Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Grander

Kaufmannsfamilie

Von: Dr. Peter Geffcken (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • 1428-1531 in Augsburg nachweisbar; Herrenstube (Wappenzyklus 1457). Ab 1428 ist Nikolaus (I, † 1457/63), ein Schwestersohn Johann Meutings d. Ä., in Augsburg nachweisbar. Der Vater ist unbekannt, die Mutter hatte in zweiter Ehe den 1414 eingebürgerten Heinrich Widenmann ’von Aytingen’ geheiratet. In den Quellen erscheint er auch als 'Widenmann' (1428), ’Nicolaus Mewting’ (1429, 1434) und als ’Claus Grander den man nennt Mewting’ (1436). 1429 beauftragte ihn Erhard Wahraus mit der Eintreibung von Schulden der Nürnberger Zütsch-Gesellschaft. Als Teilhaber der Meuting-Gesellschaft ist er ab 1434 belegt; 1448 versteuerte er ein Anschlagvermögen von 6240 fl (17. Stelle). 1453 wurde er in eine Kommission berufen, die die Bücher der Nürnberger Arzt-Gesellschaft prüfen sollte. Bis 1449 als Richter und Ratsherr der Kramerzunft fassbar, wechselte er dann in die Salzfertigerzunft und saß ab 1452 erneut im Rat. Als er 1457 Augsburg verlassen musste, übernahm sein Sohn Georg (I, † 1510) einen Großteil des Besitzes. Beteiligt am Erbe der Nördlinger (II), zählte er anfänglich zu den reichsten Augsburgern, konnte aber diese Position trotz patrizischer Ehen (Gossembrot, Hofmaier) nicht halten. Nachweisbar sind Depositen bei den Fuggern (1495), Belege für aktive Beteiligung am Fernhandel fehlen. Als Zunftzwölfer der Salzfertiger erscheint er 1459-1465 und, nach kurzfristigem Wechsel in die Kaufleutezunft, wieder ab 1479. Der einzige Sohn Georg (III) wird nur bis 1489 erwähnt, 1519 fiel das Erbe an die überlebenden Töchter.

    Entgegen der gängigen Auffassung ist Thomas (I, † 1467/68) bislang nicht als Sohn des Nikolaus (I) zu identifizieren. 1444 als Meutingfaktor erwähnt, kam er durch Heirat (1449) mit einer Tochter Johann Meutings d. J. in die Kaufleutezunft, als deren Zwölfer er 1466/67 genannt wird. 1454 führt er einen Handelsprozeß in Frankfurt. Um 1459/60 sowie 1461 wird die Thomas-Grander-Gesellschaft mit einer Niederlassung in Nürnberg erwähnt. Die Teilhaber dieser Gesellschaft sind nicht bezeugt; im Kontext der Ehe mit Barbara Fugger (1453/54) legen Indizien eine Beteiligung der Schwiegermutter und Mitarbeit des Schwagers Lukas Fugger nahe. Als Thomas (I) starb, waren seine vier Söhne Thomas (II), Georg (II), Lukas und Andreas noch minderjährig; die Existenz einer Grander-Gesellschaft in den 1470er Jahren kann somit, entgegen der Literatur, ausgeschlossen werden. Wahrscheinlicher ist die Annahme, dass die Firma von Lukas Fugger weitergeführt wurde: 1469 ist er erstmals als selbstständiger Kaufmann nachweisbar, 1478 wurde ’Mathias et Thomas Focar, socii et mercatores Alemani’ vom Mailänder Herzog Geleit zugesichert. Bei Letzterem muss es sich um den Schwestersohn Thomas (II) Grander handeln, da ein Thomas Fugger nicht existiert. 1484 erhielt Andreas Grander von Lukas Fugger Prokura, nach den Steuerdaten lagen zumindest Teile des Grander-Erbes in der Fugger-Gesellschaft. Seit Mitte der 1480er Jahre gingen die Brüder eigene Wege: 1491 und 1495 ist wieder eine nach dem ältesten Bruder Thomas (II, * 1454, † 1500) benannte Gesellschaft belegt; nur wenige Monate nach seinem Tod erscheint sie als ’Jörg Grannder und seine Gesellschaft zu Augspurch’. Nachdem schon 1493 Lukas Grander († 1524/25) ausgeschieden war, zog sich 1503 auch Georg (II, † 1511) zurück.

    Andreas Grander (* um 1460, † 1531), wohl schon in jungen Jahren der eigentliche Kopf der Gesellschaft, schloss sich nun mit seinem Schwager Konrad (VIII) Rehlinger und dessen Neffen Johann (II) Honold zusammen, die wohl beide schon vorher als Faktoren tätig waren; 1507 wurde als vierter Gesellschafter Peter Honold († 1537) aufgenommen. Ein Schwerpunkt des Handels war Venedig, wo ’Ser Andrea Grandei e compagni’ eine Kammer im Fondaco dei Tedeschi besaß. Auch sonst war die Firma in Italien aktiv: In L’Aquila wird sie als Direkteinkäuferin von Safran erwähnt. Über die Nürnberger Niederlassung erreichte der Handel im Osten auch Leipzig und Breslau; wie bei anderen großen Häusern ist auch eine Prä­senz in Antwerpen (1525) belegt. Obwohl 1510 unter den Gewerken von Reichenbach genannt, hatte der Montansektor für die Firma wohl eher nachrangige Bedeutung; vereinzelt fassbarer Silberhandel scheint komplementärer Bestandteil des Warenhandels gewesen zu sein. Zusammen mit anderen Firmen wurde die Grander-Gesellschaft 1523 vom Reichsfiskal wegen Monopolbildung angeklagt. Indizien, aber auch biographische Notizen zu Johann (II) Hörnlin sprechen für die Annahme, dass die Firma nach Granders Tod (1531) von Konrad Rehlinger übernommen wurde.

Franz Josef Schöningh, Die Rehlinger von Augsburg, 1927, 5-10, 67-72; Eduard Zimmermann, Augsburger Zeichen und Wappen, 1970, 3501; Fritz Peter Geffcken, Soziale Schichtung in Augsburg 1396-1521, 1995, München Diss. 1983, 142, 196, Anh. 75-213; Augsburger Eliten des 16. Jahrhunderts, 1996, 193-195.



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