Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Gwerlich

(Gwärlich), Kaufmannsfamilie

Von: Dr. Peter Geffcken (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • 1364 bis ins 16. Jahrhundert in Augsburg nachweisbar; Herrenstube (Stubenzettel 1416). Konrad (I, † 1396/98), Angehöriger einer seit Mitte des 13. Jahrhunderts belegten Ulmer Patrizierfamilie, erscheint in den 1360er Jahren in Augsburg. Als Vertreter der Kaufleutezunft kam er in den Rat und amtierte 1376 und 1380 als Steuermeister. Belegt ist Beteiligung am Fernhandel; 1369 lieferte er Löwener Tuch auf Kredit. Auch der Erwerb der Grundherrschaft Reinhartshausen wurde von ihm eingeleitet (1371). Ab 1391 erscheint neben ihm der Sohn Johann (I, * um 1365/70, † 1419/20), der als bedeutender Baumwoll- und Barchenthändler belegt ist, aber auch andere Waren in seinem Sortiment führte. Von seiner Witwe, einer Tochter des in Frankfurt und Nördlingen nachweisbaren Großkaufmanns Ulrich (I) Tott († 1396/98), wurde die Firma erfolgreich weitergeführt. Große Bedeutung erlangte in dieser Zeit Ulrich Haller († 1437/38), der vom Handelsdiener zum Teilhaber aufgestiegen war. Auch der 1429 in Reggio Emilia gefangengesetzte Kaufmann Friedrich Kön dürfte mit der Gwerlich-Gesellschaft zusammengearbeitet haben. In den 1430er Jahren lassen die Steuerdaten einen Rückzug aus dem Handel erkennen. Der Sohn Johann (II, † 1463/64) lässt sich nicht mehr als Kaufmann fassen. Er dürfte den Sitz in Reinhartshausen errichtet haben, der kurz nach seinem Tod erstmals erwähnt wird. Die Teilung des Erbes unter fünf Kindern erschütterte die wirtschaftliche Basis der Familie. 1474 mussten die Brü­der Konrad († nach 1483) und Ulrich Gwerlich († nach 1516) ihre Grundherrschaft veräußern. Nach unstandesgemäßer Heirat mit seiner Magd verschwindet Konrad Mitte der 1480er Jahre aus den Quellen. 1489 gab Ulrich sein Bürgerrecht auf, erscheint aber 1492-1516 wieder mit einem bescheidenen Vermögen in den Steuerbüchern.
  • Johann Gwerlich (* um 1390? Günzburg, † 18.5.1445 Augsburg) ist nicht dem gut belegten Augsburger Zweig der Familie zuzuordnen, führte aber das Wappen der Gwerlich. Bei einem Prozess an der Kurie versuchte Augsburg, an seinem Beispiel nachzuweisen, dass vor 1474 auch Bürgersöhne ins Domkapitel aufgenommen wurden. 1487 gab aber der Vikar J. Kaufmann zu Protokoll, der ihm persönlich bekannte Johann Gwerlich sei ’geborener Günzburger’ gewesen. 1412 wurde er bei seiner Immatrikulation in Bologna als Chorherr von St. Moritz, 1414 als Chorherr von St. Gertrud bezeichnet. Seine eigentliche Karriere begann als Vertrauter Bischof Anselms von Nenningen, dessen Bevollmächtigter bei der Kurie er 1414 war. Im Auftrag des Bischofs betrieb er 1418 die Verhängung des Banns über Augsburg und erscheint dabei als ’Magister’ und Augsburger Domherr. Seinem Gönner verdankte er wohl auch die reiche Pfarrei Günzburg (1421) und die Propstei von St. Gertrud (1421). Erneute Studien in Bologna: 1422 Prokurator der deutschen Nation, 1423 Promotion zum Dr. decr. 1424 Gesandtschaft nach Rom. 1425-1445 Domkustos als Nachfolger Heinrich Neidharts. 1430 Propst von St. Peter am Perlach. Unter seiner Ägide wurde 1431 der Hochchor des Doms vollendet und 1444 die Sakristei erbaut. 1442 Bücherstiftung an das Domkapitel. Bei der Dichte der Augsburger Belege ab 1428 können sich die Nennungen eines Johann Gwerlich als Dekan der Wiener Juristenfakultät nur auf einen gleichnamigen Passauer Kleriker beziehen.

Monumenta Boica 35 I, 216-218; Monumenta Germaniae Historica, Necr. I, 63, 133; Max Förderreuther, Die Augsburger Kaufmannschaft in den bayerischen Herzogtümern während der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts, 1892, 21 f.; Gustav C. Knod, Deutsche Studenten in Bologna, 1899, 1269; Albert Haemmerle, Die Canoniker des hohen Domstiftes zu Augsburg [...], 1935, 285; Ders., Die Canoniker der Chorherrenstifte St. Moritz, St. Peter und St. Gertrud in Augsburg, 1938, 166; Franz Bastian, Das Runtingerbuch 1383-1407 1, 1944, 457; Friedrich Zoepfl, Das Bistum Augsburg und seine Bischöfe im Mittelalter, 1955, 361-379; Repertorium Germanicum 4/2, 1957, 1961-1963; Eduard Zimmermann, Augsburger Zeichen und Wappen, 1970, 4405; Rolf Kießling, Bürgerliche Gesellschaft und Kirche in Augsburg im Spätmittelalter, 1971, 224, 338-340; Fritz Peter Geffcken, Soziale Schichtung in Augsburg 1396-1521, 1995, München Diss. 1983, 142, Anh. 9-134.



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