Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Burgkmair

Von: Dr. Tilman Falk (Stand: 21.5.2013)

  • 1) Hans d. Ä., * 1473 Augsburg, † Mai / Ende August 1531, Maler, Zeichner für Holzschnitt. Erste Ausbildung bei seinem Vater, Thoman Burgkmair (um 1444-1523), dessen wenige erhaltene Werke (religiöse Gemälde in der Staatsgalerie Augsburg; Bildnis des Predigers Johannes Capistran in der Nationalgalerie Prag) ihn als durchschnittlichen Künstler zeigen, der gleichwohl eine geachtete Rolle in der Augsburger Malerzunft spielte und das erste Augsburger Malerbuch (Stadtarchiv Augsburg) schrieb. 1488/89 kurze Lehrzeit bei Martin Schongauer in Colmar oder Breisach. 1498 Meisterrecht und Heirat in Augsburg. 1503 Reise nach Köln anzunehmen, vielleicht bis in die Niederlande. 1507 vermutlich Reise nach Oberitalien, vor allem Venedig, dessen Eindrücke bis zu seinem Lebensende beherrschend blieben. Erste gemalte Bildnisse des Predigers Geiler von Kaisersberg und des Augsburger Bischofs Friedrich (II.) von Zollern entstanden 1490 (beide Staatsgalerie Augsburg). Ab 1491 Holzschnittentwürfe für Erhard Ratdolts liturgische Drucke. Erste Großaufträge mit Holbein d. Ä. für St. Katharina (’Basilikenbilder’ und Altäre; sämtlich Staatsgalerie Augsburg). Ein Altar von 1505 für Kurfürst Friedrich den Weisen von Sachsen zeigt, dass Burgkmair bereits damals zu den besten deutschen Malern gerechnet wurde. Nach anfänglich niederländischem Einfluss (Holbein und Reise von 1503) wandte er sich spätestens ab 1507 südlicher Formenwelt und, stärker als Dürer, weichem venezianischem Kolorit zu. Höhepunkte seiner kirchlichen Malerei sind der Johannesaltar (1518) und der Kreuzigungsaltar (1519, beide Alte Pinakothek München), Triptychen von ernstem Figurenideal und tiefer Farbigkeit mit weiten durchgehenden Landschaftsgründen. Seine eigentliche künstlerische und ornamentale Phantasie entfaltete er in den Holzschnitt-Auftragswerken für Maximilian I.: um 1509 ’Genealogie des Hauses Habsburg’, 1512-1518 zahllose Holzschnittentwürfe zu ’Theuerdanck’, ’Weiskunig’ und ’Triumphzug Maximilians’. Zusammen mit Formschneidern wie Jost de Negker entwickelte er einen von Dürer unabhängigen, lesbaren und schwungvollen graphischen Stil, der vor allem im Historismus als reinster Ausdruck deutscher Renaissance gewertet wurde. Auch im städtischen Leben Augsburgs gesichert und anerkannt, wurde er von Konrad Peutinger gefördert und an humanistische Themen herangeführt. Wichtige Spätwerke sind u. a. die freie Nachschöpfung von Cranachs Apokalypse-Illustrationen zu Luthers Übersetzung (1523); außerdem Beteiligung an einem historischen Bilderzyklus für Wilhelm V. von Bayern (1528/29). Neben ca. 800 Holzschnitten sind von Burgkmair etwa 80-90 Zeichnungen erhalten. Aufnahmebereiter für die malerischen Neuerungen der italienischen Renaissance als Dürer, jedoch ohne dessen zeichnerische Genialität und kunsttheoretische Ambitionen, war Burgkmair der bedeutendste Augsburger Künstler seiner Zeit und einer der Großen der altdeutschen Malerei. Gedenktafel an seinem Wohnhaus Mauerberg 31.
  • Burgkmairstraße (Bahnhofs- und Bismarckviertel, Stadtjägerviertel, Amtlicher Stadtplan I 8/9), benannt nach Burgkmair d. Ä.

  • 2) Hans d. J., *um 1500 Augsburg, † 1562 Augsburg. Von dem offenbar einzigen, künstlerisch wenig bedeutenden Sohn Hans Burgkmairs d. Ä. sind nur einige Buchholzschnitte und Radierungen bekannt, außerdem eine kolorierte Serie von Turnierrittern (1529), von der mehrere Wiederholungen existieren. Vermutlich war er auch Ätzmaler für Augsburger Harnischmacher. Er arbeitete häufig nach Vorlagen des Vaters oder in Zusammenarbeit mit ihm (sog. Pappenheim-Chronik, 1530). 1531 übernahm er dessen Werkstatt, hatte auch etliche Lehrlinge, doch sind keine großen offiziellen Aufträge und auch keine Malereien bekannt. Verheiratet mit einer Tochter des Bildhauers Sebastian Loscher. Neuerdings wurde sein wichtiger Anteil am Augsburger Geschlechterbuch (1543) erkannt, zu dem auch eine größere Anzahl Vorzeichnungen von ihm erhalten sind. Mitarbeit an den Miniaturen im neu aufgetauchten Augsburger 'Wunderzeichenbuch' (um 1550) wird vermutet. Er starb in ärmlichen Verhältnissen.

Heinrich Alfred Schmid, Forschungen über Hans Burgkmair, München 1888; Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler 5, 1911, 252-258; Karl Feuchtmayr, Das Malerwerk Hans Burgkmairs von Augsburg, 1931; Arthur Burkhard, Hans Burgkmair d. Ä., 1932; Ders., Hans Burgkmair, 1934; Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben 4, 1955, 44-66; Hollstein’s German engravings, etchings and woodcuts 1400-1700, 5, 1958, 27-174; Peter Halm, Hans Burgkmair als Zeichner, in: Münchner Jahrbuch der Bildenden Kunst 3. Folge 13 (1962), 75-162; Tilman Falk, Hans Burgkmair, 1968; Hans Burgkmair 1473-1973. Das graphische Werk, 1973; Frank Jakupski, Der Maler Hans Burgkmair der Ältere, Diss. Bochum 1984; Tilman Falk, Holzschnitte Hans Burgkmairs für Matthäus Lang, in: Festschrift Otto Schäfer, 1987, 21-41; Allgemeines Künstlerlexikon 15, 1997, 216 f.; Katharina Krause, Hans Holbein d. Ä. und Hans Burgkmair. Alternativen in der Augsburger Malerei um 1500, in: Zeitschrift für schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte 55 (1998), 111-122; Peter Luh, Kaiser Maximilian gewidmet. Die unvollendete Werkausgabe des Conrad Celtis und ihre Holzschnitte, 2001; Bayerische Bibliographie (www.bayerische-bibliographie.de).
2) Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler 5, 1911, 258; Heinrich Pallmann, Hans Burgkmair des Jüngeren Turnierbuch von 1529, Leipzig 1911; Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben 4, 1955, 44-66; Welt im Umbruch 2, 1980, 234-238; Allgemeines Künstlerlexikon 15, 1997, 217 f.; Bürgermacht und Bücherpracht, 2011; Edith Seidl, Die Künstler des Augsburger Geschlechterbuchs: Hans Burgkmair der Jüngere und Heinrich Vogtherr der Jüngere, in: Das Augsburger Geschlechterbuch, 2012, 19-32.

Hans Burgkmair d.Ä.



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