Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Gumpelzhaimer

Adam, * 1559 Trostberg/Oberbayern, † 3.11.1625 Augsburg, Komponist, Kantor, Praeceptor

Von: Günther Grünsteudel (Stand: 15.2.2011)

  • Lateinschule bei St. Ulrich und Afra, dort auch musikalische Ausbildung bei Magister Jodocus Enzenmüller. Seit 1581 Praeceptor der untersten Klasse des Gymnasiums und Kantor bei St. Anna. Ab 1582 Studium an der Universität Ingolstadt (ließ sich während dieser Zeit wahrscheinlich von einem Substituten vertreten). 1585 Eheschließung mit Barbara Wismüller aus Walpach bei Donauwörth. 1590 Bürgerrecht. Machte die von ihm geleitete Kantorei bei St. Anna im Lauf der Jahre zu einer der führenden in Süddeutschland mit umfangreichem, qualitativ hochwertigem und überkonfessionellem Repertoire (u. a. Giovanni Gabrieli, Orlando di Lasso, Claudio Monteverdi, Giovanni Pierluigi da Palestrina, Michael Praetorius, Heinrich Schütz). Von ihrer umfangreichen Musikbibliothek existieren heute zwar nur noch Reste, glücklicherweise hat sich aber ein ab 1620 größtenteils von Gumpelzhaimer geschriebenes Inventar erhalten, das in beeindruckender Fülle Werke bedeutender Komponisten des 16. und frühen 17. Jahrhunderts aus ganz Europa enthält. Einblick in die Augsburger Besetzungs- und Aufführungspraxis zu Anfang des 17. Jahrhunderts geben zwei von Gumpelzhaimer zwischen 1599 und 1624 angelegte Codices (mit insgesamt 235 Werken von 58 Komponisten sowie 31 Werken ohne Urheber).

    Erste Kompositionen Gumpelzhaimers entstanden wohl schon in den 1580er Jahren. Der früheste Druck, die dreistimmigen 'Neuen Teutschen Geistlichen Lieder […] nach art der welschen Villanellen', erschien jedoch erst 1591 bei Valentin Schönig in Augsburg. Im gleichen Jahr gab er auch die erste Auflage seines 'Compendium musicae' heraus, eine für (seine) Schüler konzipierte musikalische Elementarlehre, die in den folgenden Jahrzehnten eine enorme Breitenwirkung erringen sollte: Bis 1681 erschienen nicht weniger als 13 Auflagen. Gumpelzhaimers kompositorisches Œuvre, das – bedingt durch die zeitraubende Doppelbelastung als Praeceptor und Kantor – nicht allzu umfangreich ist, entstand in erster Linie für seine Kantorei und besteht fast ausschließlich aus geistlicher Vokalmusik vor allem auf deutschsprachige und lateinische Texte: Kanons, mehrstimmige Lieder und andere kontrapunktische Formen vom Bicinium bis zur achtstimmigen Motette. Italienische Einflüsse, die der neuesten Mode entsprachen, sind ebenso zu konstatieren, wie die alten Cantus-firmus-Techniken und die Stilmittel der spätniederländischen Ausdruckspolyphonie. Nach heutigem Kenntnisstand war Gumpelzhaimer der erste Komponist, der die ursprünglich weltlichen Gattungen der Villanella und Canzonetta auf geistliche Texte anwandte. In der zwei Bände umfassenden Motettensammlung 'Sacri concentus' (1601, 1614) erweist er sich auch als versierter Vertreter der venezianischen Doppelchörigkeit.

    Einen 1606 an ihn ergangenen ehrenvollen Ruf als Hofkomponist und Leiter der Kapelle Herzog Friedrichs I. von Württemberg in Nachfolge Leonhard Lechners lehnte er ab, obwohl sich dadurch seine lebenslang eher bescheidene finanzielle Situation wesentlich verbessert hätte. In die Jahre 1617 bis 1621 fällt eine schwere Erkrankung, über die nichts Näheres bekannt ist und von der sich Gumpelzhaimer nicht mehr richtig erholen sollte. Zwischen 1621 und 1625 verkaufte er sukzessive wesentliche Teile seiner privaten Musikbibliothek an die Kantoratsbibliothek. Dabei spielte aber wohl nicht nur der pekuniäre Aspekt, sondern offenbar auch der Gedanke der Sicherung seiner Sammlung für spätere Generationen eine Rolle.
  • Gumpelzhaimerstraße (1973, Oberhausen-Süd, Amtlicher Stadtplan I 7; zuvor: Kleine Mühlstraße).

Otto Mayr, Adam Gumpelzhaimer, Diss. München 1908; Neue deutsche Biographie 7, 1966, 305 f.; Richard Schaal, Das Inventar der Kantorei St. Anna in Augsburg, 1965; Franz Krautwurst / Wolfgang Zorn, Bibliographie des Schrifttums zur Musikgeschichte der Stadt Augsburg, 1989; Richard Charteris, Adam Gumpelzhaimer’s little-known score-books in Berlin and Kraków, 1996; Thomas Röder / Theodor Wohnhaas, Der Augsburger Musikdruck von den Anfängen bis zum Ende des 30jährigen Kriegs, in: Augsburger Buchdruck und Verlagswesen, 1997, 312-315; The new Grove dictionary of music and musicians 10, 22001, 582 f.; Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Personenteil 8, 22002, 274-278; Günther Grünsteudel, „Cantate Domino canticum novum“. Zur Geschichte der Musikpflege bei St. Anna, in: St. Anna – eine Kirche und ihre Gemeinde, 2011 [in Vorbereitung].

Adam Gumpelzhaimer



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