Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Grünpeck

Joseph (Grinpeck, Boioarius), * um 1470 Burghausen/Inn, † um 1532 Steyr/Oberösterreich, Humanist, Literat

Von: Dr. Christoph Roth (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Nach Studien in Ingolstadt (M.A. 1491) und Krakau (seit 1494) 1496 Professor für Rhetorik in Ingolstadt, floh noch im selben Jahr vor der Syphilis nach Augsburg, Privatlehrer bei verschiedenen Patrizierfamilien. Eine Karriere als Sekretär Kaiser Maximilians I. endete, als er 1501 an Syphilis erkrankte; erhielt vom Kaiser zur Existenzsicherung 1504 eine Spitalmühle in Steyr. Nach seiner Heilung (angeblich durch Eigentherapie) Wanderleben in Süddeutschland und der Schweiz. Verbrachte seine letzten Jahre wohl in Steyr. Sein vielseitiges literarisches Œuvre weist zahlreiche Verbindungen nach Augsburg auf: als Sprach- und Tugendlehre sollten zwei lateinische Dramen dienen, die 1497/98 durch seine Schüler in Augsburg aufgeführt und als ’Comoediae utilissimae’ bei Johann Froschauer gedruckt wurden. Eines davon (’Virtus et Fallacicaptrix’) wurde für Maximilian I. inszeniert und brachte Grünpeck 1498 die Dichterkrönung ein. Weitere Betätigungsfelder waren Astrologie, Medizin und Historiographie. Ein ’Prognosticon’ auf die Jahre 1496-1499 widmete er dem Augsburger Bürgermeister; eine Übersetzung seines astrologischen Hauptwerks ’Speculum naturalis coelestis et propheticae visionis’ erschien bei Johann Schönsperger. Sein dem Rat gewidmeter ’huebscher Tractat von dem vrsprung des bosen franzos’ gehört zu den ersten deutschen Syphilis-Abhandlungen. Historische Arbeiten, deren wichtigste die ’Historia Friderici III. et Maximiliani’ ist (Handschrift mit Federzeichnungen von Jörg Breu), runden das Bild des Universalgelehrten ab.

Allgemeine deutsche Biographie 10, 1879, 56-59; A. Czerny, Der Humanist und Historiograph Kaiser Maximilians I. Joseph Grünpeck, in: Archiv für österreichische Geschichte 73 (1883) H. 2, 315-364; Historia Friderici et Maximiliani, in: Der österreichische Geschichtsforscher 1 (1938), 64-97; Ernst Werner, Der Humanist Joseph Grünpeck und seine 'Comoediae utilissimae', Diss. Wien 1949; Alphons Lhotsky, Quellenkunde zur mittelalterlichen Geschichte Österreichs, 1963, 458 f.; Neue deutsche Biographie 7, 1966, 202 f.; Literaturlexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache 4, 1989, 395; Biographisches Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität München 1, 1998, 159 f.



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