Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Dompfarrei

(Kornhausgasse 8)

Von: Dr. Dr. Anton Schneider (Stand: 19.8.2009)

  • Die dem Domkapitel inkorporierte Dompfarrei war ursprünglich die größte unter den Augsburger Pfarreien und umfasste neben der mittelalterlichen Bischofsstadt Teile der Frauenvorstadt; sie reichte bis zum Perlach im Süden und umfasste die gesamte Jakobervorstadt. Pfarrkirche war ursprünglich die um 960 südlich des Doms errichtete Kirche St. Johannes der Täufer (1808 abgebrochen; Freilegung der Fundamente 1928/30). 1534-1548 in lutherischem Besitz, wurden die katholischen Gottesdienste in den Dom verlegt. Auch nach Rückkehr des Domkapitels nach Augsburg (1548) wurden die Pfarrgottesdienste regelmäßig im Dom abgehalten. Der St.-Michaels-Altar (seit 1705 Herz-Jesu-Altar) im südlichen Seitenschiff des Doms war der Dompfarrei überlassen; hier wurde das Allerheiligste aufbewahrt. St. Johannes blieb Taufkirche und wurde bei Trauungen und Totenmessen genutzt; außerdem wurden hier alljährlich das Fest des Kirchenpatrons und der Bruderschaft des hl. Sebastian begangen. Die Seelsorge besorgte ein Domkapitular, der 1530-1805 in Personalunion Vorsteher der Domschule war, mit dem Recht, Pfarrhelfer zu präsentieren, die die Seelsorge ausübten. Nach dem Übergang an Bayern wurde der Pfarrsprengel 1809 erheblich verkleinert. Nach Auflösung von Domkapitel und Dompfarrei beanspruchte König Max I. Joseph von Bayern das Patronatsrecht und berief erstmals am 15.6.1810 einen Dompfarrer und Stadtdekan. Dieser Zustand dauerte trotz Zirkumskriptionsbulle vom 1.4.1818, die die habituelle Seelsorge der Dompfarreien den Domkapiteln zuwies, bis 1878 an, als dem Domkapitel die Designation eines Dompfarrvikars zugestanden wurde; der Approbation durch den Bischof hatte die staatliche Anerkennung vorauszugehen. 1928 Festschreibung der Designation des Dompfarrers durch das Domkapitel in den Kapitelstatuten. Die Pfarrei zählt derzeit 2141 Gemeindemitglieder (Stand: 1.1.2009).

Helmuth Scherer, Der lebendige Dom, 1965; Peter Rummel, Katholisches Leben in der Reichsstadt Augsburg (1650-1806), in: Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte 18 (1984), 19, 106; Thomas Groll, Das neue Augsburger Domkapitel, 1996, 170-194.



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