Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Holbein

Künstlerfamilie

Von: Dr. Tilman Falk (Stand: 21.5.2013)

  • 1) Hans d. Ä., * um 1460/65 wohl in Augsburg, † 1524 vermutlich am Oberrhein, Maler, Zeichner. Bedeutendster Künstler des Übergangs von der Spätgotik zur Renaissance in Augsburg. Über Ausbildung und Gesellenzeit ist nichts bekannt. Frühe Nachrichten über Kontakte mit der Bildhauerfamilie Erhart, wohl zeitweise in Ulm ansässig. Ein erstes Hauptwerk, Flügel eines Altars für Weingarten (1493; jetzt im Dom), und frühe Marienbilder zeigen starken niederländischen Einfluss. 1500/02 in Frankfurt großes Altarwerk für die Dominikaner. Nach Rückkehr nach Augsburg zahlreiche Aufträge für Kirchen der Stadt (Dombild 1508/09; Werke für St. Ulrich und Afra , St. Moritz, St. Katharina etc.), versucht seinen Stil, vielleicht unter Einfluss Burgkmairs, von spätgotischer Trockenheit und Linearität zu befreien und durch Renaissanceformen, farbigen Reichtum und größere räumliche Auflockerung zu modernisieren (Sebastiansaltar, 1516, Alte Pinakothek München). Auch für Glasmalerei tätig, aber der Druckgraphik verschlossen, war er ein unermüdlicher Zeichner, der seine Kompositionen sorgfältig vorbereitete. Bedeutend und einzigartig sind vor allem seine psychologisch treffenden Porträtstudien in Silberstiftzeichnung. Ab 1516 Aufträge am Oberrhein, wo er in Basel, Luzern und Isenheim nachweisbar ist, die Kontakte zu Augsburg aber nicht abbrach (großformatiges Spätwerk ’Lebensbrunnen’, 1519; Nationalmuseum, Lissabon).
  • 2) Sigmund, † November 1540 Bern. Jüngerer Bruder von 1). War in Augsburg offenbar stets in dessen Werkstatt tätig. Zog zu unbekannter Zeit nach Bern. Trotz mancher Zuschreibungen ist von seiner Kunst kein klares Bild zu erhalten, da Signaturen und damit gesicherte Werke fehlen.
  • 3) Ambrosius, * 1494 Augsburg, † um 1519 wohl in Basel. Sohn von 1), zeigte sich in seiner kurzen Schaffenszeit als sensibler und begabter, an den Stil des Vaters anknüpfender Maler und Zeichner. 1514/15 am Bodensee tätig (Konstanz, Stein am Rhein), zog er weiter nach Basel, wo er 1517 Meister wurde, malte und Buchillustrationen entwarf. Ab 1519 verliert sich seine Spur.
  • 4) Hans d. J., * 1497/98 Augsburg, † 1543 London, Maler, Zeichner (Holz- und Metallschnitt). Sohn von 1) und bedeutendstes Glied der Künstlerfamilie. Nach Ausbildung in der väterlichen Werkstatt verließ er Augsburg wohl schon 1514/15, um nicht mehr zurückzukehren. Sein steiler Aufstieg begann in Basel durch Kontakt mit einflussreichen Kreisen (Bürgermeister Jakob Meyer) und Bekanntschaft mit Erasmus von Rotterdam. Fassadenmalereien in Luzern und Basel festigten seinen Ruhm. 1524 Reise nach Frankreich; 1526-1528 in Antwerpen und England, wo er u. a. den Kanzler Thomas Morus malte. 1528-1532 wieder in Basel, wo er den Bildersturm erlebte und Wandmalereien im Rathaus, bedeutende Scheibenrisse und Holzschnittfolgen (Altes Testament, Todesbilder) schuf. Danach wieder in London tätig für deutsche Kaufleute im Stahlhof und für den königlichen Hof; ab 1537 Hofmaler Heinrichs VIII. In seinen gemalten und gezeichneten Porträts bürgerlicher und adliger Zeitgenossen prägte er entscheidend das überlieferte Menschenbild der Renaissance. Sein Enkel Philipp (* um 1553, † um 1629) lebte um 1600 in Augsburg und war Silberhändler, Edelsteinschleifer und kaiserlicher Hofjuwelier.
  • Holbeinstraße (Bahnhofs- und Bismarckviertel, Amtlicher Stadtplan I 8/9), benannt nach Holbein 1) und 4).

1) Alfred Woltmann, Holbein und seine Zeit, 2 Bde., 1874/76; Curt Glaser, Hans Holbein der Ältere, 1908; Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler 17, 1924, 333-335; Ludwig Baldass, Niederländische Bildgedanken im Werk des älteren Holbein, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Kunst 2, 1928, 159-191; Christian Beutler / Günther Thiem, Hans Holbein d. Ä., 1960; Hanspeter Landolt, Das Skizzenbuch Hans Holbeins des Älteren im Kupferstichkabinett Basel, 1960; Norbert Lieb / Alfred Stange, Hans Holbein der Ältere, 1960; Hans Holbein d.Ä. und die Kunst der Spätgotik, 1965; Bruno Bushart, Hans Holbein d. Ä., 1987; Katharina Krause, Hans Holbein der Ältere, 2002; Hans Holbein d. Ä.: Die Graue Passion in ihrer Zeit, 2010; Allgemeines Künstlerlexikon 74, 2012, 213-219; Homepage (www.bayerische-bibliographie.de).
2) Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler 17, 1924, 357-358; Hans Holbein d. Ä. und die Kunst der Spätgotik, 1965; Allgemeines Künstlerlexikon 74, 2012, 217.
3) Willy Hes, Ambrosius Holbein, 1911; Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler 17, 1924, 327-332; Dominik M. Klinger / Antje Höttler, Die Malerbrüder Ambrosius und Hans d. J. Holbein, Werkverzeichnis, 1998; Allgemeines Künstlerlexikon 74, 2012, 213.
4) Alfred Woltmann, Holbein und seine Zeit, 2 Bde., 1874/76; Paul Ganz, Die Handzeichnungen Hans Holbeins d. J., 1911-1937; Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler 17, 1924, 335-356; Heinrich Alfred Schmid, Hans Holbein d. J., 3 Bde., 1945-1948; Paul Ganz, Hans Holbein d. J., 1950; Die Malerfamilie Holbein in Basel, 1960; Neue Deutsche Biographie 9, 1972, 512-521; Hollstein's German engravings, etchings and woodcuts 1400-1700, 14, 14A, 14B, 1988; Oskar Bätschmann, Pascal Griener, Hans Holbein d. J., 1997; Erika Michael, Hans Holbein the Younger, 1997; Hans Holbein d. J.: Die Druckgraphik im Kupferstichkabinett Basel, 1997; Hans Holbein d. J. Die Jahre in Basel 1515–1532, 2006; Oskar Bätschmann, Hans Holbein d. J., München 2010; Allgemeines Künstlerlexikon 74, 2012, 219-224; Homepage (www.bayerische-bibliographie.de).

Hans Holbein d.Ä.

Hans Holbein d.J.



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