Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Dulten

Von: Prof. Dr. Günther Kapfhammer / Helga Hoffmann (Stand: 17.2.2011)

  • Im Mittelalter waren Dulten (’dult’ = althochdeutsch Fest, Feier) mit Märkten verbundene Kirchenfeste. Die beiden großen Augsburger Dulten finden zu Ostern und nach Michaelis (29.9.) statt. Nach Paul von Stetten machte Kaiser Otto I. 967 in Augsburg Station 'und blieb daselbst so lang, als der Jahrmarckt, so um Michaelis gehalten wird, gewähret'. Die Osterdult fand als Tuchmesse mit geringer überregionaler Bedeutung erste Erwähnung im Stadtrecht von 1276; der Übergang von der einstigen Tuchmesse zur Dult mit breitem Warenangebot verlief wohl fließend. Die Oster- und die Michaelidult wurden bis zum Ende des 19. Jahrhunderts auf der Maximilianstraße und deren Seitengassen abgehalten. Märkte zogen stets das Schaugewerbe an; zunächst erschienen Feuerschlucker und Spielleute, dann Schausteller, die vorzugsweise Kuriositäten, Abnormitäten oder exotische Tiere präsentierten. Das erste lebende Rhinozeros wurde in Deutschland nachweislich 1748 in Augsburg gezeigt (Kupferstich von Johann Elias Ridinger). Später kamen auch Kleinkunstbühnen und Karussells zur Aufstellung. In unmittelbarer Nähe zur Dult entstand in der Hallstraße und an der Hallhofmauer ein Vergnügungspark. 1854 wurde die Michaeli-Dult wegen einer Cholera-Epidemie abgesagt. Aufgrund von Klagen der Anwohner wegen der Lärmbelästigung wurde die Volksbelustigung 1878 vom Warenmarkt getrennt und auf den Kleinen Exerzierplatz am Rand der Stadt verlegt (Plärrer). Auch die Dulten wurden einige Jahre später aus verkehrstechnischen Gründen (Straßenbahn zwischen Perlachturm und Ulrichsplatz) aus der Innenstadt verbannt. 1883 wurde die Michaeli- und 1885 die Osterdult in die Jakobervorstadt verlegt. Seit 1951 werden die Dulten an der Vogelmauer zwischen Jakober- und Vogeltor abgehalten.

Paul von Stetten, Geschichte der Hl. Röm. Reichs Freyen Stadt Augspurg 1, 1743, 41; Augsburger Tagblatt, 16.-18.9-1854; Das Stadtbuch von Augsburg insbesondere das Stadtrecht vom Jahre 1276, 1872, 40-45; Amtsblatt der Stadt Augsburg 38, 1962.



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