Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Hessing

Johann Friedrich Ritter von, * 19.6.1838 Schönbronn (Schillingsfürst), † 16.3.1918 [Augsburg-] Göggingen, Orthopäde

Von: Günther Grünsteudel (Stand: 29.11.2011)

  • Sohn eines Bauern und Hafners. Nach abgebrochener Gärtnerlehre Ausbildung zunächst zum Schreiner und schließlich zum Orgelbauer (bei Georg Friedrich Steinmeyer in Oettingen/Ries). Vermutlich bereits seit 1862 als Gehilfe des Klavierbauers Schramm in Augsburg, wo er 1866 die Gewerbeerlaubnis als selbstständiger Orgelbauer erhielt. Schon seit seiner Jugend beschäftigte er sich mit dem Bau orthopädischer Apparate. Unterstützt von Bürgermeister Ludwig Fischer und einer Reihe von Ärzten gründete er im Oktober 1868 in Augsburg eine orthopädische Heilanstalt, die er 1869, unterstützt von dem späteren Reichskanzler Fürst Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst, in das leerstehende Landgerichtsgebäude nach Göggingen verlegte. 1890 war die Anstalt bereits auf mehr als 180 Betten angewachsen und besaß eigene Werkstätten. Zu seinen bekanntesten Patienten gehörten der Leibarzt des russischen Zaren und die deutsche Kaiserin Auguste Viktoria. Auf Grundlage seiner Erfolge errichtete er weitere Kuranstalten in Reichenhall und Wildbad bei Rothenburg ob der Tauber; seit 1900 war er Pächter der Staatsbäder Kissingen und Bocklet. 1904 Ernennung zum bayerischen Hofrat. Ehrenbürger von Rothenburg (1913), Bad Reichenhall und Bad Kissingen (1917). 1913 bayerischer Verdienstorden und Personaladel. Testamentarisch verfügte Hessing, dass sein gesamtes Vermö­gen in eine Stiftung eingebracht werden sollte, um den Erhalt und Fortbestand seiner Anstalten zu sichern (Hessing-Stiftung). "Durch Hessing wurde eines der Grundelemente der Orthopädie, der Apparatebau, zu neuer Blüte gebracht. Dabei passte Hessing seine Apparate individuell nach den Körperformen an. Erkrankte Gelenke und Glieder wurden so entlastet und ruhiggestellt. Die ambulante Behandlung von Gelenktuberkulose und Knochenbrüchen wurde in Konkurrenz und Ergänzung der Gipsbandbehandlung möglich." (G. Grosch).
  • Hessingstraße (1912, Göggingen-Süd, Amtlicher Stadtplan H 11).

A. E. Stein, Friedrich von Hessing und die deutsche Orthopädie, in: Zeitschrift für orthopädische Chirurgie 39 (1919); Neue deutsche Biographie 9, 1972, 25; Gerhard Grosch, Der Orthopäde Friedrich von Hessing, 1970; Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben 11, 1976, 250-262; 150 Jahre Friedrich von Hessing, 1988.

Johann Friedrich von Hessing



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