Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Freie Demokratische Partei

(FDP)

Von: Dr. Gerhard Hettinger (Stand: 25.8.2009)

  • Die FDP hatte in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht nur bundesweit, sondern auch in Augsburg ein wechselhaftes Schicksal. Als Lizenzpartei der amerikanischen Militärregierung entstand die FDP in Bayern bereits im Mai 1946. Sie war gedacht als Nachfolgepartei der liberalen Strömungen vor 1933, die schon seit dem 19. Jahrhundert durch Individualismus und ideenmäßige Zersplitterung gekennzeichnet waren: Die Deutsche Fortschrittspartei war schon in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts in die rechtsgerichteten Nationalliberalen (1871: 119 Sitze im Reichstag) und die linksgerichteten Freisinnigen bzw. Fortschrittlichen Volksparteien (1871: 47 Sitze) zerfallen. Erstere hatten 1933 noch zwei Sitze und Letztere (Deutsche Demokratische Partei bzw. Deutsche Staatspartei) fünf Sitze im Reichstag inne. Mit unterschiedlichen Namen und auch unterschiedlichen Grundauffassungen traten dann auch nach 1945 wieder liberale Gruppierungen in Erscheinung. Die Liberal Demokratische Partei Deutschlands driftete unter der weltpolitischen Ost-West-Spannung in der Sowjetischen Besatzungszone in eine SED-nahe Politik ab. Die Gruppierungen in den drei westlichen Besatzungszonen schlossen sich im Dezember 1948 unter dem Namen Freie Demokratische Partei zu der Partei zusammen, die sich nach der Wiedervereinigung auch auf Ostdeutschland ausdehnte. Der FDP-Kreisverband Augsburg entstand bereits 1946. Führende Köpfe waren vor allem Herta Ilk, die zum Kreis um Theodor Heuss gehörte, und Ludwig Wegele. Herta Ilk war von 1949 an acht Jahre lang Bundestagsabgeordnete und 15 Jahre lang Mitglied im Bundesvorstand der FDP, danach Mitglied im Augsburger Stadtrat. Sie prägte in den Gründungsjahren weitgehend den Kreisverband. Von Wegele, der 1952-1966 3. Bürgermeister und 1964-1970 Kulturreferent der Stadt Augsburg war, gingen starke Impulse für das kulturelle Leben und die Geltung der Stadt nach außen aus. Dem Bezirkstag von Schwaben gehörte er 1954-1974 an. Sein Nachfolger im Bezirkstag war 1974-1978 Gerhard Hettinger, der sich noch vor dem Entstehen der Partei der Grünen darum bemühte, bei der Anhörung des Bezirktags zum Landesentwicklungsprogramm ökologische Akzente einzubringen. Im Kreisverband konnte es nicht ausbleiben, dass die alten Gegensätze der Liberalen wieder in Erscheinung traten. Das kam dadurch zum Ausdruck, dass mehr und mehr auch eine Partei 'mittelständischer' Prägung angestrebt wurde. Der rechtsliberale Schuhfabrikant Dietrich Bahner sicherte sich seinen Einfluss nicht zuletzt dadurch, dass er einen Geschäftsführer für Kreisverband und Bezirksverband unterhielt, der seinerseits stark national orientiert war. Bahner wurde dann auch Bezirksvorsitzender in Schwaben und Landesvorsitzender der FDP in Bayern. Als sich die Bundespartei 1970 zur SPD hin öffnete, verließ Bahner mit einer größeren Zahl von Mitgliedern die Partei und suchte in der rechtsliberalen Freien Volkspartei bzw. Deutschen Partei Fuß zu fassen, die aber keine politische Bedeutung erlangte. Dies schwächte den Kreisverband ebenso wie die Bonner ‚Wende’ 1982. Die besten Wahlergebnisse wurden 1950 mit 11,4 % (Landtag) und 1961 mit 10,1 % (Bundestag) erzielt. Bis 1972 stellte die FDP in Augsburg drei Stadträte, danach mit einer Unterbrechung (1984-1990) einen. Ungeachtet dessen gelang es ihr, mit Jürgen Dreher 1972-1978 den Stiftungsreferenten und ab 1996 mit Jürgen Bruggey den Umweltreferenten zu stellen. Zu einem neuen Aufschwung des Kreisverbandes kam es im bundesweiten Trend erst wieder nach 2000.



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