Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Haustetter

(Hustetter), Kaufmannsfamilie

Von: Dr. Peter Geffcken / Prof. Dr. Mark Häberlein (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • 1366-1504 in Augsburg nachweisbar; 1466 Herrenstube. 1366 erwarb der aus Haunstetten zugewanderte Weber Heinrich Haustetter (I, † 1413) Augsburger Bürgerrecht. Ein beachtliches Vermögen und die Nennung als (Baum-) Wollgeschauer können als Indiz für eine Beteiligung am Baumwoll- und Barchenthandel gewertet werden. Seine Söhne Heinrich (II, † 1437/38) und Jakob (I., † 1452/53) wurden seit 1406 bzw. 1408 selbstständig zur Steuer veranlagt. Schon durch seine erste Ehe hatte Jakob Beziehungen zu Hans Meuting d. Ä. geknüpft, die durch eine zweite Ehe mit einer zur Verwandtschaft zählenden Elisabeth intensiviert wurden. Sie scheint mit einer Einlage an der Meuting-Gesellschaft beteiligt gewesen zu sein, da die Steuerbücher ab 1446 ein Sondervermögen Elisabeths und ihres Sohnes Jakob ausweisen, das ab den 1450er Jahren Ludwig Meuting versteuerte. Über kaufmännische Aktivitäten von Jakob (II, † 1504/05) ist bislang nichts bekannt; seine verwandtschaftlichen Beziehungen lassen aber eine enge Zusammenarbeit mit Ludwig Meuting († 1481) vermuten. In nur 15 Jahren stieg sein Anschlagvermögen von 2355 fl (1466; 68. Stelle) auf 16.000 fl (1480; 8. Stelle). Rückgang der Vermögensdynamik und zunehmende Investitionen in Kapitalrenten deuten in den 1480er Jahren auf allmählichen Rückzug aus dem Geschäftsleben hin. Private Gründe spielten dabei wohl eine zentrale Rolle; seine 1466 geschlossene Ehe mit Ursula Rehlinger war kinderlos geblieben. 1488 lieh Jakob (II) Bischof Friedrich (II) 17.000 fl und errichtete 1496 eine Stiftung mit einem Kapital von mindestens 12.000 fl, aus dem 607 fl jährlich zur Verteilung bestimmt waren. Sie bestand u. a. aus einem Almosen für 20 Hausarme, einer Aussteuerstiftung für fünf Jungfrauen, vier großen Jahrtagen, dem Unterhalt von vier Stuhlbrüdern und einer Kaplanstelle. Einer der bedeutendsten Stifter der Generation vor Jakob Fugger ’dem Reichen’.

Anton Werner, Die örtlichen Stiftungen für die Zwecke des Unterrichts und der Wohltätigkeit in der Stadt Augsburg, 1899 , 12 f.; Jakob Strieder, Zur Genesis des modernen Kapitalismus. Forschungen zur Entstehung der großen bürgerlichen Kapitalvermögen am Ausgange des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit, zunächst in Augsburg, 21935, 153-155; Rolf Kießling, Bürgerliche Gesellschaft und Kirche in Augsburg im Spätmittelalter, 1971, 190, 223 f., 229, 236-238.



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