Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Hörnlin

(Herlin, Hörlin), Kaufmanns- und Patrizierfamilie

Von: Dr. Peter Geffcken (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • 1331-1571 in Augsburg nachweisbar; 1475/80 Herrenstube; 1538 Aufnahme ins Patriziat. Als frühester Vertreter der Familie ist der Metzger Ludwig Hörnlin (I, † 1346/51) fassbar. Sein Enkel Ludwig (II, † 1419) war der erste große Zunftpolitiker aus einer Handwerkerfamilie. Ab 1385 im Rat belegt, zählte er seit 1392 zum engeren Führungszirkel und amtierte ab 1398 neunmal als Stadtpfleger. Über zwei Jahrzehnte war er eine der dominierenden Figuren der Augsburger Politik. Parteinahme für den schismatischen Bischof Anselm führte zu seinem Sturz und zur Ausweisung aus der Stadt. Er und sein Bruder Bartholomäus (I, † 1426) werden in den Quellen zwar als Metzger bezeichnet, als bedeutende Viehhändler mit Geschäftsbeziehungen bis nach Mainz, Frankfurt und Meran haben sie das Handwerk aber kaum mehr ausgeübt. Zwei Töchter des Bartholomäus heirateten 1410 und 1425 die Meutingvettern Johann d. Ä. und Johann d. J. Aus dem Verwandtschaftsgeflecht Meuting-Hörnlin entwickelte sich wohl um 1415/20 die Meuting-Gesellschaft. Als Teilhaber ist 1436 auch ihr Schwager Ludwig (III) Hörnlin († 1473) belegt, der dann 1437 (wie Ulrich Meuting) eine Örtwein, die Witwe Johann (I) Kolers, heiratete. Wahrscheinlich fungierte der spätere Stadtpfleger (1453) auch als ’Lobbyist’ der Gesellschaft im Rat. Seine Söhne gelangten ab 1475/80 durch Heirat auf die Herrenstube. Ende des Jahrhunderts vollzog sich dann auch der Wechsel von der angestammten Metzger- zur Kaufleutezunft. Der Enkel Johann (II, † 1571) wurde Faktor der Grander-Rehlinger-Honold-Gesellschaft, zog sich wohl in den 1550er Jahren aber wegen Krankheit aus dem Handel zurück. 1538 wurde er ins Patriziat aufgenommen und 1549 Mitglied im Großen Rat. Mit ihm erlosch die Familie in Augsburg.

Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert 4, 259-261; Albert Haemmerle, Deren von Stetten Geschlechterbuch, 1955, 86-88; Eduard Zimmermann, Augsburger Zeichen und Wappen, 1970, 4094, 4095; Dieter Weber, Geschichtsschreibung in Augsburg, 1984, 269; Fritz Peter Geffcken, Soziale Schichtung in Augsburg 1396-1521, 1995, München Diss. 1983, 143, 197, Anh. 18-198; Augsburger Eliten des 16. Jahrhunderts, 1996, 315 f.



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