. Nach Bürgerprotesten blieb der Platz frei und erhielt den Namen Elias-Holl-Platz (Jakobervorstadt-Süd, Amtlicher Stadtplan K 8).

Julius Baum, Die Bauwerke des Elias Holl, 1908; Christian Meyer, Die Hauschronik der Familie Holl, 1910; Albert Haemmerle, Der Kupferstecher und Maler Elias Holl, in: Schwäbisches Museum 1930, 11 ff.; Sten Ingvar Karling, Matthias Holl, 1932; Eckhard von Knorre, Handwerker, Genie, Märtyrer?, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben 68 (1974), 130-162; Bernd Roeck, Wirtschaftliche und soziale Voraussetzungen der Augsburger Baukunst zur Zeit des Elias Holl, in: Architectura 14 (1984), 119-138; Ders., Elias Holl, 1985; Ders., Geschichte, Finsternis und Unkultur, in: Archiv für Kulturgeschichte 72 (1990), 115-141; Ulrich Schütte, Elias Holl als 'Stadtwerkmeister' und 'Architectus', in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben 84 (1991), 55-68; Elias Holl und das Augsburger Rathaus, 1985; Bernt von Hagen / Angelika Wegener-Hüssen, Stadt Augsburg, 1994; Benedikt Mauer, Zur Organisation städtischen Bauens zwischen Elias Holl, Marcus Welser und Bernhard Rehlinger, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben 89 (1996), 75-95; Bernd Roeck, Elias Holl, 2004; Renate Miller-Gruber, Elias Holl, 2010.

Elias Holl



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