Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Fuggersche Stiftungen

Von: Franz Karg (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Die Fugger von der Lilie errichteten aus Sorge um das Wohl ihrer Mitbürger sowie um das Seelenheil ihrer Familie seit Ende des 15. Jahrhunderts zahlreiche Stiftungen vorzugsweise in Augsburg, dann zunehmend im Bereich ihrer anwachsenden Herrschaften im Umland. Der Ursprung liegt im Konto St. Ulrich in Höhe von 10.000 Gulden, das die Brüder Ulrich, Georg und Jakob Fugger zu Ehren des Augsburger Stadtheiligen in die Firma nahmen. Davon wurde die Ausstattung der Fuggerkapelle in St. Anna (1509) zur Repräsentation der Firma und der Sepultur der Familie, der Unterhalt einer Prädikatur beim Stift St. Moritz für eine bessere katholische Predigt und v. a. der Aufbau der Fuggerei zur Unterstützung von unverschuldet in Not geratenen Augsburger Mitbürgern bestritten (Urkunde vom 23.8.1521).

    Im Umfeld der Fuggerei dienten weitere Stiftungen der Gesundheitsfürsorge: Holz- und Blatterhausstiftung (Urkunde vom 31.7.1548) sowie das Fuggerische Schneidhaus, eine der frühen chirurgischen Einrichtungen in Deutschland. Zum gleichen Datum Stiftung eines Spitals in Waltenhausen (bei Babenhausen). Damit öffneten sich die Stiftungen – zunehmend auch in Augsburg – Bedürftigen und Kranken aus den wachsenden Fuggerschen Besitzungen in Schwaben. Zustiftungen aus dem Kreis der Handelsdiener durch Legate: Veit-Hörl-Stiftung für Studium und Arme (1546); Simon Scheibenhart zum Holz- und Schneidhaus (1567); aus Mitteln des Dr. Johann Mylius Errichtung eines Kollegs für Studenten in Löwen (1610). Ab der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts vermehrt religiöse Stiftungen, besonders von Kapellen in St. Ulrich und Afra, Mittel zur Errichtung des Jesuitenkollegs St. Salvator und des Kapuzinerklosters (Kapuziner); Errichtung der Kirche St. Markus in der Fuggerei (1582). Vermehrt Zustiftungen zu bereits bestehenden Einrichtungen durch Legate.

    Sämtliche großen Stiftungen existieren bis heute, teilweise mit verändertem Stiftungszweck unter Leitung des Fuggerschen Seniorats, das auf je einen Administrator der Raymundus- und Antoniuslinie zurückgeht. Schwerpunkte sind heute: Fuggerei und zentrales Archiv in Dillingen, die aus Forst- und Mieteinnahmen finanziert werden. Erstere sind eine Folge des Ankaufs waldreicher Besitzungen im 17. Jahrhundert (Laugna, Bocksberg und Emersacker) und damit der Umwandlung von Kapital- in Liegenschaftsstiftungen. So konnte das Kapital über die Inflationen hinweg gerettet werden, freilich heutzutage mit großer Abhängigkeit vom Holzpreis.

Norbert Lieb, Die Fugger und die Kunst, 2 Bde., 1952/58; H. Liermann, Zur Rechtsgeschichte der Fuggerschen Stiftungen, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 19 (1955), 395-407; Götz von Pölnitz, Die Fuggerschen Stiftungen, in: Lebensbilder deutscher Stiftungen 2, 1971, 3-21.



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