Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Hochstift

Von: Prof. Dr. Wolfgang Wüst (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Der weltliche Territorialstaat der Augsburger Bischöfe. erstreckte sich von Dillingen im Norden bis Sonthofen im Süden, während er in Ost-West-Richtung nur einen schmalen Gebietsstreifen bildete. Herrschaftsansprüche der Bischöfe von Augsburg wurden in städtischer Umgebung im Rentamt Augsburg sowie in den Pflegämtern Göggingen und Zusmarshausen sowie im Erbkammeramt Steppach verwaltungsorganisatorisch umfasst. Nachdem Mitte des 16. Jahrhunderts der Bischof und die zentralen Regierungsämter nach Dillingen übersiedelt waren, verblieben in Augsburg an ständig besetzten hochstiftischen Amtsstellen noch der Burggraf, der Rentmeister, der zeitweise auch die Pflegstelle Göggingen mitverwaltete, der Pfalzpropst, der Zoller an der Wertachbrücke, der Marktzoller sowie nachgeordnete Nebenämter. Der Rentmeister blieb als Mittelbehörde die Verbindungsstelle zwischen der Reichsstadt und den bischöflichen Regierungsbehörden in Dillingen bis zur Säkularisation 1802/03. Er vertrat hochstiftische Positionen gegenüber dem Domkapitel, das nach der Reformation in Augsburg verblieben war und in der Dompropstei seine Pfründenverwaltung in unmittelbarer Nähe der Bischöfliche Residenz lokalisiert hatte. An bischöflich-hochstiftischen Zinslehen in Augsburg sind um 1500 ca. 200 Anwesen genannt, worunter aber als Immunitätsbereich nur die bischöfliche Pfalz, der Stierhof als hochstiftischer Meierhof, die Bischofsmühle (später Belzmühle) und das Zollhaus an der Wertach fielen. Im Pfalzbereich, der sich um Residenz (Haupt- und Nordflügel), Dom, Reitschule, Burggrafenturm und Hofgarten gruppierte, wurde durch einen Tauschvertrag zwischen Stadt und Hochstift 1767 zusätzlich das Seidasche Haus erworben. Dafür trat man eine größere Anzahl bischöflicher Zinslehen an die Reichsstadt ab. Die hochstiftische Repräsentation in der Stadt litt unter den begrenzten höfischen Expansionsmö­glichkeiten in der von Bürgerhäusern eingeengten Pfalz und unter der Abwesenheit der Fürstbischöfe in der Neuzeit. Dieser Missstand änderte sich erst durch die kulturellen und politischen Aktivitäten des Hochstifts während der Amtszeiten der Bischöfe Joseph Ignaz Philipp und Klemens Wenzeslaus.
  • Hochstiftstraße (Haunstetten-West, Amtlicher Stadtplan K 14).

Anton Uhl, Peter von Schaumberg, Diss. München 1940; Friedrich Zoepfl, Das Bistum Augsburg und seine Bischöfe im Mittelalter, 1955; Ders., Das Bistum Augsburg und seine Bischöfe im Reformationsjahrhundert, 1969; Detlev Schröder, Stadt Augsburg, 1975, 69 f., 80 f., 171-178; Wolfgang Wüst, Die fürstbischöfliche Residenz in Augsburg, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 48 (1985), 354-367; Ders., Geistlicher Staat und Altes Reich, 1987; Herbert Immenkötter / Wolfgang Wüst, Augsburg - Freie Reichsstadt und Hochstift, in: Die Territorien des Reichs im Zeitalter der Reformation und Konfessionalisierung 6, 1996, S. 8-35; Wolfgang Wüst, Das Fürstbistum Augsburg, 1997.



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